Freispruch im Doppelmordprozess

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Der Angeklagte Basar A. unterhält sich in einem Gerichtssaal des Landgerichts Schweinfurt (Unterfranken) mit seinem Verteidiger Norman Jacob (l) und verbirgt dabei sein Gesicht hinter einem Aktenordner.

Schweinfurt - Im Schweinfurter Doppelmordprozess ist der Angeklagte am Donnerstag vom örtlichen Landgericht freigesprochen worden, obwohl die Staatsanwaltschaft lebenslänglich gefordert hatte. Die Begründung:

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Aus Mangel an Beweisen ist ein wegen Doppelmordes angeklagter Bauunternehmer am Donnerstag vom Landgericht Schweinfurt freigesprochen worden. Der Schwurgerichtskammer fehlten stichhaltige Belege dafür, dass der 30-Jährige im August 2009 seinen verheirateten Onkel und dessen Geliebte erschossen hat. “Im Zweifel für den Angeklagten“, sagte die Vorsitzende Richterin Elisabeth Ott. Der Mann hatte die Bluttat stets bestritten. Die Verteidigung glaubt, dass ein Profikiller den 35-Jährigen und dessen 30 Jahre alte Schwägerin mit je drei Kopfschüssen ermordet hat.

Die Staatsanwaltschaft wollte den Mann lebenslang ins Gefängnis schicken, auch wenn nur Indizien auf seine mögliche Schuld hinwiesen. Die Tatwaffe wurde bis heute nicht gefunden, Zeugen gibt es keine, der Todeszeitpunkt der Opfer auf dem Parkplatz des Schweinfurter Eissportzentrums ist strittig.

Oberstaatsanwalt Rainer Gündert war dennoch davon überzeugt, dass der 30-Jährige die Familienehre durch die Affäre seines verheirateten Onkels mit der geschiedenen Frau in Gefahr sah. Die Opfer und der Bauunternehmer stammen aus dem Irak. “Die Beweisaufnahme hat ergeben, dass der Angeklagte das Verhältnis seines Onkels missbilligte“, sagte Ott in ihrer stundenlangen Urteilsbegründung. Doch dies und andere Indizien reichten nicht für einen Schuldspruch. “Objektive Beweismittel, die die Täterschaft des Angeklagten belegen, konnten nicht festgestellt werden.“

Die Verteidigung hatte für ihren Mandanten Freispruch gefordert. “Diese Indizienkette hat Lücken, diese Indizienkette hat Mängel“, sagte einer der beiden Verteidiger in seinem Plädoyer.

Der Prozess dauerte ein halbes Jahr. Insgesamt wurden 51 Zeugen und 12 Sachverständige gehört. Die Akten zu dem Fall umfassen mehr als 3400 Seiten.

Hauptproblem der Ermittler war, dass der Tatzeitpunkt nicht genau festgestellt werden konnte. Zwar sei das Handy des Angeklagten in der Tatnacht vom 10. zum 11. August 2009 in der Nähe des Sportzentrums registriert worden, sagte die Kammervorsitzende Ott. Aber dies sei kein Beweis dafür, dass der Unternehmer ein Mörder ist.

dpa

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