Im zweiten Anlauf zum Freispruch

Rosenheim - Ein Verfahren wegen Körperverletzung ging in die zweite Runde. Von zwei Angeklagten war noch einer übrig. Er war nicht schuldig, aber selbst schuld, dass er am Ende vor Gericht saß.

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Widersprüchliche Aussagen und unzulängliche Ermittlungen brachten einen ehrenamtlichen Übungsleiter vor das Schöffengericht Rosenheim. Am 23. Juli des vergangenen Jahres wurde in den frühen Morgenstunden ein betrunkener Bundeswehrsoldat in einem Schnellrestaurant verprügelt. Zwei türkische Mitbürger waren der gefährlichen Körperverletzung angeklagt, weil sie mit Fäusten und Tritten den bereits Wehrlosen im und vor dem Lokal derart traktierten, dass dieser für eine Woche bettlägerig krank war.

Der Jüngere gestand umfassend und wurde bereits Mitte Oktober zu zwei Jahren Gefängnis auf Bewährung verurteilt. (wir berichteten). Der zweite Angeklagte, ein engagierter Fußballtrainer, hatte sich jetzt vor dem Schöffengericht zu verantworten. Er bestritt die Vorwürfe vehement. "Ich habe mich in meinem ganzen Leben nicht geprügelt." Der ehrenamtliche Übungsleiter erklärte, er sei, als er bemerkte, dass auf einen am Boden liegenden Mann eingetreten wird, dazwischen gegangen. Einer der Prügler sei geflohen, ein anderer festgenommen worden. Er habe an der Auseinandersetzung keine Sekunde teilgenommen.

Der polizeiliche Ermittler antwortete auf die Frage, wie er auf den Angeklagten als Täter gekommen sei, das seien ermittlungstaktische Verfahren, über die er keine Auskunft gebe. Der überwiegende Teil der Zeugen gab an, damals mehr oder weni-ger alkoholisiert gewesen zu sein. Andere boten nun eine andere Darstellung als bei der Einvernahme durch den Ermittler. Eine junge Frau erklärte, der Angeklagte habe während der gesamten Auseinandersetzung bei ihr am Tisch gesessen.

Tatsächlicher Täter sehr wohl bekannt

Allmählich kristallisierte sich in der Verhandlung heraus, dass der tatsächliche Täter sehr wohl bekannt sei, jedoch von den Beteiligten aus "kameradschaftlichen" Gründen nicht genannt werde. Man wisse von ihm, dass er vorbestraft sei und wolle ihm nicht schaden.

So waren drei Verhandlungstage nötig, bis die Wahrheit ans Licht kam. Am letzten Verhandlungstag wurde nämlich das Urteil gegen den ersten Schläger rechtskräftig. Damit hatte er kein Recht mehr, eine wahrheitsgemäße Aussage zu verweigern. Er benannte den Komplizen aber erst, nachdem ihm der Vorsitzende Richter Heinrich Loeber und Rechtsanwalt Dr. Markus Frank, der als Zeugenbeistand dabei war, klar gemacht hatten, welche Folgen eine Aussageverweigerung für ihn hätte.

Damit war nunmehr die Schuldfrage geklärt. Die Staatsanwaltschaft wird nun gegen den tatsächlichen Schläger ein Strafverfahren einleiten. Gleichzeitig beantragte sie einen Freispruch für den 33-Jährigen. Der Verteidiger, Rechtsanwalt Harald Baron von Koskull, stellte denselben Antrag und das Gericht schloss sich an.

Der Freigesprochene erklärte, welche Belastung das Verfahren für seine Familie und ihn war. "Trotzdem werde ich mich weiter bemühen, Jugendliche von der Straße zu holen und zu sportlicher Fairness zu erziehen."

au/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa

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