Geothermie Kirchanschöring, der dritte Anlauf

Statt Wärme jetzt vorrangig Strom - Bohrbeginn bereits im Frühjahr 2020

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Feil_Brandauer_Perkmann_Birner..jpg: Die Unterlagen für die Geothermie-Bohrung sind vollständig, im Bild von links: Hans Feil, Michael Brandauer, Michael Perkmann und Hans-Jörg Birner.

Kirchanschöring - Das Thema Geothermie ist in der Gemeinde schon ein Dauerbrenner, bereits zum dritten Mal soll das heiße Wasser nutzbar gemacht werden, dieses Mal vorrangig für die Stromerzeugung und erst dann Fernwärme. Die von einem japanischen Mischkonzern gegründete „Geothermie Rupertiwinkel“-Gesellschaft will ein Kraftwerk bauen und Strom erzeugen, die Salzburg AG bleibt an Bord und würde die Restwärme für Salzburg nutzen, wenn es die Temperatur und die Menge hergibt.

Vieles erinnerte bei der Infoveranstaltung am Montagabend im Saliterkeller an die Geothermie-Stammtische 2014 und 2015, als die Salzburg AG heißes Wasser fördern und als Fernwärme nach Salzburg leiten wollte. Dieses Mal gibt es allerdings drei gravierende Unterschiede: Nicht die Salzburg AG, sondern der japanische Konzern Marubeni ist der Gesellschafter der bereits gegründeten Firma „Geothermie Rupertiwinkel“, der Bohrplatz wird fix in Kirchanschöring sein und statt Wärme soll dieses Mal das heiße Wasser vorrangig zur Stromproduktion genutzt werden.

Die Gemeinde hat bereits 2016 im Flächennutzungsplatz das Areal entlang der Bahnlinie im Gewerbegebiet für „regenerative Energien“ reserviert, mit der Frage, was die Gemeinde mit einer womöglich großen Wärmemenge tun könne habe man sich schon beschäftigt, so Bürgermeister Hans-Jörg Birner. „Wir könnten Mitglied in einem regionalen Netzwerk werden, in dem bisher 21 Kommunen die Energieversorgung ihrer Gemeinde wieder selbst übernehmen wollen“, so Birner. Das Regionalwerk könnte sich dann an einem Kraftwerk in Kirchanschöring beteiligen. 

„Wir wollten uns nicht gegeneinander ausspielen lassen“

Nachdem die Stadtwerke München beim früheren Geothermie-Projekt „abhanden gekommen sind“ habe man nun mit Marubeni einen neuen, potenten Partner, „der kein Finanzinvestor ist sondern Kraftwerke baut und auch betreibt“. Das japanische Unternehmen sei auch einer Gemeinwohlprüfung unterzogen worden, der Verein „Gemeinwohlökonomie“ habe dabei festgestellt, dass Marubeni komplett aus der Kohleverstromung aussteigen will. Zudem übernehme das Unternehmen alle Bedingungen, die Kirchanschöring und Laufen bereits 2014 mit der Salzburg AG ausgehandelt hatten. „Die grundsätzlichen Vertragsinhalte bleiben, aber wir verhandeln noch über die Möglichkeiten der Wärmenutzung, also die Frage, wie wir die Wärme im Ort nutzen können“.

Laufens Bürgermeister Hans Feil erinnerte daran, dass das Geothermie-Vorhaben ein interkommunales Projekt sei, auch weil man damals nicht gewusst habe, ob letztendlich in Laufen oder Kirchanschöring nach heißem Wasser gebohrt werde. „Wir wollten uns nicht gegeneinander ausspielen lassen“. Damals sei es zuerst um die Fernwärme gegangen und erst dann um eine mögliche Stromerzeugung, das nötige Kraftwerk dazu wäre schon damals in Kirchanschöring geplant gewesen. Auch wenn jetzt die Bohrung und das Kraftwerk in Kirchanschöring seien wolle man sich in Laufen nicht zurücklehnen, „sollten es die Menge und die Temperatur des heißen Wassers zulassen könnte Laufen wieder ins Spiel kommen“.

Marubeni ein Newcomer?

Zur Erinnerung: Bei der geplanten Stromerzeugung 2014 bis 2016 waren die Stadtwerke München zu 50 Prozent beteiligt, die beiden Gemeinden Kirchanschöring und Laufen zu 25 Prozent und die Salzburg AG ebenfalls zu 25 Prozent. Die Stadtwerke München stiegen bekanntlich aus dem Projekt aus, 2016 legte dann auch die Salzburg AG das Fernwärme-Projekt 2016 „auf Eis“, da sich der Leitungsbau und der Transport der Fernwärme aus dem Rupertiwinkel bei extrem niedrigen Energiepreisen nicht rechnete.

