Herbstfest: Kritik stieß auf offene Ohren

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Rund 80 Anlieger waren zur Anhörung ins Rathaus gekommen, darunter auch Ernst Wagner; links Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer.

Rosenheim – Weitgehend sachlich verlief die Anliegerversammlung zum Herbstfest. Rund 70 Betroffene sowie etliche Stadträte – auch darunter Anlieger – brachten Beschwerden und Lösungsvorschläge vor.

Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer, umgeben vom Leiter der Polizeiinspektion Rosenheim, Polizeidirektor Rudolf Morawek, Robert Aberger, Geschäftsführer des Wirtschaftlichen Verbandes (WV) als Herbstfestorganisator sowie Fachleuten der Stadtverwaltung moderierte die Veranstaltung.

Bauer wies darauf hin, dass die Polizei während der Herbstfestzeit "mehr als präsent" sei und dass seit 2009 die Mitarbeiter des Bauhofes zusätzliche Reinigungsdienste leisteten.

Gut vorbereitet brachte Anlieger Ernst Wagner seine Beschwerden vor. Die Zustände rund um das Herbstfest seien erstens unzumutbar, es gebe zweitens keinen zentralen Ansprechpartner für die Beschwerden der Anlieger und drittens müsse klar sein, dass die Stadt Verantwortungsträger sei. Im einzelnen berichtete Wagner, Hauseigentümer in der Kaiserstraße, dass sich nicht nur Männer auf seinem Anwesen "kurzfristig erleichterten", sondern auch Frauen, und das "mitunter scharenweise, auch tagsüber". Bei Beschwerden werde man vom WV, da außerhalb der Wiesn unzuständig, an die Stadt verwiesen. Diese erkläre die Polizei für zuständig, dort heiße es dann, man habe Wichtigeres zu tun als Biesler zu verfolgen und solle die Anzeige schriftlich einreichen. Letzteres habe ihm auch das City-Management geraten.

"Derweil hat der Biesler sein Hosentürl zu und ist weg, und wenns mal läuft, dann läufts halt", zeigte Wagner Verständnis für menschliche Nöte, aber eben nicht auf Privatgrundstücken und in dieser Häufung. "Wir lieben alle das Herbstfest, aber wir wollen keinen Stress haben", betonte er.

"Die Stadt ist gegenüber der Polizei nicht weisungsbefugt", klärte die Oberbürgermeisterin die Lage, man sei aber in enger Abstimmung mit dem WV. Dieser habe eine Notrufnummer eingeführt, die nach Wiesnschluss allerdings nicht mehr besetzt sei. Sicherheitsdezernent Hermann Koch erklärte, der WV werde die Toilettenanlage in der "Kindergasse" zur Kaiserstraße hin vergrößern und deutlicher beschildern. Stadt und WV erwägten, am Salzstadel einen Toilettencontainer mit einer Aufsichtsperson zu etablieren. Die Vorgärten blieben ein Problem, dafür habe die Polizei meist keine Kapazitäten.

"16 Nächte Randale bis 5 Uhr früh"

16 Nächte gebe es Randale von Wiesnschluss bis 5 Uhr früh, so dass man oft kein Auge zu tun könne, so ein Anwohner der Rechenauerstraße. Aus den Nachtbars und Discos strömten besonders an den Wochenenden laut grölende Horden zum dortigen Hamberger-Parkplatz. Er forderte dort Polizeipräsenz. Ein weiterer Vorschlag war, auf dem Parkplatz einen Toilettenwagen aufzustellen.

Weitere Anwohner, darunter auch SPD-Stadträtin Maria Noichl, die in der Dezembersitzung des Stadtrates die treibende Kraft für diese Versammlung war, beschwerte sich über zugeparkte Grundstücksausfahrten. Ein übler "Jugendtreff" habe sich am Klosterweg entwickelt, schilderten Anwohner. Das reiche von Trinkgelagen bis zu sexuellen Aktivitäten.

Polizeidirektor Morawek, der 2010 seine erste Wiesn erlebte und die Hälfte der Nächte im Einsatz war, berichtete von rund 80 Einsätzen pro Nacht. Die Nachbearbeitung auf der Wache zöge dann die Beamten von der Straße ab. Gewaltdelikte und größere Sachbeschädigungen hätten Vorrang vor Bieslern und Abschleppen der Falschparker vom Privatgrund. "Den Klosterweg werden wir aber öfter bestreifen", versprach Morawek. Aus der Versammlung gab es mehrfach deutliches Lob für die Polizei.

Schmunzeln ließ die Versammlung der Wunsch einer Herbstfestanwohnerin an WV-Geschäftsführer Aberger, Leidtragende, die nichts an der Wiesn verdienten, mit Bier- und Hendlmarken zu bedenken.

In der Verwaltung wird die Anhörung nun aufgearbeitet; dann werde wohl eine weitere Versammlung anberaumt, so Oliver Horner, Leiter des Ordnungsamtes, nach der zweistündigen Sitzung.

hh/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

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