Grandioses G8-Abi in stürmischen Zeiten

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Einfach spitze: Zwölf Abiturientinnen und ein Abiturient meisterten am Ignaz-Günther-Gymnasium ihre Hochschulreife mit einem Einser-Durchschnitt.

Rosenheim - Der erste G8-Abiturjahrgang am Ignaz-Günther-Gymnasium hat das Abitur mit einem, wie Oberstudiendirektor Dieter Friedel stolz verkündete, "grandiosen Ergebnis" erreicht.

Der Gesamtdurchschnitt betrug 2,20.

Alle angetretenen Abiturienten haben bestanden, 37 mit einer Eins vor dem Komma, 13 mit einem Einser-Durchschnitt, 3 davon haben sogar die Traumnote 1,0 erzielt: Carina Friedel, Katharina Fahrenschon und Marion Daxer. Für diese Leistung wurden die drei Abiturientinnen im Rahmen der würdigen und herzlichen Feier mit einer Goldmünze der Sparkasse Rosenheim-Bad Aibling belohnt.

Elterbeiratsvorsitzende Claudia Friedel ging in ihrer Rede auf die Auswirkungen des damals überraschend eingeführten achtjährigen Gymnasiums ein - auf das Fehlen von dafür geeigneten Schulbüchern, auf die Ausweitung des Unterrichts auch auf den Nachmittag, auf neue Unterrichtsformen und -fächer und auf die nervenzerreißenden letzten beiden Schuljahre. Gefreut habe sie dabei die "gestärkte Solidarität der Schule", ihr Dank galt den beiden Oberstufenkoordinatoren, Friedrich Hefter und vor allem Brigitte Kirchgässler. Sie hätten "mit einer guten Struktur und einer tollen Mischung aus Konsequenz und Menschlichkeit die vielen Änderungen hingenommen, kommuniziert und großzügig umgesetzt." Für die Zukunft brauchten die Abiturienten nun Grundvertrauen in die eigenen Fähigkeiten, die Sicherheit, dass jemand da ist, wenn es Schwierigkeiten gibt, und Optimismus.

Zum Gaudium der Zuhörer imitierte Abiturient Christoph Leonbacher in seiner Rede, in ein Friedel-typisches Schilfleinensakko gekleidet, sehr gekonnt den Tonfall, Dialekt, die Redeweise sowie Mimik und Gestik des Schulleiters Dieter Friedel. Auf dem Kopf hatte er einen gelben Bauarbeiterhelm, damit spielte Leonbacher auf die reparaturbedürftige Aula und auf das Schulsystem als Dauerbaustelle an. Dabei zitierte er aus dem letzten Schreiben des Kultusministeriums zur Änderung der Abitur-Notenregelung, verkündete satirisch dessen Aufhebung und die "Aufhebung der Aufhebung" und nahm ironisch einzelne W-Seminare unter die Lupe. Zum Schluss bedankte er sich - nun als Christoph Leonbacher - bei Schulleiter Friedel für dessen Großzügigkeit und dass dieser immer ein offenes Ohr für die Schüler gehabt habe. Oberstufenkoordinatorin Kirchgässler dankte er im Namen der Abiturienten mit einem Blumenstrauß.

Auch Dieter Friedel ging in seiner Rede auf die Einführung des G8 ein, indem er das Gedicht des griechischen Dichters Alkaios zitierte. In dem vergleicht dieser das Leben mit einer stürmischen Schiffsfahrt: "Ich fasse das Zerwürfnis der Winde nicht", beginnt es, während die Seeleute "kämpfend mit Böen und Brechern, trieben hinaus auf die hohe See". So sei das G8 anfangs "zum Ausdruck einer zumindest gefühlten Katastrophe" geworden. Aber nun hätten alle Abiturienten den Zielhafen doch erreicht, und all dies sei nun "Erinnerung - überstandene, gemeisterte Erfahrung". Und die Abiturienten hätten bewiesen, dass auch das neue Gymnasium Zeit und Raum lasse "für ein wahrhaft beeindruckendes Engagement innerhalb und außerhalb der Schule, für Musik, Theater, Sport, SMV-Arbeit und Vereinsleben,", und sie hätten bewiesen, dass sie "prächtige junge Menschen sind, die kämpfen können, sich aufraffen können, sich einsetzen für andere und für ihre Schule". Dafür danke Friedel allen aus tiefstem Herzen.

Als zweiten Text für das Reisegepäck in kommenden stürmischen Zeiten gab der Schulleiter seinen Abiturienten eine Stelle aus dem Matthäusevangelium, in dem Jesus während eines Sturms auf dem See Genezareth seinen Jüngern die Angst nimmt, mit. "Es ist gut zu wissen, dass egal wohin unser Schiff auch segelt, wir nicht ganz alleine sind, dass Menschen mit uns im selben Boot sitzen, die uns so lieben, wie wir sind." Im dritten Text, alle drei hatte der Schulleiter den Absolventen in den Zeugnisumschlag gesteckt, schickte er die Abiturienten auf den Berggasthof Hohe Asten, in dessen Erkerzimmer auf einem Holztäfelchen sein Lieblingsspruch steht: "Wechselnde Pfade, / Schatten und Licht - / alles ist Gnade, / fürchte dich nicht!" Abschließend wünschte Schulleiter Friedel den Abiturienten alles Glück dieser Welt und Gottes Segen.

Wie gewohnt hatten die Abiturienten selbst die musikalische Umrahmung dieser Feier gestaltet - mit Hackbrett, Flöte, Klavier und Geige - und wie gewohnt klang die Abiturfeier in einem Stehempfang in der Mensa aus, den die nächstjährigen Abiturienten vorbereitet hatten. Bis in die Abendstunden gab es viele Gespräche zwischen Abiturienten, Eltern, Lehrern und den Abiturienten, die vor 50 und vor 60 Jahren am IGG das Abitur gemacht haben und traditionsgemäß miteingeladen waren.

rwj/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

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