Flüchtlinge: Traunstein ist bereit!

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Christoph Hillenbrand (Regierung von Oberbayern) mit Oberbürgermeister Christian Kegel im Großen Rathaussaal.
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Traunstein - Die Stadt setzt auf Offenheit: Erst vergangene Woche wurden die Gebäude gekauft, nun informierte man im Rathaussaal. Wann die bis zu 163 Asylbewerber unterkommen sollen:

"Niemand verlässt gerne seine Heimat und begibt sich auf den Weg in eine neue, für ihn völlig unbekannte Welt, ganz abgesehen von der beschwerlichen Flucht an sich" - die Worte, mit denen Oberbürgermeister Christian Kegel in die Infoveranstaltung am Freitagabend einführte waren vernünftig und bedacht gewählt. Doch die knapp 100 Traunsteiner im Rathaus folgten ihm und sehen der Herausforderung "Asylbewerber" größtenteils unaufgeregt ins Auge.

Der Stand der Dinge: Am 25. Februar kaufte der Landkreis zwei Gebäude in der Traunsteiner Seuffertstraße. Ehemalige Betriebsgebäude der Telekom, die seit Jahren ungenutzt sind. Noch am selben Tag wurde der Mietvertrag auf zehn Jahre geschlossen. Geplant sind Gemeinschaftsunterkünfte für Flüchtlinge - bis zu 163 könnten dort Platz finden.

Traunstein hinkt hinterher

Eines der ehemaligen Telekom-Betriebsgebäude in der Seuffertstraße.

Wenn es um die Aufnahme von Asylbewerbern im Landkreis geht, hinkt die Große Kreisstadt noch einigermaßen hinterher. 33 Flüchtlinge haben in Traunstein bisher eine neue Heimat gefunden, dezentral verteilt. In Grassau (160 Asylbewerber), Engelsberg (99) und Inzell (49) befinden sich dagegen schon seit Längerem zentrale Unterbringungen, wie nun auch eine in der Seuffertstraße geplant ist. "In einem halben bis dreiviertel Jahr kann man mit dem Einzug rechnen", so Kegel. Der stellvertretende Landrat Sepp Konhäuser wurde konkreter und nannte den September als Belegungsdatum.

Wahrscheinlich keine Kosovaren

Wie Christoph Hillenbrand von der Regierung von Oberbayern im Rathaussaal informierte, führt kaum ein Weg an der Unterbringung in Traunstein vorbei: 773 Flüchtlinge sind dem Landkreis momentan zugewiesen, mit 1384 rechnet man bis Jahresende. Die Zuteilung erfolgt dabei über genau festgesetzte Quoten, je Bundesland, Regierungsbezirk und Landkreis. Über die Herkunft der Asylbewerber lässt sich momentan natürlich noch nichts sagen, aber Hillenbrand mutmaßt: "Kosovaren werden wahrscheinlich keine darunter sein." Rechnen dürfe man eher mit den "klassischen" derzeitigen Herkunftsländern: Irak, Nigeria, Syrien, Eritrea, Mali oder Somalia.

Fragen um Sprache, Arbeit, Verpflegung und Mülltrennung

Die Fragen der Bevölkerung drehten sich vor allem um den Alltag der Flüchtlinge in Traunstein: Lernen sie Deutsch? Gibt es Arbeitsmöglichkeiten? Wie viel Geld erhalten die Asylbewerber? Auch um die Sauberkeit und Mülltrennung drehten sich einige Fragen. Neben Kegel, Konhäuser und Hillenbrand standen außerdem noch Florian Amann (Abteilungsleiter Soziales im Landratsamt), Karlheinz Thiel (Wohnungsbaugesellschaft des Landkreises) und Barbara Kaulfuß (Betreuerin für Asylsuchende der Stadt) Rede und Antwort.

"Ich hab' ja nix dagegen, dass die kommen, aber was machen die in der Freizeit? Hier gibt's doch nur die Straße, den Parkplatz und sonst nix", erkundigte sich ein direkter Anwohner der Seuffertstraße. Hillenbrand beruhigte: "Die Kinder sind schulpflichtig und prinzipiell herrscht bei den Leuten eine unglaubliche Leistungsbereitschaft." Nach drei Monaten dürften anerkannte Asylbewerber arbeiten - vor allem Handwerksbetriebe hätten großes Interesse an den jungen Männern. Mit den 134 Euro an Taschengeld, die die Flüchtlinge monatlich pro Kopf erhalten, könnten auch wahrlich keine großen Sprünge gemacht werden.

Barbara Kaulfuß wusste, dass für die Erwachsenen bereits Sprachkurse organisiert werden: "Durch Spenden konnte extra noch eine Fachkraft eingestellt werden, die an der Volkshochschule Kurse gibt." Auch Kaulfuß selbst wird sich ganz der Integration widmen. Und auch die Frage nach der Mülltrennung konnte schließlich noch beantwortet werden: Natürlich werde man den Flüchtlingen auch die Mülltrennung möglichst beibringen, aber das Konzept sei nicht ganz leicht zu vermitteln - "aber Verständnisunterschiede im Zusammenleben gibt es ja auch schon mit Spaniern beispielsweise", so Christoph Hillenbrand mit einem Augenzwinkern.

xe

Quelle: chiemgau24.de

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