Alois Glück zu Besuch in Rosenheim

Landtagspräsident a. D. Alois Glück, Landtagsabgeordneter Klaus Stöttner und Lions Club-Präsident Prof. Heinrich Köster cs

Rosenheim – Ein besonderer Redner besuchte am Dienstag Rosenheim: Alois Glück sprach unter anderem über die Finanzkrise, die Atompolitik und die Entwicklung einer tragfähigen Zukunftskultur.

Auf Einladung des Lions-Clubs Rosenheim besuchte der Landtagspräsident a. D. Alois Glück, gleichzeitig auch CSU-Vordenker und Vorsitzender des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, am Dienstag Rosenheim.

Im Mailkeller sprach der CSU-Politiker vor Club-Mitgliedern und Gästen zu den Themen „Wertewandel - Warum wir uns ändern müssen“ und „Bericht aus der Ethikkommission zur Energiewende“. Glück ist Mitglied der Ethikkommission für eine sichere Energieversorgung, Ende Mai soll der Abschlussbericht der Kommission der Bundesregierung und der Öffentlichkeit vorgelegt werden.

Alois Glück besucht Lions Club Rosenheim

Die Rede von Alois Glück in Auszügen:

In einer Zeit voller Umbrüche und Veränderungen hätten die Menschen noch nicht gelernt, das Leben von der Substanz zu stoppen, so Glück. Auf Kosten unserer Kinder lebe die Welt seit langem über Ihre Verhältnisse, nicht erst seit Finanz- und Griechenland-Krise. Viele Menschen hätten Angst, das sei eine Chance, um zu einer zukunftsfähigen Kultur zu finden. Spätestens seit der Finanzkrise sei die Bedeutung von Werten wiederentdeckt worden, aus denen sich Leitbilder für unsere Zukunft ergeben sollten.

Die Balance von Freiheit und Verantwortung sei aus den Fugen geraten. So hatten Finanzmanager alle Möglichkeiten, riskant zu handeln, ohne je Verantwortung für die Konsequenzen übernehmen zu müssen. Man verlasse sich zu sehr auf den Staat und die Eigenverantwortung der Bürger komme zu kurz. Ob Gesundheit, soziale Sicherheit, Erziehung oder Arbeit - es brauche mehr Bürgerengagement und weniger Ruf nach dem Staat, der alles regelt.

Glück sah die Familie im Mittelpunkt und beim unserem Handeln sollte wir immer an die Auswirkungen für unsere Kinder denken. Für eine Zukunftskultur sei eine Bereitschaft zur Veränderung und Innovation am Wichtigsten. Der Takt werde uns dabei von den Weltbesten vorgegeben. Es gehe uns jetzt gut, die Chance müsse man nutzen, um wichtige Veränderungen einzuleiten und unsere Zukunft zu sichern.

Zugleich seien die Menschen in unserer schnelllebigen Welt mit ständig neuen Herausforderungen oft überfordert, die steigende Anzahl psychischer Erkrankungen zeuge davon. Bei vielen jungen Menschen sei schon eine Rückbesinnung auf die Bedeutung von Lebensqualität erkennbar, Geld sei nicht mehr das Wichtigste. Funktionierende Beziehungen zwischen den Menschen würden uns wieder wichtiger, gerade im Alter spüren das viele Familien. Es müsse Schluss sein mit einem Leben auf Pump, denn auch Sportler könnten mit Hilfe von Doping auf Dauer nicht über ihre Möglichkeiten hinaus Bestleistungen erbringen.

In der Ethikkommission, der Glück angehört und die in Kürze ihre Ergebnisse präsentieren wird, wird im Auftrag der Bundesregierung die Frage des Atomausstiegs in Deutschland behandelt. In Japan habe das vermeintlich minimale Restrisiko zur Katastrophe geführt und Deutschland wachgerüttelt, so Alois Glück. Nachdem Tschernobyl schon verdrängt worden sei, kam es nun auch in einem High-Tech-Land zum Super-GAU. Nach Tschernobyl setzte die Welt verstärkt auf Energie aus Öl und Kohle, was schon bald durch die Klimadiskussion wieder gebremst wurde. Das Risiko der Kernkraft sei zwar sehr gering, dennoch sind die Auswirkungen eines Unfalls so verheerend, dass keine Versicherung der Welt bereit sei, dafür gerade zu stehen. Man müsse also bei der Sicherheit strengste Maßstäbe ansetzen.

Auch die Frage der Endlagerung sei nicht geklärt und man verpflichte damit viele nachfolgende Generationen. Man steuere also auf einen Ausstieg zu, der so schnell als möglich geschehen soll. Dabei müssen Versorgungssicherheit, Umweltverträglichkeit und Leistbarkeit gewährleistet sein. Eine unabhängige Kommission sollte dafür sorgen, dass der Ausstieg diesen Kriterien gerecht wird.

Eine der wichtigsten Voraussetzungen für den Einsatz erneuerbarer Energien seien jedoch Netzstrukturen, die auch international verflochten sind, um den Ausgleich von Sonne, Wind und Wasserkraft zu gewährleisten. Schon in der Vergangenheit habe man in Deutschland in der Umweltpolitik Massstäbe gesetzt. Die Wirtschaft habe zwar gejammert, zugleich habe sich daraus aber auch zwangsläufig die führende Rolle Deutschlands in der Umwelttechnologie entwickelt.

red

Quelle: rosenheim24.de

Zurück zur Übersicht: Bayern

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser