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Polizei bestätigt Vorfall

Attacke auf Passanten in Hamburg: Ein Toter, mehrere Verletzte

Attacke auf Passanten in Hamburg: Ein Toter, mehrere Verletzte

Einblick ins "Herzstück des Polizeipräsidiums"

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„Chiemsee“ ruft Streife: Das größte bayerische Gewässer liefert den Funkrufnamen für die Einsatzzentrale in Rosenheim. Von hier aus werden sämtliche Polizeieinsätze im Zuständigkeitsbereich des Präsidiums koordiniert.

Rosenheim - In der Einsatzzentrale der Polizei glühen die Drähte: Pro Jahr verzeichnet sie über 200.000 Notrufe - eine "stolze" Zahl. Nun gewährt sie einen Einblick in den Alltag.

Die Anruferin klingt aufgeregt: „Da ist gerade ein Unfall passiert, bei Haag.“ Der Beamte fragt ruhig nach und trägt dann sofort am Computer alle wichtigen Daten ein. „Wo genau war denn der Unfall? Sind Menschen verletzt?“ Während er nach und nach die Einzelheiten erfährt, erfasst er bereits die ersten Daten im Computersystem der Polizei und setzt damit eine gut geölte Maschinerie in Gang.

Sobald der Einsatz im System angelegt ist, blinkt es auf den Bildschirmen im selben Raum befindlichen Funkleitstände. Die zuständige Polizistin nimmt die Informationen auf und verständigt per Polizeifunk sofort einen Streifenwagen, der sich auf den Weg zur Unfallstelle macht. Unterdessen ist das Gespräch am Notruftelefon weitergegangen. Da es Verletzte gibt, schickt der Beamte per Mausklick seine Einsatzmeldung an die Integrierte Leitstelle in Rosenheim, die die Rettungskräfte alarmiert. Für den Polizisten am Notruf ist die Sache damit zunächst erledigt. Alles Weitere übernehmen die Kollegen am Funk.

Immer wenn ein Bürger im Bereich des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd die polizeiliche Notrufnummer „110“ wählt, landet sein Anruf im speziell gesicherten ersten Obergeschoss des Präsidiums in der Kaiserstraße. Im Jahr 2010 war dies 218 115-mal der Fall. Durchschnittlich 598 Notrufe werden pro Tag erfasst, rund 25 pro Stunde. Die Anrufe lösten 114 288 Polizeieinsätze aus. Eine gewaltige Menge, die aber nicht weiter verwundert: Das Polizeipräsidium in Rosenheim ist für ein Gebiet zuständig, das dreimal so groß wie das Saarland ist. In den neun Landkreisen und der Stadt Rosenheim leben 1,23 Millionen Menschen.

Nicht immer kommen die benötigten Informationen so schnell, wie von der aufgeregten Dame aus Haag. „Das Wo ist für uns das Wichtigste. Wenn man den Ort kennt, können die Kollegen schon mal weiterarbeiten“, erklärt Andreas Czerweny. Der Polizeihauptkommissar trägt während einer Schicht die Verantwortung für das „Herzstück des Polizeipräsidiums“, wie er die Einsatzzentrale nennt. Insgesamt 70 Beamte tun hier Dienst und besetzen in drei Schichten rund um die Uhr Notrufleitungen und Funkstationen.

Die Beamten haben einen diffizilen Job: „Die Leute, die bei uns anrufen, sind aufgeregt, manche stehen unter Schock, etwa wenn Angehörige bei einem Unfall verletzt wurden“, so Czerweny. „Schwierig wird es immer dann, wenn die Anrufer nicht genau sagen können, wo sie sich befinden.“ Denn ohne die exakte Ortsangabe kann man keine Hilfe schicken. Hier ist die Findigkeit der Beamten gefragt. Von wo nach wo war man unterwegs, als es gekracht hat? Sieht man auffällige Landmarken oder Gebäude? Alles kann wichtig sein. Unter Umständen entscheiden Minuten über Leben oder Tod.

Nicht nur Unfallmeldungen oder Notrufe landen in der „EZ“, wie die Einsatzzentrale im Polizeijargon heißt. Auch die automatischen Überwachungsanlagen der Banken schlagen hier Alarm. „Erst letzte Woche gab es eine solche Alarmierung“, erzählt Polizeihauptmeister Stefan Riedl. „Als die Streifenwagen eintrafen, machten die Arbeiter gerade Brotzeit.“ Man hatte schlicht vergessen, die Alarmanlage während laufender Umbauarbeiten abzustellen. Doch das kann in der EZ niemand wissen, wenn der Alarm losgeht. Der anlaufende Großeinsatz wurde abgeblasen.

Riedl ist seit der Einführung der Einsatzzentrale im November 2009 mit an Bord. Wenn er von seinem Arbeitsalltag erzählt, bekommt man einen Eindruck, was hinter den nackten Zahlen steht: „Silvester hatten wir zwischen 24 und 1 Uhr 182 Notrufe.“ Auch bei Unwettern mit Überschwemmungen oder während der unfallträchtigen Wochenenden in der Hauptreisezeit stehen in der EZ die Telefone nicht mehr still.

Das Wichtigste an seinem Job? Das Multitasking, sagt Riedl. Trotz der Hektik und den manchmal zahlreichen Einsätzen, die parallel abgearbeitet werden müssen, dürfe man nie den Überblick verlieren. Nicht immer einfach ist auch der Umgang mit den menschlichen Schicksalen. „Ich hatte eine Mutter an der Leitung, die uns den Tod ihres Sohnes gemeldet hat. Das vergisst man nicht“, meint Riedl. Einen weitverbreiteten Irrtum klärt der Polizeihauptmeister ebenfalls auf: „Die Rufnummerunterdrückung funktioniert bei der 110 nicht.“ Vermeintliche Spaßvögel sollten sich vorsehen: Der Missbrauch einer Notrufnummer ist ein Straftatbestand. Es droht bis zu ein Jahr Gefängnis.

Klaus Kuhn (Oberbayerisches Volksblatt)

Quelle: rosenheim24.de

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