Graffiti: Kunst anstatt Schmiererei

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Rosenheim - In Graffiti sehen viele Menschen nicht mehr als illegale Schmierereien an Wänden. Doch mittlerweile hat sich daraus eine eigenständige Kunstform entwickelt.

Wie diese aussieht und funktioniert, wurde am Wochenende am ehemaligen Landesgartenschaugelände am Mühlbachbogen vorgeführt. Die Städtische Galerie Rosenheim hatte im Rahmen der "Stadtoase" junge Rosenheimer Graffiti-Künstler eingeladen. Sie verwandelten mit Spraydosen die mit Leinwänden bespannte Bauzäune in bunte Kunstwerke. Unterstützt wurden sie bei ihrem kreativen Tun von einem Sprayer-Profi aus München.

Seinen richtigen Namen wollte der 25-jährige Profi bei seinem Besuch in Rosenheim nicht nennen. Wie viele andere Mitglieder der Graffiti-Szene auch, hat er sich schon lange einen Künstlernamen zugelegt: "Zombie". Das hat auch einen guten Grund. Als "Zombie" im Alter von 13 Jahren zum ersten Mal eine Sprühflasche in die Hand nahm, tat er tatsächlich noch das, was immer wieder für Ärger in der Öffentlichkeit sorgt. Er "verschönerte" unter anderem U-Bahn-Schächte. "Das war verboten und dazu noch gefährlich. Doch das war mir damals egal", erzählt der Münchner. Als Großstadtkind habe er keine andere Möglichkeit für sich gesehen, der Langeweile zu entkommen. Graffiti wurde für ihn schnell zur "Sucht".

Irgendwann setzte bei "Zombie" ein Umdenken ein. Er wollte seine Kreativität weiter buchstäblich sprühen lassen, das aber legal. Vor einigen Jahren hat er seine Leidenschaft zum Beruf gemacht. Er gibt Graffiti-Workshops und besucht damit auch immer öfter Schulen: "Ich hätte selbst nicht gedacht, dass man davon leben kann. Aber es klappt."

Überhaupt stellt der Sprayer seit Jahren fest, dass die Graffiti-Szene mit illegalen Aktionen immer weniger zu tun haben will: "Man setzt darauf, dass man legal triste Flächen in der Öffentlichkeit verschönern darf und dass man uns als Künstler anerkennt."

Das klappt auch immer öfter. Nicht nur in München stellt man den Graffiti-Malern freiwillig Wände zur Verfügung, an denen sie ihrer Kreativität freien Lauf lassen können. In Rosenheim kam nun die städtische Galerie auf die Idee, Graffiti zu nutzen, um besonders junge Menschen an Kunst heranzuführen. "Mir ist es wichtig, dass ich Kunst der Allgemeinheit nahe bringe. Graffiti ist ideal geeignet, um die Jugend anzusprechen", meinte dazu Galerieleiterin Monika Hauser.

Ihre Graffiti-Aktion wurde am Wochenende zum Bestandteil der "Stadtoasen", die bereits im dritten Jahr brach liegende Flächen in der Stadt nutzen, um Bewohnern Raum für Entspannung, Kontaktpflege und Freizeitspaß zu geben. Eigentlich sollte die Arbeit mit den Farbdosen schon am Freitag beginnen. Doch wegen starker Regenfälle musste der Start um einen Tag verschoben werden. Am Samstag nahmen die Sprayer ihre Arbeit aber begeistert auf.

In Rosenheim gibt es bis jetzt noch keine große Graffiti-Szene. Der 15-jährige Simon, der 14-jährige Julian und der 15-jährige Louis zählen sich zu den wenigen jungen Leuten der Stadt, die diese Kunstform beherrschen. "Wir sind schon eine Seltenheit", betonten die drei stolz und gaben sich bei ihrem Auftritt schon wie große Künstler, inklusive "Starallüren". "Ich kann nur malen, wenn im Hintergrund Musik läuft", stellte Julian gleich zu Beginn fest.

Zuerst fertigten die drei Schüler Entwürfe auf ihren Blöcken an, dann ging es an die Umsetzung an den Leinwänden. "Das ist viel schwieriger, als es aussieht", erklärten sie. Aus ersten gesprühten Linien entstanden schließlich kunstvoll ineinander verschlungene Buchstaben und ein wild dreinblickender Affe. Die drei jungen Rosenheimer zeigten sich mit ihrem Werk am Schluss sehr zufrieden. Lob gab es auch von Sprayer-Profi "Zombi": "Ich konnte in ihrem Alter noch nicht so gut mit den Sprühdosen umgehen."

Neben den routinierten Sprayern kamen am Wochenende auch einige Kinder und Jugendliche, die erstmals zur Dose griffen. Sie durften ebenfalls ihrer Kreativität auf den Leinwänden freien Lauf lassen. Die Graffitiwände leisten nun während der Laufzeit der "Stadtoase" ihren Beitrag zur Gestaltung und Strukturierung des Geländes. Im Herbst sollen die gesprühten Kunstwerke dann für einen guten Zweck versteigert werden.

wu/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa

Zurück zur Übersicht: Bayern

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser