Hier gehen Prinzenpaare in die Luft

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Die Prinzenpaare am Nürnberger Flughafen

Nürnberg - Auch froh gelaunte Narren gehen mal in die Luft: Auf Einladung der Nürnberger Luftflotte des Prinzen Karneval sind am Sonntag rund 30 Prinzenpaare aus der Region über ihr Hoheitsgebiet geflogen.

Es ist eine Kuriosität in der an Kuriositäten reichen Fastnachtsszene: der Nürnberger Prinzenflug. Jedes Jahr wimmelt der größte fränkische Flughafen plötzlich von Prinzessinnen in farbenfrohen Gewändern und Prinzen mit federgeschmückten Narrenkappen, umrahmt von Hofmarschallen und Gardemädchen. Vor den Augen überraschter Reisender, die oftmals auf dem Rückweg von der derzeit laufenden Spielwarenmesse in ihre Heimatländer sind, steigen am Sonntag rund 30 Prinzenpaare auf dem Rollfeld in eine Maschine - und heben ab zu einem Rundflug über ihr Hoheitsgebiet.

Zurück geht diese Tradition auf das Jahr 1957, als die von sechs Privatpiloten gegründete Nürnberger Luftflotte des Prinzen Karneval zum ersten Mal mit einem Prinzenpaar abhob. Allerdings musste der damalige Vize-Präsident der nach eigenen Angaben einzigen fliegenden Karnevalsgesellschaft Europas noch zweimal in die Luft gehen: Seine Maschine bot nur Platz für einen einzigen Fluggast, das Nürnberger Prinzenpaar musste daher nacheinander fliegen. Heute sind Regenten aus allen drei fränkischen Regierungsbezirken dabei und auch aus Schwaben, der Oberpfalz und sogar aus Hannover - und füllen problemlos eine normale Verkehrsmaschine mit 76 Plätzen.

Doch bevor sie an Bord dürfen, wird selbst der närrische Adel vom Sicherheitspersonal gründlich durchsucht. Zepter gelten als waffentaugliche Gegenstände und müssen zurückbleiben, Hüte und Perücken werden sorgfältig abgetastet. Der Pilot hingegen kündigt standesgemäß ein besonderes Kunststück an: „Gut festhalten! Wir probieren jetzt mal die Prinzenrolle!“ Statt einer Drehung belässt es sein Co-Pilot zum Glück dann aber doch dabei, als Gruß an die Untertanen der Hoheiten kräftig mit den Flügeln zu wackeln.

Den Narren freilich ist das noch nicht genug. Sie fangen an zu schunkeln - für die Piloten ist das durchaus spürbar. Das weiß auch Luftflotten-Präsident Georg Renner und gibt klare Anweisungen: „Die erste Reihe schunkelt nach links, die zweite nach rechts, die dritte wieder nach links!“ So gleichen sich die Kräfte rasch aus.

Nach einer knappen Stunde ist der Rundflug zu Ende - und die Prinzenpaare sind begeistert, auch wenn viele von ihnen am Samstagabend noch bis in die Puppen auf ihren Sitzungen gefeiert haben und sie vor lauter Verpflichtungen oftmals nicht recht wissen, wo ihnen gerade der Kopf steht. „Es ist ein Highlight“, freut sich etwa Uwe I. aus Wilhermsdorf. Für ihn ist der Flug das „Zuckerle“ zwischen all den Terminen der kurzen, aber intensiven Kampagne.

Seine Prinzessin Katja I. ist nicht nur von der Aussicht über ihre Heimat begeistert, sondern auch von der familiären Atmosphäre unter den Narren. „Ich hätte nicht gedacht, dass man so schnell in Kontakt kommt.“ Um sie herum tauschen derweil gleich mehrere Prinzenpaare ihre Orden aus, auch die beiden Wilhermsdorfer sind schon schwer behängt. „Den ersten Bandscheibenvorfall hatte ich schon, den zweiten bekomme ich bestimmt bald“, witzelt Uwe I. über dieses Ritual unter Narren.

Damit auch die Öffentlichkeit etwas vom Prinzenflug hat, findet im Anschluss noch ein etwa dreistündiges Programm in der Abflughalle des Flughafens statt. Alle Prinzenpaare werden mitsamt ihrem Hofstaat begrüßt, Garden, Showtanzgruppen, Kindergruppen und sogar ein Männerballett treten auf - kräftig beklatscht von zahlreichen Nürnbergern, die extra deswegen zum Flughafen gekommen sind.

dpa

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