Handelsverband Bayern gegen "Aventura"

Rosenheim - Zusammen mit der Stadt Rosenheim und anderen Vertretern hat mach sich gegen das Projekt "Aventura" ausgesprochen. Die Stellungnahme des Handeslverbandes Bayern:

Die gesamte Händlerschaft in Rosenheim, Innenstadt wie Aicherpark, sieht das beantragte Objekte „Aventura“ in Kiefersfelden mit größter Sorge. Es würde die gedeihliche Entwicklung der immer noch intakten Handelslandschaft in Rosenheimer empfindlich stören.

Daher fordern wir, diesem Vorhaben keine Ausnahmegenehmigung zu erteilen! Dem Druck der Investoren, den Einzelhandel von den Innenstädten weg an die Autobahnausfahrten zu holen, muss widerstanden werden!

Wir haben Verständnis für Kiefersfelden, das eine wirtschaftliche Schwächung durch den Wegfall der Grenze und des Zementwerkes erfahren hat. Aber die Gemeinde muss die wirtschaftliche Entwicklung im Bereich Tourismus, Gewerbe und Industrie fördern und nicht mit überdimensionalem Einzelhandel gewachsene Strukturen in benachbarten Gemeinden beschädigen.

Der Arbeitsmarkt in Kiefersfelden
Der Landkreis Rosenheim hat 4260 Arbeitslose (3.4%), davon 134 in Kiefersfelden (Stand April 2011), also nicht überdurchschnittlich viele. Von diesen Arbeitssuchenden werden nur ganz wenige für die Beratung in den Sportgeschäften geeignet sein. Die Mitarbeiter werden aus Tirol und dem bayerischen Umland einpendeln. Durch die Lage direkt an der Autobahn, weit weg vom Bahnhof, werden die meisten mit dem Auto kommen, was ökologisch nicht sinnvoll ist.

Die Anziehungs- und Wirtschaftskraft Rosenheimsmuss erhalten bleiben. So muss gerade jetzt die Stadt ein innovatives Unternehmen (FuG), das zu den 30 stärksten Gewerbesteuerzahlern zählt, in den Landkreis ziehen lassen, da kein geeignetes Grundstück verfügbar war. Wenn die Stadt schon bei der Ansiedlung von Industrie und Gewerbe im Nachteil ist, muss ihr wenigstens die Anziehungskraft als Einkaufsstadt erhalten bleiben. Aventura würde auf Dauer die Pläne Rosenheims, sich im Bereich Sport noch besser aufzustellen, undurchführbar machen.

Die historisch gewachsenen Innenstädte müssen mit Leben erfüllt bleiben. Nur wenn ein überzeugender Mix an Einzelhandelsgeschäften, Gastronomie und Dienstleistung eine große Anziehungskraft ausübt, ist der Kunde bereit, die Kosten und Mühen in die „Stadt“ zu fahren auf sich zu nehmen. Denn hier hat er Staus vor der Stadt, Parkgebühren und zum Schluss noch das Risiko, beim Parken einen Strafzettel zu bekommen. Das alles bleibt ihm auf der grünen Wiese erspart.

Zwei Drittel des Umsatzes kommen aus dem nächsten und näheren Umland (30 min), so jedenfalls die Zahlen des FOCs in Ingolstadt. Nur ein Drittel kommt von Durchreisenden. Das Argument, Umsätze würden nicht aus der näheren Region abgezogen stimmen also nicht.

Mittelstandspolitik darf es nicht nur in „Sonntagsreden“ geben. Gerade der Einzelhandel, und ganz besonders auch der Sport- Einzelhandel, bietet immer wieder zahlreichen Bürgern die Möglichkeit sich selbständig zu machen. Dafür gibt es in dieser Region mehr als genug Beispiele. Ein großer Teil dieser Betriebe, die auf keinen einzigen Euro Umsatz verzichten können, würden in ihrer Existenz gefährdet.

Überwiegend Hersteller und Ketten sind in solchen Einkaufszentren die Mieter. Einzelunternehmer können sich i.d.R. die Mieten nicht leisten.

13024 qm Einzelhandelsfläche für Sport und Sporttextilien bleiben, wenn wir von einer Gesamt-Mietfläche von 17.070 qm, 3511 qm für ein Hotel, 314 m² für eine Eventhalle, 323 für Büros abziehen. Die angegebenen 8745 m² Verkaufsfläche sind u.E. schöngefärbt. Der Investor benennt zwar verschiedene Flächen anders, die aber im Endeffekt doch Einzelhandel sind. Das ist unglaublich viel, denn andere Einkaufscenter dieser Größe haben noch Lebensmittel- und Multimediamärkte usw. untergebracht. Die negative Auswirkung speziell auf die Einkaufsstadt Rosenheim ist abzusehen. Denn Textil ist das Rückgrat der Anziehungskraft.

32,5 Mio. Umsatz müsste Aventura bei einer halbwegs rentablen Quadratmeterleistung machen. Die ganze Stadt Rosenheim macht mit Sportartikeln auf 8240 qm Verkaufsfläche ca. 23 Mio. Sport-Umsatz, 10 Mio. noch der Landkreis.

Wir Einzelhändler sind nicht die ewigen Verhinderer, wie uns manche nachsagen, nein im Gegenteil, wir begrüßen jeden neuen Mitbewerber in unserer Stadt, der das Angebot und damit die Attraktivität unserer Stadt vergrößert. So gibt es ernsthafte Pläne in unserer Stadt für große Interessenten aus den Bereichen Textil und Sport neue Flächen zu schaffen. Auch wir wünschen uns ein liberales Wirtschaftsklima. Aber ebenso wie man sein Haus nicht einfach dort hin bauen kann, wo gerade die schönste Aussicht ist, kann man auch eine Einzelhandelsimmobilie nicht an jeden beliebigen Standort hinstellen. Die für ein Land einmal festgelegte Planung muss eingehalten werden. Niemand wird verstehen, dass einer tun darf, was hunderttausend andere nicht dürfen.

Pressemitteilung Ortsvorsitzender Rosenheim Handelsverband Bayern

Quelle: rosenheim24.de

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