Stieftochter sexuell missbraucht

Mühldorf - Ohne Entscheidung endete eine Verhandlung über den sexuellen Missbrach der Stieftochter - trotz eines Geständnisses des Angeklagten!

Der Fall wird am Landgericht weiter verhandelt.

Das Geständnis beendet die Verhandlung vor dem Mühldorfer Amtsgericht um den sexuellen Missbrauch der Stieftochter nicht. Denn die entscheidende Frage beantwortet Angeklagter Peter T. (Name von der Redaktion geändert) nach Ansicht von Richter Dr. Gregor Stallinger nicht: Drang er bei dem sexuellen Missbrauch mit dem Finger in seine Stieftochter Hanna (Name von der Redaktion geändert) ein oder nicht. Die Antwort auf diese Frage entscheidet darüber, ob Peter T. Chancen auf eine Bewährungsstrafe hat oder für mehrere Jahre im Gefängnis verschwindet.

Richter Stallinger macht das gleich zu Beginn der Verhandlung klar, als er den Angeklagten aufforderte umfassender zu gestehen. "Wenn Sie leugnen, wirkt sich das strafverschärfend aus. Geben Sie es zu, werden wir das berücksichtigen." Doch Peter T. bleibt bei seiner Schilderung der Nacht des 5. Septembers 2011, als seine Stieftochter zum dritten Mal seit der Trennung bei ihm übernachtete und er sie missbrauchte.

Wenige Monate zuvor trennte er sich von seiner Frau, deren Tochter Hanna ist. Zusammen mit dem Mädchen kaufte er am Abend des 5. September im Mediamarkt eine DVD der Teenager-Vampirsaga "Twilight", gemeinsam schauten sie den Film in Ts. Wohnung an. Danach ging Hanna schlafen, sie legte sich in das Bett ihres Stiefvaters wie in den Nächten zuvor. Es war kurz nach zehn, als er sich zu ihr legte, sich auszog, auch Hanna die Unterhose abstreifte, sich auf sie legte und an ihr rieb. "Ich habe das Ganze gemacht", sagt T., das ist seine Formulierung der sexuellen Gewalt, die er Hanna antut. Es sei über ihn gekommen, "so gefühlsmäßig". Richter Stallinger: "Das Kind ist doch erst elf." Peter T. schweigt, er reagiert nicht, hält die Hände im Schoß gefaltet, schaut starr auf seine Finger, die er knetet. Schweigen.

Das herrschte auch in der Septembernacht, wenn man ihm glauben kann. Er sei aufgestanden und ins Wohnzimmer gegangen um zu rauchen. "Hat Hanna etwas gesagt?", will der Richter wissen. "Ich weiß es nicht", sagt T. Was er noch weiß, ist, dass er sich entschuldigt hat, nachdem Hanna von der Toilette zurück gekommen ist. Am Tag danach offenbarte er sich der Mutter des Kindes, seitdem sitzt er mit einer kurzen Unterbrechung in Untersuchungshaft.

Richter Stallinger ist nicht zufrieden, das Geständnis reicht ihm nicht. Er will mehr wissen: Ob T. schon früher Hannas Schwester angefasst habe; warum er pseudoerotische Fotos von Hanna in einem kurzen roten Kleid mit manchmal weit gespreizten Beinen gemacht habe, die der Staatsanwalt "erotische Posingbilder" nennt. Und vor allem ob er in jener Septembernacht mit dem Finger in seine Stieftochter eingedrungen ist.

Davon, so wird im Mühldorfer Amtsgericht bald klar, geht Richter Stallinger nämlich aus und damit über die Anklage hinaus. "Nachermittlungen haben einen hinreichenden Tatverdacht ergeben", sagt er nach der Verhandlung und spricht von "ein paar Ungereimtheiten".

Deshalb erspart er Hanna den Weg in den Zeugenstand nicht. Und als das Mädchen zunächst nicht aussagen will, befragt er sie später gegen den Protest des Verteidigers ein weiteres Mal - diesmal im Beisein ihrer Mutter. Und Hanna erinnert sich an die Nacht, auch daran dass Peter T. mit einem Finger der linken Hand ihn ihren Schritt gefasst habe. Die Frauenärztin, spricht von Rötungen und Schwellungen im Genitalbereich. Hämatome, die auf rohe Gewalt hindeuten, hat sie bei ihrer Untersuchung nicht gefunden.

Der Ton im Gerichtssaal wird schärfer, Verteidiger Jörg Zürner wirft Richter Stallinger Suggestivfragen vor, die dem Kind seiner Meinung nach die Antworten so in den Mund legen sollen, wie sie Stallinger hören will. Nur mit Mühe kann Zürner seine Fragen an Hanna formulieren, weil er sie stets über den Richter stellen muss. Der fragt nach den Gründen für die Frage, einige gibt er nicht an Hanna weiter.

Und Peter T. bestreitet alles, was über den Missbrauch hinaus geht. Die Fotos hält er für normal, die beiden Schwestern habe er früher nie angefasst und auch jener Nacht tat er nicht, was seine Stieftochter ihm vorhält. Die bekommt er übrigens nicht zu Gesicht, Richter Stallinger schließt ihn aus zum Schutz der sehr jungen Zeugin.

Wenig Hilfe fanden Hanna und ihre Schwester bei der Mutter. Als Hannas Schwester von Übergriffen durch den Stiefvater berichtet, schenkt die Mutter ihrer Tochter wenig Glauben. "Weil sie in dieser Zeit so viel gelogen hat", zum Beispiel übers Rauchen. Hanna wendet sich zunächst nicht an ihre Mutter, das Mädchen vertraut sich der Großmutter an und erzählt ihr vom Ereignis im Bett des Stiefvaters. Hanna lebt erst seit kurzem wieder bei ihrer Mutter, davor war sie in einer Pflegefamilie, ihre Schwester ist noch heute dort. Hanna leidet unter einem Aufmerksamkeitsdefizit, ADHS genannt, gegen das sie seit Jahren zum Teil hoch dosierte Medikamente erhält. Zur Familie gehört außerdem ein kleiner Sohn.

Auf ein Urteil warten die Beteiligten vergeblich. Richter Stallinger sieht die Strafgewalt des Amtsgerichts, das keine Strafen über vier Jahren Haft aussprechen kann, als überschritten. Er überweist den Fall an die Jugendschutzkammer Traunstein.

hon/Mühldorfer Anzeiger

Quelle: innsalzach24.de

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