Gesucht: Die Bier-Stadt 2016

Kulmbach und Ingolstadt wollen sie, aber auch Kloster Ettal, Freising und Wolnzach haben ein Auge darauf geworfen: auf die Landesausstellung 2016, die unter dem Motto „Bier in Bayern“ stehen wird.

Zum 500-jährigen Jubiläum des Reinheitsgebots wetteifern beim „Haus der Bayerischen Geschichte“ in Augsburg 13 Gemeinden und Städte um den Zuschlag der Landesausstellung „Bier in Bayern“.

„Wir haben uns die Kriterien angeschaut, die man erfüllen muss, und danach festgestellt, dass wir hier schon gut aufgestellt wären“, sagt Pater Johannes Bauer, Cellerar der Abtei und damit Verantwortlicher für die wirtschaftlichen Abläufe im Kloster Ettal (Landkreis Garmisch-Partenkirchen).

Obwohl die kleine Brauerei nur einen Jahresausstoß von 12 000 Hektolitern verzeichnet und insgesamt zehn Mitarbeiter beschäftigt, ist Pater Johannes zuversichtlich: „Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Vielleicht sind unsere Karten als Kleiner gar nicht so schlecht. Wir haben uns jedenfalls bei der Bewerbung voll reingehängt.“

Rund vier Wochen lang haben der Pater und seine Mitstreiter das Konzept erarbeitet. Die Ettaler Mönche verbindet eine 401 Jahre alte Tradition mit dem Bier. So gründete Abt Leonhard Hippolt 1609 die Klosterbrauerei. Sein Nachfolger, Abt Othmar I. Goppelsrieder, errichtete zehn Jahre später den noch heute aktiven Klostergasthof. Nach der Säkularisation wurde das Kloster 1900 wiederbesiedelt. Die Mönche nutzten die Brautradition als wirtschaftliche Grundlage. Um das „Ettaler“ als regionaltypisches Produkt weiter zu etablieren, soll langfristig eine „Erlebnisbrauerei“ mit Brauereimuseum entstehen. „Wir überlegen schon länger, unsere Räume für Ausstellungen zur Verfügung zu stellen. Da wäre die Landesausstellung ein guter Anfang“, so Pater Johannes.

Wie aus den ausführlichen Bewerbungs-Unterlagen hervorgeht, sollen althergebrachte Veranstaltungen wie das Brauereihoffest ins Begleitprogramm integriert werden. Aber auch Theater und Rockkonzerte im Brauereihof könnten sich die Benediktiner gut vorstellen. „Dabei möchten wir das Bier nicht verherrlichen, sondern auch auf Gefahren wie Sucht hinweisen“, sagt der Pater.

Die Stadt Freising möchte indes mit ihrer historischen Bedeutung punkten. „Schon in einer Urkundensammlung aus dem frühen 9. Jahrhundert sind die Hopfengärten der Region erwähnt“, erklärt Ulrike Götz, Leiterin des Freisinger Kulturreferats.

Mit der Brauerei „Weihenstephan“ und der „Hofbrauerei“ sei die Stadt auch heute gut gerüstet. Abgerundet werde das Gesamtbild vom „Wissenschaftszentrum Weihenstephan“, das unter anderem den Studiengang „Brau- und Lebensmitteltechnologie“ anbietet. Dort könne im Rahmen der Ausstellung anschaulich und vergnüglich gezeigt werden, wie Bier hergestellt wird. „Damit sind wir einzigartig in Bayern“, freut sich die Leiterin des Kulturreferats. Aber auch die gute Verkehrsanbindung sowie die vielfältigen Wander- und Radwege sollen ein Anreiz sein: „Es bieten sich Ausflüge an, weil Freising am südlichen Tor zur Hallertau, dem größten Hopfen-Anbaugebiet der Welt, liegt.“

Nicht um den Verkauf von Hektolitern, sondern um die Tradition des Brauens geht es dem Zweckverband des Hopfenmuseums in Wolnzach (Landkreis Pfaffenhofen). „Wir wollen hier keine zweite Wiesn“, betont Museumsleiter Christoph Pinzl. Dem Zweckverband sei vor allem daran gelegen, die Vielfalt der Biere vorzustellen und mit Mythen des Reinheitsgebots aufzuräumen. „Da ist viel Blödsinn im Umlauf, den wir berichtigen wollen“, so Pinzl.

Das „Haus der Bayerischen Geschichte“ beabsichtigt mit seiner Ausstellung die enge Verbundenheit Bayerns mit dem „Lebensmittel“ ins Bewusstsein der Bevölkerung zu rücken. Bis Ende November berät sich eine Jury aus Historikern, Tourismus- und Brauereifachleuten über den Zuschlag. Voraussetzung für die Bewerber, die 2016 „Bier-Stadt“ werden wollen, sind eine Ausstellungsfläche von 1000 Quadratmetern, eine Brauerei, eine Bühne für Veranstaltungen, eine historische Wirtschaft und ein Freigelände, auf dem beispielsweise ein Volksfest abgehalten werden kann. Mit 100 000 bis 365 000 Besuchern ist die alljährliche Landesausstellung ein Höhepunkt im bayerischen Kulturkalender.

Sabine Krolitzki

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