Heute gibt es Zwischenzeugnisse

München - Die bayerischen Schüler bekommen heute ihr Zwischenzeugnis. Während Pädagogen zur Besonnenheit aufrufen, streiten sich Politiker über das Sitzenbleiben:

Auch dann sollten Eltern ihren Kindern zur Seite stehen und das Gespräch mit den Lehrern suchen, lautet die Empfehlung von Bayerns Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU). Auch wenig erfreuliche Bewertungen seien kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken oder aufzugeben. Die Viertklässler an den Grundschulen und die angehenden Abiturienten haben ihre Leistungsberichte nach Angaben des Ministeriums schon früher bekommen, damit ihnen bis zum Übertrittszeugnis oder dem Abitur ausreichend Reaktionszeit bleibt.

dpa

Prominente Sitzenbleiber

Prominente Sitzenbleiber

Meldung von MdL Maria Noichl (SPD):

Rund 1,8 Millionen bayerische Schülerinnen und Schüler haben ihre Zwischenzeugnisse. Für viele Kinder Grund zur Freude! Gratulation. Für viele Kinder und ihre Familien aber ein schwarzer Freitag. „Kinder aller Altersgruppen fühlen sich als Versager, wenn das Vorrücken in die nächste Klasse gefährdet ist“, so SPD-Landtagsabgeordnete Maria Noichl, die selbst 15 Jahre lang an Grund- und Hauptschulen unterrichtet hat. Viele Familien versuchen mit teuren Nachhilfestunden die Förderung anzubieten, die in der Schule aufgrund der Stundenbegrenztheit nicht gegeben werden kann.

Maria Noichl und Martin Güll.

Die SPD-Landtagsfraktion fordert deshalb am Tag vor dem Zwischenzeugnis in einem aktuellen Dringlichkeitsantrag die Abschaffung des Sitzenbleibens: Die Staatsregierung wird aufgefordert, das Wiederholen einer kompletten Klasse in allen Schularten durch geeignete pädagogische Maßnahmen und individuelle Förderung der Schülerinnen und Schüler in den Lernfeldern, in denen sie Schwächen haben, überflüssig zu machen. Allen ist klar, dass Sitzenbleiben nicht nur pädagogisch unsinnig, sondern auch teuer ist.

Die SPD-Landtagsfraktion wolle aber mit ihrem Vorstoß nicht sparen, sondern die rund 270 Millionen Euro pro Jahr in die individuelle Förderung der Schüler und Schülerinnen investieren. Rechnerisch stünden dafür 125.000 Lehrerstunden zur Verfügung. „Das sollten uns unsere Kinder wert sein! Wir fordern daher mit unserem Dringlichkeitsantrag die Staatsregierung auf, diese individuelle Förderung zu organisieren, damit Sitzenbleiben überflüssig wird“, sagte Martin Güll, der Vorsitzende des Bildungsausschusses am Rednerpult.

Die 2009 vorgestellte Studie „Klassenwiederholung – teuer und unwirksam“ im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung weist nach, dass das Sitzenbleiben keine nennenswerten Effekte für die Verbesserung der Leistungen des Wiederholungsschülers bringt und daher Klassenwiederholungen als unwirksame Maßnahme einzustufen sei.

Maria Noichl bringt es noch einmal auf den Punkt: „Kinder die heute auf ein Sitzenbleiben zusteuern brauchen zusätzliche Förderung in der Schule und nicht einen flapsigen Trost, … du kannst das Jahr ja noch einmal machen….“

Pressemeldung MdL Maria Noichl

Meldung von MdL Klaus Steiner (CSU):

Der Landtagsabgeordnete Klaus Steiner hat die Forderungen von SPD und Grünen nach Abschaffung des Sitzenbleibens scharf kritisiert. „Dann können wir auch gleich die Noten und Zeugnisse abschaffen“, so Steiner, der Mitglied des Bildungsausschusses ist.

Die SPD-Fraktion hatte in der gestrigen Plenarsitzung des Landtags eine aktuelle Stunde zu dem Thema beantragt, nachdem ihr Spitzenkandidat Christian Ude zuvor öffentlich den Sinn des Sitzenbleibens in Frage gestellt hatte. „Dass jemand wegen schlechter Noten in zwei Fächern durchfällt, gibt es doch schon lange nicht mehr“, erklärt Steiner und verweist auf die Möglichkeiten der Nachprüfung und des Vorrückens auf Probe. Wenn es aber gleich in vier, fünf Fächern hapere, sei das Wiederholen auch notwendig: „Die Lücken sind dann einfach zu groß, das kann man nicht in den Ferien nachholen.“

Steiner sieht die Gefahr, dass SPD und Grüne ihren „bildungspolitischen Irrweg“ nach der Landtagswahl mit Hilfe der Freien Wähler in die Tat umsetzten und in Bayern nicht nur das Sitzenbleiben abschaffen, sondern auch die Gesamtschule einführen. „Das hätte automatisch das Aus für Real-, Mittel,- und Wirtschaftsschulen zur Folge, auch bei uns im Landkreis Traunstein. Beim Gymnasium reden wir dann von einem G 4 oder G 5“, so Steiner.

Pressemeldung Büro MdL Klaus Steiner

Quelle: rosenheim24.de

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