Sprühende Leidenschaft für Indianer

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Martin Poenicke und ein Freund toben sich derzeit im Lokschuppen aus.

Rosenheim - Kapuzenpulli, das Gesicht hinter einer Maske versteckt und eine Spraydose in der Hand: So trifft man Graffiti-Weltmeister Martin Poenicke derzeit im Lokschuppen an.

Wenn es draußen dunkel wird, fängt die Arbeit für Martin Poenicke erst an. Dann stülpt er sich im Ausstellungszentrum Lokschuppen die Atemmaske übers Gesicht, greift zu einer Spraydose und versprüht im wahrsten Sinne des Wortes sein Können. Martin Poenicke gestaltet die farbigen Wände für die Ausstellung „Indianer – Ureinwohner Nordamerikas“ – den Pazifik, Strandlandschaften, sanfte Hügel oder die Prärie. Hier ist kein gewöhnlicher Sprayer am Werk, sondern ein dreimaliger Graffiti-Weltmeister.

„Write4Gold“ heißt der inoffizielle, für Graffiti-Künstler renommierteste Wettbewerb, den Poenicke dreimal gewonnen hat. Der 29-Jährige hat eine abenteuerliche Karriere hinter sich: Im Jugendalter ist er, angeregt vom älteren Bruder, in der Graffiti-Szene in Wittenberg bei Berlin aktiv. Schnell stellt sich seine Begabung heraus, und Poenicke reist in die Vereinigten Staaten, um sich dort weiter zu entwickeln.

Große Firmen entdecken seine Begabung, und so gestaltet er mit den Spraydosen Portale, Eingänge oder Gebäude für Coca Cola oder BMW. Nach eineinhalb Jahren kommt er nach Deutschland zurück. „Ich wollte noch mehr lernen, das fotorealistische Sprühen war mir nicht mehr genug.“ Deshalb lernt Poenicke bei der Gestaltungsfirma von Reiner Neubauer in Bad Endorf Kirchenmaler.

„Ich habe gleich erkannt, dass er viel kann“, erzählt Neubauer. „Martin Poenicke hat außergewöhnliche Begabungen. Große Projekte wie die Gestaltung einer Ausstellung im Lokschuppen kann ich nicht jedem Mitarbeiter anvertrauen.“

Reiner Neubauers Firma ist bekannt für eine gute Ausbildung und renommierte Kunden. So gestaltete das Unternehmen das Ehrenmal in Berlin, oder die Hofburg in Innsbruck. Martin Poenicke arbeitet inzwischen freiberuflich, pendelt zwischen Aufträgen in Japan, USA oder Deutschland hin und her. Und er studiert nebenher Kunst in Nürnberg. Dafür hat er ein Stipendium bekommen. „Ich möchte ein gegenständlicher guter Maler werden. Graffiti beherrsche ich ja schon", sagt er.

Im Lokschuppen gilt es jetzt, die Vorgaben des Gestalterteams Aigner-Böttcher- Design umzusetzen. Die Gruppe aus München hatte die Ausschreibung für die Indianerausstellung gewonnen und liefert jetzt Martin Poenicke die Vorlagen.

„Das ist schon eine Herausforderung“, sagt Poenicke. „Wir müssen mehrere Dinge unter einen Hut bringen: den Gestaltern muss es gefallen, dem Veranstalter und den Besuchern, und wir müssen auch zufrieden sein.“

Wie realistisch dürfen die Wellen im Pazifik an der Wand sein? Lenken sie zu sehr von den Exponaten in den Vitrinen ab? Wie blau wird der Himmel, wie viele Grüntöne müssen in die Landschaft? Mit diesen Fragen setzen sich Poenicke und Reiner Neubauer täglich auseinander. „Doch die Zusammenarbeit ist hervorragend“, bekräftigt Neubauer. Es gibt viele Leute im Team, die eine klare Haltung haben, aber konsensfähig sind.“

Deshalb sind Poenicke und Neubauer auch zuversichtlich, dass die gestalteten Wände den Besuchern der Indianer-Ausstellung im Lokschuppen gefallen werden. Damit es schneller geht, hat sich Martin Poenicke Unterstützung geholt. Sein Kollege Andreas Dymke aus Dessau steht jetzt jeden Abend mit ihm beim Sprühen im Lokschuppen. Die Qual der Wahl bei der Auswahl ist groß: Rund 175 verschiedene Farben haben die beiden zur Verfügung, schätzungsweise 1.000 Spraydosen werden sie verbrauchen.

Pressemitteilung Veranstaltungs + Kongress GmbH Rosenheim

Quelle: rosenheim24.de

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