Hinterdupfing - Das Interview zum Film

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Das ist das komplette Hinterdupfing-Team (Bild in größerer Auflösung)

Landkreis - "Mit diesem Ansturm haben wir nie gerechnet", sagt Tanja Schmidbauer. Wir haben uns mit einer der Hauptverantwortlichen der Chiemgauer Komödie unterhalten.

"Als eine Gruppe Urlauber ungewollt in Hinterdupfing landet, beschließen die dortigen Einwohner den Tourismus im Dorf zu fördern – doch die Voraussetzungen dafür sind nicht optimal....". So beginnt die Geschichte des neuen Kinofilms "Hinterdupfing" der Filmproduktion Schmidbauer-Film.

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Inzwischen dürften die meisten Menschen von dem sympathischen Film, der von Chiemgauern im Chiemgau gedreht wurde, gehört haben. Wenig bekannt sind die Hintergründe zu Hinterdupfing - die Redaktion hat deswegen mit Tanja Schmidbauer, eine der Hauptverantwortlichen des Filmes - dazu interviewt.

Im Gespräch erklärt sie, wie die Idee zu dem "Heimatfilm" entstanden ist, wie die erste Woche nach dem Kinostart verlaufen ist und warum Augsburg als Sprachrichtlinie für den Rest von Bayern gilt. 

Wie kam die Idee zu "Hinterdupfing"?

Tanja Schmidbauer: "Wir drehen ja schon seit 2003 Filme. 2010 wurde dann der Film "Herrschaftszeiten" produziert - der kam bei den Zuschauern sehr gut an, vor allem natürlich wegen dem regionalen Bezug. Als nächstes hatten wir eigentlich einen Film aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs angedacht. Aber das Feedback kam schnell, die Leute wollten etwas bayerisches, etwas Regionales. 

Andi Obermeier hatte dann die Idee zu "Hinterdupfing", gut, eigentlich hatte er sie schon kurz nach Herrschaftszeiten, aber es hat eine Weile gedauert bis wir uns alle mit dem Projekt anfreunden konnten. 2013 haben wir uns dann tatsächlich mal alle zusammengesetzt und die Ideen zusammen mit Andi weitergesponnen. Von Februar bis Mai haben wir uns wöchentlich getroffen, immer weiter an dem Projekt gefeilt und an dem Drehbuch geschrieben. "

Woher hattet ihr die finanziellen Ressourcen für die Produktion?

TS: "Naja, Geld hat nie wirklich eine Rolle gespielt. Wir haben gottseidank viel Unterstützung von außen erfahren. Viele, die "Herrschaftszeiten" miterlebt haben, haben auch diesmal nicht gezögert uns Drehorte anzubieten. Also mussten wir dafür schon mal sehr selten zahlen. Wir können auch nicht sagen wie viel der Film tatsächlich gekostet hat - wahrscheinlich fast gar nichts.

Team: v.l. Maurice Back, Andreas Schmidbauer, Mike Hager, Tanja Schmidbauer, Max Josef Resch, Christoph Obermair, Andreas Obermeier, Thomas Schmidbauer, Maximilian Schaffner (Bild in größerer Auflösung)

Wir haben für unsere Finanzierung teilweise Einnahmen vom DVD-Verkauf vorhergehender Filme genutzt, aber alles andere war, so weit wie möglich, nicht mit Kosten verbunden. Unsere Schauspieler zum Beispiel arbeiten alle unentgeltlich. Klar gab es hier und da mal ein Catering am Set zur Verpflegung der Darsteller. Aber auch eine Johanna Bittenbinderhat sich das Drehbuch durchgelesen, Gefallen dran gefunden und gesagt: Klar, dabei unterstütz ich Euch."

Lässt sich mit Hinterdupfing vielleicht sogar Geld verdienen?

TS: "Hm, das wissen wir nicht und das ist auch nicht wichtig. Wir lassen das einfach auf uns zukommen. Wir haben den Film auch nie wegen dem Geld gedreht, sondern aus Spaß an der Sache. Es geht darum Leute zu begeistern, Finanzielles spielt dabei eine völlig untergeordnete Rolle."

Wie war denn die Zusammenarbeit mit den Menschen, die euch ihr Grundstück zum Drehen zur Verfügung gestellt haben? Da war man ja viel auf Kulanz angewiesen oder?

TS: "Wie gesagt, manche Leute kannten wir von unseren letzten Projekten, bei manchen Häusern sind wir vorbei gefahren und dachten uns: "Hey, das ist ja süß, das wäre ein guter Drehort, ". Und ja, wir haben dann einfach nett gefragt und meistens ging es ohne Probleme."

Wo in der Region wurde "Hinterdupfing" denn abgedreht?

TS: "Vor allem im Priener und Breitbrunner Bereich. Aber auch kleine Drehs in Rimsting, Höslwang und Seeon waren dabei. Aber "Hinterdupfing" ist einfach überall - von allen diesen Orten ist ein bisschen was im Film verewigt."

Wie viele Leute waren an dem Dreh beteiligt?

TS: "Insgesamt waren es bestimmt gut 100 Leute, wenn dann mal eine Partyszene gedreht wurde waren auch viele Komparsen dabei. Das Kern-Team selbst bestand aus acht Leute, mit allen Hauptdarstellern waren es dann gut 20 Leute."

