Die Frage nach dem ersten Kuss

Rosenheim – Für Mädchen von elf bis 15 Jahren ist Politik meist Nebensache. Viel spannender ist der erste Kuss oder das erste Rendezvous.

So war es nicht verwunderlich, dass sich Oberbürgmeisterin Gabriele Bauer beim "Rosenheimer Mädchentag" im Jugendzentrum am Lokschuppen mit Fragen konfrontiert sah, die sie bisher wohl noch nie in der Öffentlichkeit beantworten musste. Doch das Interview, dass von acht jungen Teilnehmerinnen eines Radio-Workshops geführt wurde, bekam zum Schluss eine überraschende Wende: Auf die Frage, was sie noch gerne verändern würde, kamen dem Stadtoberhaupt die Tränen. Grund dafür: Das Drama in Japan.

"Wir haben heutzutage so viele Möglichkeiten. Aber ein Tag wie heute zeigt uns deutlich, wo unsere Grenzen sind", meinte Bauer bewegt. Die Erdbebenkatastrophe in Japan und ihre Folgen konnte sie auch beim Interview im Rahmen des Radioworkshops nicht gänzlich verdrängen. "Wir haben dort so viele Freunde. Was dort jetzt geschieht, macht mich fertig", gestand Bauer.

Die Nachwuchsreporterinnen zeigten sich von der menschlichen Seite des Stadtoberhaupts erst etwas überrascht, fanden aber schnell zurück zu den Fragen, die sie sich zurechtgelegt hatten. Geleitet wurde der Workshop von Radioreporterin Yamin Adeili. Sie hatte den acht Mädchen erklärt, wie ein Interview geführt und wie ein Aufnahmegerät bedient wird. Viel Zeit blieb für die Vorbereitung nicht. Bereits nach einer halben Stunde erschien die Oberbürgermeisterin im Turmcafé. Zuerst waren die Interviewerinnen noch etwas aufgeregt, doch bald folgten der anfänglichen Scheu immer frechere und auch intimere Fragen.

"Wann haben Sie sich denn zum ersten Mal geküsst?", wollte die 14-jährige Jana neugierig wissen. So ganz genau konnte sich Bauer daran nicht mehr erinnern. Dafür erklärte sie aber bereitwillig und ohne zu zögern, wie denn der erste Kuss ausfiel: "Mit der romantischen Vorstellung, die man aus dem Fernsehen kennt, hatte das nichts zu tun. Der erste Kuss ist eher eine Herausforderung."

Jana wollte dann auch noch ganz genau wissen, wann und wo die Oberbürgermeisterin ihren ersten Freund kennengelernt hat. Auch darüber gab Gabriele Bauer freimütig Auskunft. Mit 15 Jahren sei das der Fall gewesen. Getroffen habe man sich bei einer von der Kirche organisierten Jugenddisco: "Der Pfarrer war damals leider immer dabei..."

Selbst über das Thema Aufklärung plauderte Bauer ungezwungen: "Das war zu meiner Jugendzeit leider weder in der Familie noch in der Schule ein Thema. Diesen Part übernahm meine ältere Schwester."

Erfahren konnte man bei dem Interview auch, dass Gabriele Bauer als Kind verschiedenste Berufswünsche hatte: Zahnärztin sei ebenso dabei gewesen wie Stewardess. "Nur Lehrer wollte ich niemals werden. Diesen Beruf kannte ich von meiner Schwester", schmunzelte sie.

Auch über Schminktechniken unterhielt sie sich: "Natürlichkeit gefällt mir bei Mädchen am besten. Darum finde ich dezente Schminke gut." Sie selbst verwende für das tägliche "Make-up" eher weniger Zeit: "Ich bin Langschläferin und stehe darum immer spät auf. Dann muss das Schminken zügig gehen."

Ganz am Schluss des Interviews ließ sich Rosenheims Stadtoberhaupt sogar noch zum gemeinsamen Karaoke-Singen überreden.

Die jungen Reporterinnen waren mit ihrem ersten journalistischen Einsatz sehr zufrieden und zeigten sich von der Oberbürgermeisterin beeindruckt. "Das ist ein sehr nette Frau", meinte die 13-jährige Magdalena und fügte dann noch ganz professionell hinzu: "Aufgeregt muss man bei so einem Interview nicht sein. Auch eine Bürgermeisterin ist halt ein ganz normaler Mensch."

wu/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa

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