Gewerbebau als Schallschutz

Rosenheim - Bürger und Anlieger konnten sich bei der Vorstellung des neuen Bebauungsplans des Mühlbachbogens selbst ein Bild über die Veränderungen machen.

Abermals stand die Bebauung des Mühlbachbogens im Mittelpunkt einer Gesprächsrunde, zu der die Stadt Anlieger und interessierte Bürger in den kleinen Rathaussaal eingeladen hatte. Bei der sogenannten „frühzeitigen Bürgerbeteiligung“ im Rahmen des Bebauungsplanverfahrens wurden die veränderten Planungen vorgestellt, welche die bisher seitens der Bürger vorgebrachten Einwände zum Teil berücksichtigen.

Stadtplaner Robin Nolasco, verantwortlich für die Durchführung von Bauleitplanungen, seine Kollegin Angelika Stuer, zuständig für Verfahrensmodalitäten, und Projektleiter Joachim Seethaler von der städtischen Wohnbaugesellschaft GRWS erläuterten im Detail die Änderungen, die in die jetzigen Planungen Eingang gefunden haben. So sei die stets als zu massiv kritisiere Bebauung gelockert und die Baumasse selbst reduziert worden, so dass der gesamte Komplex im hinteren Bereich, in Richtung Färberstraße, nunmehr offener sei.

Statt der ursprünglich geplanten vier Wohnbaukörper sind jetzt nur drei Wohnbauten vorgesehen und der für Gewerbe vorgesehene lange Gebäuderiegel wurde leicht verschoben, um seiner Funktion als Schallschutz zum Gelände der Stadtwerke mit dem Heizkraftwerk und der Müllverbrennung hin noch besser nachkommen zu können.

Geblieben ist die großzügig ausgelegte Kinderkrippe am Ende des Gewerbetrakts, die für vier Gruppen ausgelegt wird. Probleme können eventuell noch die Grünflächen bereiten, wenn Bewohner der Privatwohnungen sich in ihrer Privatheit von den Nutzern öffentlicher Flächen gestört fühlen.

Nach einem Kinderspielplatz befragt, erwiderte Nolasco, die Stadt habe derzeit nicht die Absicht, im Quartier einen öffentlichen Spielplatz anzulegen. Offen ist ebenfalls, ob im Areal ein Wendekreis angelegt werden soll, um Durchgangsverkehr in Richtung Färberstraße zu unterbinden. Gleiches trifft für eine eventuelle Wertstoffsammelstelle zu, deren Standort noch zu klären sei. Zahlreiche Fragen drehten sich um den fußläufig erreichbaren Supermarkt, der als Vollsortimenter mit rund 800 Quadratmetern Verkaufsfläche größenmäßig im Mittelbereich liegt und 34 eigene Stellplätze ausweisen soll.

Der "Englische Garten" bleibt ein Traum

Architekt Christian Guggenbichler beschrieb den Charakter des Quartiers als geprägt durch zentrumsnahes Wohnen mit Öffnung hin zum Mangfallpark und zu den Innauen.

Etwas skeptisch wurde von den Zuhörern die Information aufgenommen, dass die GRWS das Areal grundbuchmäßig in Parzellen aufteilen will, um die Grundstücke einzeln an Investoren verkaufen zu können. Der Spatenstich, so GRWS-Projektleiter Seethaler, könne voraussichtlich im Frühjahr 2012 erfolgen.

Die von einigen schon zuvor grundsätzlich angeführten Bedenken wurden noch einmal vorgetragen. Manche wenden sich komplett gegen eine Bebauung des "Mühlbachbogens". Die Landesgartenschau habe die besondere Bedeutung und Qualität des Geländes für die Stadt insgesamt in einem völlig neuen Licht erscheinen lassen. Sie schlagen vor, die Stadt möge das Gelände von der GRWS erwerben, es weitgehend von jeglicher Bebauung freihalten und ein zukunftsfähiges Grünkonzept entwickeln mit dem Ziel, einen ersten Schritt in Richtung eines "Englischen Gartens für Rosenheim" zu gehen, um eine Verbindung der Kernstadt mit den Flüssen und Innauen herzustellen.

Doch das bleibt ein Traum. Stadtplaner Nolasco wollte sich nicht auf eine weitere Erörterung dazu einlassen und wies darauf hin, dass der Rosenheimer Stadtrat so entschieden hat. Aufgabe der Planer sei es, die Entscheidungen des Stadtrates, egal wie man zu diesen stehen mag, zu akzeptieren und fachlich umzusetzen.

je/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

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