Premiere des Kinofilms "Hinterdupfing" in Prien

Ok, genug von der Produktion und hin zum aktuellen Geschehen. Der Film ist jetzt gerade angelaufen - wie ist das erste Feedback?

TS: "Sehr gut (lacht)! Am 3. Mai war ja die Team-Premiere und am 8. Mai war der Bundesstart. Zuerst wussten wir nicht, wie der Film wirklich ankommt, da wir bei den ersten inoffiziellen Premieren nur Freunde, Verwandte und Bekannte zu Gast hatten und die haben natürlich alle gesagt, dass es super war!

Der erste wirkliche Test war dann die Vorpremiere in Landau - dort kannte uns ja wirklich niemand. Wir wussten, wenn der Film vorbei ist und die Leute lachend aus dem Kino kommen - dann haben wir etwas richtig gemacht. Und glücklicherweise war es genau so. Seit Donnerstag läuft der Film jetzt in 15 Kinos.

Ganz wichtig war für uns auch die Premiere in Augsburg, was für uns ja schon fast Schwaben ist, soll heißen dass dort vielleicht schon eine gewisse Sprachbarriere vorhanden ist. Die Vorgabe war klar: Wenn es dort 'sprachlich' klappt, dann müssen wir uns um den Rest von Bayern keine große Sorgen machen. Der Abend war gottseidank ein voller Erfolg.

Wahnsinn ist ja, was derzeit in Prien abgeht. Da ist der Ansturm riesig! Ich glaube der Film sollte eigentlich nur zwei mal am Tag laufen. Aber wegen der großen Nachfrage läuft der Film am Wochenende jetzt wohl bis zu sechs Mal pro Tag. Ich glaube damit können wir ziemlich zufrieden sein. Und, was uns sehr überrascht hat, war dass wir in den Wochenend-Charts auf Platz Drei gelandet sind."

Wochenend-Charts? Das heißt in Bayern oder?

TS: "Nein, in Deutschland! Das muss man ein bisschen unterscheiden. In diesen Charts werden die vorhandenen Kopien des Films auf die Zuschauerzahlen umgerechnet. Wir haben ja nur 22 Kopien während große Filme vielleicht 500 Kopien haben. Das verfälscht das Ergebnis natürlich etwas, aber trotzdem: im bundesweiten Durchschnitt waren wir am Wochenende sind wir auf Platz Drei!"

Herzlichen Glückwunsch dazu! Man kann also sagen, dass ihr mit dem Ergebnis sehr zufrieden seid?

TS: "Oh ja, unsere Erwartungen wurden vollkommen übertroffen. Im Gegenteil, wir kommen kaum noch hinterher. Wir haben das so ja überhaupt nicht geplant, wollten eigentlich nur Schritt für Schritt gehen, einen Landkreis nach dem anderen. Jetzt kommen aber Anfragen über ganz Bayern verteilt, also sind wir mehr als zufrieden. Wir haben zwar auf einen kleinen Erfolg gehofft, aber damit konnte keiner rechnen."

Werden jetzt noch mehr Spieltermine und Orte hinzukommen?

TS: "Ja, auf jeden Fall. Zu den ersten 15 Kinos kommen ab nächsten Donnerstag weitere 40 hinzu. Wir haben auch schon weitere Kinos die uns für die folgende Woche zugesagt haben. Es kommen also jede Woche neue Termine hinzu. Am Montag, wenn die Kinos ihre Planung machen, klingelt seitdem unser Telefon Non-Stop. Auch über unsere Facebook-Seite kommen Anfragen aus Ortschaften, von denen wir noch nie gehört haben. Es wird also noch einiges mehr werden."

Wäre es denn möglich, dass Hinterdupfing auch über die bayerischen Grenzen hinaus die Kinos erobert?

TS: "Naja, es kommen schon Anfragen von Kinos außerhalb Bayerns. Wir wissen aber nicht, ob das überhaupt sinnvoll ist. Erstens müsste der Film wahrscheinlich untertitelt werden (lacht). Außerdem, wir glauben dass der Film gerade deswegen so gut funktioniert, weil er diesen regionalen Bezug hat.

Jeder, der aus dieser Gegend stammt, kann sich mit dem Film auf irgend eine Art und Weise identifizieren, weil man die Region, die Eigenarten und die mit dem Landleben verbundenen Klischees kennt. Ob jetzt jemand in Berlin den Bezug dazu herstellen kann - das bezweifeln wir.

Lieber konzentrieren wir uns auf Bayern und machen des, was wir kennen und können. Wenn alles gut läuft, werden zum Ende des Jahres auch DVD´s produziert. Die können sich dann interessierte Menschen, die nicht aus Bayern kommen zulegen. Wir glauben aber, dass das nur Einzelfälle wären."

Gibt es schon Überlegungen zu einem zweiten Teil?

TS: "Nein, überhaupt nicht. Wir sind mit "Hinterdupfing" dermaßen eingespannt - den ganzen Tag klingelt das Telefon, Emails kommen rein, etc. - dass wir überhaupt keine Zeit für Gedanken dieser Art haben. Wir wollen den aktuellen Film wirken lassen und uns auch ausreichend damit beschäftigen. Da hängen wir uns auch richtig rein!"

Vielen Dank für das Interview und weiterhin viel Erfolg!

sst

Quelle: rosenheim24.de

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