Olympia: Mehrbelastung oder Werbeeffekt?

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Unterstützen die Bewerbung Münchens um die Olympischen und Paralympischen Winterspiele 2022 (v.l.): Christian Tröger, Landrat Georg Grabner und Fußball-Legende Paul Breitner.
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Berchtesgadener Land - Gut zwei Wochen vor dem Bürgerentscheid zu einer Olympia-Bewerbung Münchens für 2022 beziehen immer mehr Vereine aus dem Berchtesgadener Land Stellung.

Der Gewerbe- und Handelsverein Bad Reichenhall und Umgebung unterstützt beispielsweise die Bewerbung der Landeshauptstadt München für die Austragung der olympischen und paralympischen Winterspiele im Jahr 2022. Man erwartet einen deutlichen Werbeeffekt durch die Bewerbung und starke wirtschaftliche Impulse bei einer Durchführung.

Mit deutlichen Worten widerspricht der Bürgermeisterkandidat der Freien Wähler Freilassing, Florian Löw, nicht nur dieses Aussage, sondern auch dem amtierenden Rathauschef der Grenzstadt, der demnach orakelte, dass Freilassing eine bessere Infrastruktur mit den Olympischen Winterspielen 2022 erwarten dürfe. „Wir Ortsbewohner werden ersticken im Verkehr und im ohrenbetäubenden Fluglärm, da in diesen Bereichen eine deutliche Zunahme zu erwarten ist.“, mahnte Löw.

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Viel Verkehr oder eine besser Infrastruktur? Werbeeffekt oder hohe Kosten? Bei kaum einem Thema scheiden sich die Geister mehr, als bei der geplanten Olympiabewerbung Münchens zusammen mit Garmisch-Partenkirchen, dem Berchtesgadener Land und dem Chiemgau.

„Wir bitten unsere Mitglieder, die einzelnen Für und Wider einer Kandidatur zu den Olympischen Winterspielen 2022 in unserer Region sehr genau zu prüfen, bevor sie in die Abstimmungskabine gehen“, sagte Bert Enzinger. „Und lasst Euch nicht von der Schönrederei und den Vorteilsanpreisungen der Manager und Politiker beeinflussen“, fuhr der Vorsitzende der FWG Heimatliste Freilassing fort.

Die Vorstandschaft des Gewerbevereines Bad Reichenhall bittet alle Bürger: "die Gelegenheit wahr zu nehmen und für eine Bewerbung abzustimmen." Das Konzept für die Austragung sieht vor, dass einige Sportstätten abseits von München, also auch im Berchtesgadener Land sowie im Landkreis Traunstein genutzt werden sollen. Damit rückt auch Bad Reichenhall in den Mittelpunkt, da vor der alten Saline eine „Medal-Plaza“, also ein Medaillen-Vergabe-Ort eingerichtet werden soll. Für unsere Tourismus-Region wird mit einem deutlichen Werbeeffekt gerechnet. Dies gilt sowohl durch die Bewerbung, die ausdrücklich neben der Landeshauptstadt München auch die anderen Austragungsorte aufführt. Aber auch eine mögliche Durchführung wird der Region einen enormen Werbe-Effekt weltweit garantieren", argumentieren die Verantwortlichen.

Ob die Bewerbung für die olympischen und paralympischen Winterspiele 2022 wie geplant durchgeführt werden kann, hängt maßgeblich von dem Ergebnis des Bürgerentscheids am 10. November ab. Und Bert Enzinger von der FWG Freilassing bringt es auf den Punkt: „Wir wünschen uns aber, dass sich unsere Freunde selbst ein Bild machen und eine eigene Entscheidung treffen."

cz

Großes Interesse am Informationsabend

Freilassing - Konkrete Information ist wichtig, um entscheiden zu können. Darum waren beim letzten Informationsabend der Initiative BGL OlympiJa 2022 neben den Verantwortlichen aus der Region Vertreter und Partner des Deutschen Olympischen Sportbundes angereist.

Um einen der Hauptdiskussionspunkte der Gegner einer möglichen Bewerbung ging es im Kurzreferat von Professor Ralf Roth. Verantwortlich für das Umweltkonzept der Bewerbung zeigte er auf, dass im Konzept „München 2022“ Schwerpunktmäßig auf bestehende Sportstätten zurückgegriffen werde und wenig zusätzliche Infrastruktur geschaffen werden müsste. 84% der Spiele würden auf bereits intensiv genutzten Flächen stattfinden. Was neu angelegt werden müsste, werde temporär geplant und nach den Spielen entsprechend rückgebaut und renaturiert. Dadurch und durch verschiedene begleitende Leitprojekte im Vorfeld der Spiele könnte bewiesen werden, dass „grünes olympisches Erbe“ möglich ist. Der Präsident des Bayerischen Landesportverbandes Walter Lommer ist sich sicher, dass Olympische Spiele für den Breitensport in Deutschland ein unbezahlbares Signal aussenden würden. Bereits die Fußball und Handball Weltmeisterschaften 2006 bzw. 2007 hätten immense Steigerungszahlen bei den Neumitgliedern in den entsprechenden Vereinen bewirkt. Dass Sport gesund ist, darüber müsse man nicht mehr sprechen. Aber eine noch unveröffentlichte Studie beweise zusätzlich, dass Sport der deutschen Gesellschaft auch wirtschaftlich einen wesentlich höheren Beitrag leiste, als Kosten entstünden. Auch deshalb verstehe er persönlich die Bedenken gegenüber Olympischen Spielen in unserem Land nicht.