Die neue „Geothermie Rupertiwinkel GmbH“ ist derzeit eine 100-Prozent-Tochter von Marubeni Deutschland, trotzdem ist die Salzburg AG in der derzeitigen Einreich- und Planungsphase noch dabei. Der Salzburger Stromerzeuger war es auch, der im Hintergrund weiter einen neuen Partner suchte und im November 2018 mit Marubeni auch fand. „Die neue Ausrichtung des Projektes ist nun das Erzeugen von Strom und erst später vielleicht die Fernwärme“, erklärte Michael Perkmann, zuständiger Projektleiter bei der Salzburg AG. Marubenis Deutschland Geschäftsführer Michael Brandauer stellte den Besuchern im Saliterkeller das Unternehmen vor, „wir sind ein großes, japanisches Handelshaus mit rund 30.000 Beschäftigten, gegründet 1858 und wir sind ein Mischkonzern, sind der Nahrungsmittelbranche tätig, im Chemiebereich und eben im Energiesektor“. Die Energie sei die größte Gruppe im Konzern, Marubeni betreibe weltweit 50 Kraftwerke, bisher überwiegend Gaskraftwerke, doch jetzt habe man einen Schwenk in Richtung erneuerbare Energien vollzogen und wolle keine neuen Kohlekraftwerke mehr bauen. Auch die Geothermie sei kein neues Feld, weltweit habe man drei solcher Kraftwerke in Betrieb, auf den Philippinen, in Costa Rica und in Indonesien. „Wir sind keine Newcomer, wir haben Erfahrung“.

Bohrplatz in Kirchanschöring fix

Warum man sich jetzt auf den Bohrplatz in Kirchanschöring geeinigt habe erläuterte Perkmann so: „Die Analyse der geologischen Störungszonen haben Kirchanschöring und Laufen angegeben, im früheren, erlaubten Bohrgebiet haben wir manche Punkte nicht erreichen können“. Nun sei aber zum Beispiel in Laufen ein Sicherheitsabstand zur Salzach verringert worden, „Laufen ist daher nach wie vor eine Option für Fernwärme“. Die erste Bohrung werde allerdings in Kirchanschöring sein, „dann sehen wir, wie viel Wasser rinnt, also wie hoch ist die Schüttung, und welche Temperatur hat das Wasser“. Bei „befriedigenden Ergebnissen“ werde es drei weitere Bohrungen geben.

Vorbereitungen für Bauplatz laufen

Der Bohrplatz nahe der Eisenbahnlinie ist bereits in einem Bauleitverfahren, geplant ist neben dem eigentlichen Platz für den Bohrturm auch ein Platz für das spätere Kraftwerk. In der Infoveranstaltung zeigte Perkmann Bilder, wie der Platz aussehen könnte. Der in Kirchanschöring erzeugte Strom soll an das Umspannwerk Froschham bei Laufen geliefert und dort in das öffentliche Stromnetz eingespeist werden. Doch auch die Bohrung selbst braucht Strom, dieser werde von einer bestehenden Freileitung entnommen werden können. In rund drei Wochen soll auch eine Analyse des Verkehrs vorliegen und damit die Frage beantwortet werden, ob die vorhandenen Straßen den Baustellenverkehr aufnehmen können. Gleichzeitig wird derzeit der Wald vermessen, also die Höhe der Bäume und ein Schallgutachten erstellt. Erledigt sei bereits eine Ausschreibung für die Bohrung, die Angebote von Bohrunternehmen lägen bereits vor.

Ambitionierter Zeitplan

Nicht nur dass der Gemeinderat in Kirchanschöring in wenigen Wochen entscheiden soll, auch der Zeitplan der Geothermiker ist mehr als ambitioniert. So soll der Bauplatz bereits Ende dieses Jahres, Anfang 2020 gebaut werden, der Bohrer könnte dann bereits im Frühjahr 2020 in die Erde vordringen. Nach den aktuellen Plänen soll die erste Bohrung dann bereits Ende 2020 fertig sein, wenn alle Voraussetzungen stimmen, also Menge und Temperatur des Wassers befriedigend sind, soll 2021/2022 das eigentliche Kraftwerk zum Erzeugen von Strom gebaut werden.

Über die zahlreichen Fragen und Kritikpunkte der Besucher berichten wir in einem gesonderten Artikel.

hud

Quelle: chiemgau24.de

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