Bundespolizei beendet lebensgefährliche Fahrt

Marokkaner und Algerier verstecken sich auf Güterzug

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Fischbach am Inn / Rosenheim – Die Bundespolizei hat am Samstag auf Höhe Fischbach am Inn drei Migranten in Gewahrsam genommen, die auf einem Güterzug versteckt nach Deutschland gefahren waren. Mehrere Stunden lang musste die Bahnstrecke zwischen Kufstein und Rosenheim gesperrt werden.

UPDATE, 14.10 Uhr: Polizeimeldung

Samstagnacht bemerkten Mitarbeiter der österreichischen Bahn zufällig, dass sich mehrere Personen auf einem aus dem Kufsteiner Bahnhof ausfahrenden Zug befanden. Sogleich wurden der Fahrdienstleiter in Kufstein, die Notfallleitstelle der Bahn sowie die Bundespolizei in Rosenheim verständigt. Die Bahnstrecke wurde gesperrt. Bei Fischbach am Inn kam der Güterzug, der ursprünglich in Verona gestartet war, zum Stehen. Mehrere Bundespolizisten suchten den Güterzug ab. Auch ein Polizeihubschrauber, der mit einer Wärmebildkamera ausgestattet war, kam zum Einsatz.

Tatsächlich fanden die Beamten auf einem Wagen unterhalb eines Lkw-Aufliegers drei Personen. Die drei jungen Männer bedurften augenscheinlich keiner medizinischen Versorgung und konnten zur Bundespolizeiinspektion nach Rosenheim gebracht werden. Um sicherzustellen, dass sich nicht noch weitere Personen auf dem Güterzug verstecken, wurde dieser am Bahnhof in Raubling, der von der Bundespolizei zusätzlich ausgeleuchtet werden konnte, einer ergänzenden Absuche unterzogen. Der Zugverkehr blieb auch für diese Maßnahme aus Sicherheitsgründen eingestellt. Weitere Personen wurden jedoch nicht gefunden.

Bei den drei auf dem Güterzug festgestellten Personen handelt es sich eigenen Angaben zufolge um zwei minderjährige Marokkaner, 15 und 16 Jahre alt, sowie einen 24-jährigen Algerier. Die Jugendlichen konnten der Obhut des Jugendamtes anvertraut werden. Der algerische Staatsangehörige gab an, dass er sich mit seinen beiden Begleitern bereits in Italien am Brenner auf dem Güterzug versteckt hatte. Als Grund für diese waghalsige Fahrt nannte er seine persönlichen Lebensumstände. Er sei nach Deutschland gekommen, um Arbeit zu finden. Interesse an Schutz oder Asyl bekundete er nicht. Auf richterliche Anordnung hin, wurde der unerlaubt eingereiste Mann am Sonntag in Zurückschiebehaft genommen. Er wird das Land voraussichtlich schon bald wieder verlassen müssen.

Da die Bundespolizei in Rosenheim und München in den vergangenen Wochen immer wieder Migranten festgestellt hat, die unter Lebensgefahr mit Güterzügen nach Deutschland gekommen sind, werden derzeit gezielt Güterzugkontrollen durchgeführt. Diese Kontrollen wurden seitens der Bundespolizei mit der Deutschen Bahn und den betroffenen Eisenbahnverkehrsunternehmen abgesprochen. Die Kontrollaktionen, die auch mit Unterstützung eines Polizeihubschraubers durchgeführt werden, ergänzen eine bisher verstärkte Bestreifung der Güterbahnhöfe in München sowie Einzelfallmaßnahmen in der Landeshauptstadt oder auch im grenznahen Raum.

Außerdem steht die Bundespolizei in engem Kontakt zu den Behörden an den Abfahrtsorten der Güterzüge sowie den jeweiligen Verkehrsunternehmen. Ziel ist, dass Migranten möglichst gar nicht erst zusteigen und sich damit in Lebensgefahr begeben. Laut Rosenheimer Bundespolizei kann nicht ausgeschlossen werden, dass anlassbezogen auch in Zukunft derartige Kontrollaktionen stattfinden. Aus Sicherheitsgründen muss die betroffene Bahnstrecke für die Dauer der einzelnen Maßnahmen gesperrt werden. Insofern lassen sich Auswirkungen auf den Personenverkehr aller Voraussicht nach nicht vermeiden. Die Bundespolizei bittet deshalb um Verständnis.

Pressemeldung Bundespolizei

Update, 11.20 Uhr

Wie der Pressesprecher der Bundespolizeiinspektion Rosenheim, Rainer Scharf auf Nachfrage von rosenheim24.de mitteilte, wurden bei den Güterzug-Kontrollen am Samstagabend drei Migranten aufgegriffen

Ein Mitarbeiter der Österreichischen Bundesbahn teilte der Deutschen Bahn mit, dass sich auf einem Güterzug Personen befinden würden. Durch diesen Hinweis wurde der Zug in Flintsbach gestoppt, wobei man die drei Migranten, welche sich zwischen dem Güterzugwagen und dem Lastwagenauflieger befanden, entdeckte. Es handelt sich dabei um einen Algerier sowie um zwei minderjährige Marokkaner

Um auszuschließen, dass sich noch mehr Personen auf dem Güterzug befinden, wurde der Zug nach Raubling gefahren und dort ausgiebig kontrolliert. Auch ein Hubschrauber der Bundespolizei war dabei im Einsatz.

Scharf erwähnte im Zusammenhang mit dem Aufgriff der Migranten, dass es sich bei den Fahrten auf Güterzügen, um lebensgefährliche Aktionen handle. Allein die Bundespolizeiinspektionen in Rosenheim und München haben zwischen Oktober und November rund 180 Personen registriert, die auf lebensgefährliche Weise auf Güterzügen nach Deutschland gefahren sind.

Update, Sonntag 9.15 Uhr

Derzeit kann die Bundespolizei noch keine genaueren Angaben zu dem Einsatz im Bereich Flintsbach machen. Im Laufe des Tages gibt es weitere Informationen. 

Erstmeldung

Mehrere User wunderten sich am Samstagabend über einen Hubschrauber-Einsatz und zahlreiche Polizeiautos im Raum Flintsbach. Der Grund: Die Kontrollen der Bundespolizei Rosenheim bei Güterzügen.

Am Samstagabend wurden von der Polizei Personen in kontrollierten Güterzügen festgestellt. Das erklärte ein Sprecher der Bundespolizei auf Nachfrage von rosenheim24.de.

Über die genaue Anzahl und Herkunft der Personen konnte die Polizei noch keine Angaben machen.

Der Zugverkehr von und nach Rosenheim soll aber nur leicht betroffen sein. Auch ein Hubschrauber der Bundespolizei war über dem Raum Flintsbach im Einsatz.

anh/jg

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa/Bundespolizei

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