Grundschulkonzept: Ganztags liegt im Trend

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Erst vor wenigen Jahren hat die Stadt für sechs Millionen Euro die Prinzregentenschule zum Teil neu gebaut. Wird für vier dritte Klassen der Ganztagsunterricht eingeführt, reichen die Räume voraussichtlich nicht aus.

Rosenheim - An der Grundschule in der Prinzregentenstraße werden voraussichtlich ab dem Schuljahr 2011/2012 Ganztagesklassen eingerichtet.

Auch für andere Grundschulen erarbeitet die Stadt derzeit ein entsprechendes Konzept. "Wir leben in einem unglaublichen Wandel der Zeiten", sagte Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer im Schul-, Kultur- und Sportausschuss des Stadtrats, "Hort und Mittagsbetreuung, vor Jahren gefordert und umgesetzt, haben sich überholt, Ganztagsschule ist der Trend. Es wäre schön, wenn wir mal wieder Luft holen könnten."

Immer mehr Eltern möchten ihre Kinder in gebundenen Ganztagsklassen unterbringen, das sind Klassen, bei denen der Schulbesuch am Nachmittag nicht wahlweise erfolgt, sondern verpflichtend.

In der Grundschule Prinzzegentenstraße wird gerade ein Konzept erarbeitet, damit die Kinder der dritten Jahrgangsstufe ab Herbst ganztags die Schule besuchen können. Eltern von Schülerinnen und Schülern der ersten und zweiten Klasse haben in einer Befragung diesen Bedarf eindeutig bestätigt.

Erst vor dreieinhalb Jahren hat die Stadt die Prinzregentenschule für sechs Millionen Euro um- und neugebaut und einen dreigruppigen Hort integriert. Für den Ganztagsbetrieb von vier dritten Klassen stehen nach derzeitigem Stand zwar nicht die entsprechenden Räumlichkeiten zur Verfügung. Dennoch will die Stadt bei der Regierung von Oberbayern den Antrag stellen und für kurzfristige Übergangslösungen sorgen.

Ganztagsklassen für weitere Grundschulen

Ganztagsunterricht biete viele Chancen, betonte Gabriele Bauer. Dies gelte für Kinder, die aus sogenannten bildungsfernen Haushalten stammen, ebenso wie für Kinder, deren Eltern beruflich dermaßen eingespannt sind, dass für den Nachwuchs nicht mehr viel Zeit bleibt. Gerade im Grundschulalter sei aber zu beachten, dass Kinder spezielle Bedürfnisse haben. Es gelte nicht nur, Ruhe- und Rückzugsräume zu schaffen, sondern auch die sportlichen und kulturellen Neigungen der Kinder weiter zu fördern.

Während der Antrag für die Prinzregentenschule aktuell gestellt wird, ist das Schul- und Sportamt dabei, langfristig ein entsprechendes Ganztagskonzept für alle Grundschulen in der Stadt zu erarbeiten. Rund 60 Prozent aller vom Schul- und Sportamt angeschriebenen Eltern haben sich zu dem Thema geäußert, derzeit erfolgt die Auswertung der Fragebögen, die auch auf Türkisch, Russisch und Albanisch verschickt wurden.

Es sei natürlich genau zu prüfen, ob alle Eltern das wollen, sagte Bauer. "Was passiert, wenn die Eltern demnächst auch schon für die ersten und zweiten Klassen die Ganztagsschule fordern?", stellte CSU-Stadtrat Florian Ludwig als Frage in den Raum. Für ihn steht fest: Die Eltern müssen Wahlfreiheit haben, niemand soll sie zwingen können, ihre Kinder ganztags in die Schule zu schicken.

Bauer: "Ich will gleiche Chancen für alle Kinder"

Bauer machte deutlich, dass sie Chancengleichheit für die Kinder wünscht: "Es darf nicht zu einer Zweiklassengesellschaft kommen. Ich will nicht, dass die einen ihren Nachwuchs für viel Geld in Privatschulen stecken, wo sie Bildung genießen, und die anderen sind von Anfang an die Verlierer."

Welche Probleme neben der Personalfrage und der Frage der Verpflegung zu lösen sind, verdeutlichte sie am Beispiel des Kinderhorts an der Prinzregentenschule, dessen Zukunft geklärt werden muss. Hortbetreuung sei relativ problemlos auch in den Ferien zu organisieren. Wenn aber die Schule in Zukunft nachmittags für die Kinder zuständig ist, sehe dies anders aus. Schulische Einrichtungen stünden in den Ferien nicht zur Verfügung, doch die Kinder bräuchten auch in dieser Zeit eine Anlaufstelle.

Betroffen vom Ganztagsbetrieb sind zudem Sportvereine und Einrichtungen wie die Musikschule. Kinder, die nachmittags die Schule besuchen, haben kaum Zeit für zusätzliche Aktivitäten. Man müsse klären, wie sich Angebote der Vereine integrieren lassen, meinte Bauer. Ein Engagement in der Happinger Schule führte allerdings zu einem Defizit der Musikschule von über 4000 Euro. So etwas sei nicht akzeptabel, gab Dezernent Michael Keneder zu bedenken.

Ende des Jahres soll das Ganztagskonzept für die Rosenheimer Grundschulen vorliegen. Der Ausschuss wird über Zwischenberichte in die Entwicklung eingebunden.

Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

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