Mit Christian Tröger und Paul Breitner kamen anschließend prominente Befürworter der Bewerbung aus dem Spitzensport zu Wort. Tröger, ehemaliger Leistungsschwimmer und Teilnehmer der Olympischen Sommerspiele in Barcelona, hat zum Thema „Olympia – im Spannungsfeld von Mythos und Marke“ promoviert. Warum eine Bewerbung für die Region als touristischer Destination und Wirtschaftsstandort noch außerordentlich wichtig ist, zeigte Paul Breitner auf: „Ihr sprecht immer davon, dass Ihr der Welt zeigen wollt, wie schön es hier ist. Meine weltweiten Kontakte durch die Arbeit beim FC Bayern München zeigen aber: Die Welt muss vor allem wissen, wo das Berchtesgadener Land ist.“ Die vielgenannte Kritik an den Verträgen des IOC konnte Breitner nicht nachvollziehen. Seiner Meinung können diese nicht strenger sein als Verträge der FIFA (Internationaler Fußballverband). Und hier hat die Weltmeisterschaft 2006 bereits bewiesen, dass trotz der Vorgaben eine in jeder Hinsicht erfolgreiche Sportgroßveranstaltung in Deutschland durchgeführt werden konnte.

In der abschließenden Fragerunde wurde unter anderem eine für die Bürger wichtige Frage zum Verkehrskonzept beantwortet: Die Autobahn München-Salzburg wäre selbstverständlich jederzeit frei befahrbar. Das Gerücht, hier würde für die olympische Familie eine eigene Spur gesperrt, stimmt laut Landrat Grabner nicht.

Informationen der Initiative „BGL Olympi-Ja 2022“ finden Sie bei Facebook unter www.facebook.com/BGLOlympiJa

Pressemitteilung BGL Olymi-Ja 2022

„Ja“ für den Sport – „Nein“ zu Olympia

Berchtesgaden -

Olympische Winterspiele 2022 im Berchtesgadener Land ja oder nein? Am 10. November sollen die Bürger des Landkreises ihr Votum dazu abgeben. Je näher der Bürgerentscheid rückt, desto mehr werden auch kritische Stimmen zu dem sportlichen Großereignis laut. Zu einer hochkarätig besetzten Informationsveranstaltung hatte das Bündnis Nolympia nach Berchtesgaden eingeladen.

Grünen-Kreisvorsitzender Dr. Bernhard Zimmer freute sich bei seiner Begrüßung über den voll besetzten Saal im „Goldenen Bären“. „Wir sind nicht gegen den Spitzensport und auch nicht gegen sportliche Großereignisse, sondern gegen die Selbstherrlichkeit des IOC und gegen die finanziellen Risiken für den Landkreis“, stellte er gleich anfangs klar. Damit war auch die Stoßrichtung vorgegeben und der „Feind“ erkannt. Bei allen Einlassungen stand das IOC als selbstherrliches, undemokratisches und einzig kommerziell ausgerichtetes Gebilde im Mittelpunkt der Kritik.

Aus der Schweiz war Stefan Grass gekommen, Leiter des Komitees „Olympiakritisches Graubünden“, um über die dortigen Erfahrungen zu berichten. Die Bürgerinnen und Bürger dort haben sich bereits für eine Ablehnung der Olympischen Spiele 2022 entschieden. „Es gibt natürlich viele Gründe für eine Ablehnung, aber wenn Sie abstimmen, stimmen Sie vor allem über Ihr eigenes Geld ab“, brachte es Stefan Grass auf den Punkt. Das IOC sei eine unberechenbare „Geldmaschine“, der man nach Unterzeichnung der Verträge wehrlos ausgeliefert ist. Das finanzielle Risiko und die finanzielle Last bleiben einzig und allein beim Steuerzahler. „Es ist nicht zu früh, jetzt auszusteigen“, gab Stefan Grass den Olympia-Skeptikern mit auf den Weg.

Dr. Wolfgang Zängl von der Gesellschaft für ökologische Forschung wusste von seinen langjährigen Untersuchungen zu berichten, dass sich die Kosten bei Olympischen Spielen immer um den Faktor drei bis fünf zur ursprünglichen Kalkulation gesteigert hätten. Auch das Argument von „nachhaltigen Spielen“ ließ er nicht gelten: „Allein am Münchner Olympia-Gelände würden riesige Flächen verbraucht, die bisher als Naherholungsgebiet für die Städter dienen.“

Verständnis für die olympischen Ambitionen der Spitzensportler brachte Viola von Cramon, sportpolitische Sprecherin der Grünen im letzten Bundestag, zum Ausdruck. Aber: „Ich habe auch verstanden, dass es nicht um Sport geht, sondern einzig und allein um die kommerziellen Interessen des IOC.“ Kritisch beurteilte Viola von Cramon auch die Informationspolitik der Initiatoren des Bürgerentscheides: „Da besteht anscheinend die Angst, dass bei ausgewogener Information die Abstimmung verloren geht.“

Sachlich und informativ verlief die anschließende Diskussion. Dem immer wieder vorgebrachten Argument der Befürworter, Olympische Spiele brächten einen Schub für die heimische Wirtschaft und vor allem für den Tourismus, setzte der Berchtesgadener Gemeinderat Manfred Leubner die Frage entgegen: „Wer weiß denn noch, wo die Rodelwettbewerbe bei der letzten Olympiade waren?“ Die Besucher taten sich schwer.

nh

Quelle: BGland24.de

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