"Glücksfall für jeden Planer"

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Der "Renner" der Landesgartenschau in Rosenheim: die Oma. Und nicht nur bei Kindern war sie heiß beliebt, auch ältere Herren setzten sich gerne neben sie.

Rosenheim - „Die Landesgartenschau war ein Glücksfall für mich als Planer“, sagt Helmut Cybulska, Baudezernent der Stadt Rosenheim.

Denn die Chance auf Realisierung einer Vision komme in einem Berufsleben sicher nicht so häufig vor. 1997 sei er Leiter des Stadtplanungsamtes worden. „Damals habe ich begonnen, meine städtebaulichen Visionen von der Zukunft der Stadt Rosenheim zu entwickeln“, sagt er.

Doch der Weg bis zum Ende der erfolgreichen Landesgartenschau, die im Oktober ihre Tore wieder schloss, sei dornig gewesen. "Es gab Zeiten, da war ich kurz davor, alles hinzuschmeißen", sagt er. Vor allem die viel diskutierte Kostenfrage habe das ganze Projekt "Landesgartenschau" immer wieder in Frage gestellt. Und auch der Stadtrat sei zunächst nicht "ohne wenn und aber" hinter der Idee und ihren Möglichkeiten gestanden. Sogar als der Zuschlag für die Stadt da gewesen sei, wurde noch gezögert, den Durchführungsvertrag abzuschließen. Es habe "diverse Diskussionen" gegeben, ob die Stadt sich das überhaupt leisten könne, und ob die Verlagerung des Bauhofes und des Hubschrauberplatzes möglich sei, erinnert er sich.

In dieser Zeit des Abwägens und der Entscheidungsfindung sei der Rückhalt durch die Bevölkerung und den Arbeitskeis "Landesgartenschau" extrem hilfreich gewesen. Eine Gruppe von Rosenheimern hatte sich 1998/1999 zusammengefunden und nach Wegen zur Realisierung der Landesgartenschau in Rosenheim gesucht. Wöchentlich hätten sich diese interessierten Bürger - fachfremd oder aus der Branche - getroffen und intensiv an der Idee gearbeitet. "Sie warben auf allen Ebenen für die Landesgartenschau und machten auf breiter Front durch Ausflüge, Workshops und Veranstaltungen mit Entscheidungsträgern deutlich, dass es nicht um eine Blümchenschau geht, sondern um einen nachhaltigen Gewinn für Rosenheim", so Cybulska. Der heutige Erfolg der Landesgartenschau sei sicher auch wesentlich durch dieses frühes Engagement überhaupt erst möglich geworden.

Besonders die sehr dicht bebaute Kernstadt und die fehlende großzügige Grünstruktur wollte er verbessern. "Es war schnell klar, dass eine Landesgartenschau Motor für städtische Entwicklung werden könnte", so der Stadtplaner. Doch noch in den 1990er-Jahren habe man weithin die Ansicht vertreten, dass Rosenheim ja von wunderbarer Landschaft - geradezu ideal für Sport und Erholung - umgeben sei. Deshalb sei Naherholung in oder um Rosenheim lange Zeit kein Thema gewesen. "Diese Ansicht hat sich erst allmählich gewandelt. Heute wollen junge Familien wohnortnahe Erholung." Die Renaissance der Innenstädte sei inzwischen hochaktuell, ebenso wie die Rückbesinnung auf kurze Wege bei Wohnen, Arbeiten, Einkaufen und Leben oder das Thema innerstädtisches Leben im Alter.

Beim Bahnhofsareal, im Gebiet Altstadt Ost und In der Schmucken sowie in der Öffnung zu den Flüssen habe er Möglichkeiten einer weitsichtigen Stadtplanung gesehen.

Ein erster, wichtiger Schritt in Richtung Landesgartenschau war die Diplomarbeit von Christine Beer an der Fachhochschule Weihenstephan. Sie untersuchte zum Thema "Urbane Zeiträume" Entfaltungsmöglichkeiten für Rosenheim. "An den Gleisen" und "Zu den Flüssen" hießen die beiden Überschriften, favorisiert wurden schließlich die Flüsse. Hier sei erstmalig aufgezeigt worden, wie urbane Flächen neu zu gestalten seien. Beispiele in der Diplomarbeit waren Salzstadel und Ludwigsplatz, aber auch Innspitz und Nickl-Wiese.

Der nächste große Schritt war die in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie im April 2001 mit Landschaftsarchitektin Ursula Hochrein. Immer deutlicher habe sich ein durchführbares Konzept herausgeschält. 2002 habe der Stadtrat schließlich grünes Licht für die Bewerbung gegeben, 2004 kam das finanzielle Konzept auf die Beine. "Dann hörten die zermürbenden Diskussionen auf."

Mit den städtebaulichen Veränderungen habe Rosenheim eine "Jahrhundertchance" wahrgenommen, und schließlich sei die Landesgartenschau 2010 "sensationell gut von den Bürgern" angenommen worden. "Das freut mich sehr, natürlich auch als Planer", so Cybulska.

Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

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