Fahrgäste müssen wegen unsinniger Regelung doppelt zahlen

Tricksen Meridian und MVV ihre Fahrgäste aus?

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Holzkirchen/München - Aufgrund einer Regelung zu Ungunsten der Fahrgäste müssen diese doppelt zahlen, wenn der Zug auf der Strecke Rosenheim-München in Aßling nicht hält. Der Fahrgastverband Pro Bahn sieht nur eine Lösung.

"Bei einer Bewertung mit Schulnoten von 1 bis 6 würden Sie von uns eine 6 minus bekommen, aber nur, weil es eine 7 nicht gibt" - mit diesen Worten fasst ein Fahrgast seinen Unmut zusammen. Anlass ist folgendes Problem: "Wir haben eine Meridian-Monatsfahrkarte von Flintsbach nach Aßling und von dort eine MVV-Monatsfahrkarte für den Großraum München", erklärt der Fahrgast, der sich an unsere Redaktion gewandt hat. "Aßling ist deshalb gewählt, weil ab dort der MVV-Bereich beginnt. Nun gibt es aber die unsinnige Regelung, dass der Zug unbedingt in Aßling halten muss, da sonst diese Fahrkartenkombination ungültig ist."

Der Frust ist groß. Zumal das Problem nicht zum ersten Mal auftritt und die Fahrgäste sich schlichtweg alleine gelassen fühlen. "Da sie aufgrund einer DB-Baustelle für anderthalb Monate nicht in Aßling halten können, erklären sie diese Fahrkartenkombination für ungültig und verlangen den Neukauf einer teureren Monatsfahrkarte bis Grafing. Aber was können wir Kunden dafür, dass sie in Aßling nicht halten können? Und mit welcher Berechtigung erklären sie einfach Fahrkarten für ungültig?"

Fahrgäste sollen laut Meridian Ersatzverkehr nutzen

Das Problem: Für Fahrgäste, die ihre Tickets nach beziehungsweise von München aus beiden Bereichen zusammenstellen, bleibt Aßling als MVV-Grenze bestehen. "Will der Kunde beispielsweise von Rosenheim nach München, hat von Rosenheim bis Aßling ein DB-Tarif-Ticket und stückelt ab Aßling mit MVV, dann muss der Zug auch in Aßling halten", erklärt Fabian Amini, technischer Geschäftsführer beim Meridian. "Hält der Zug nur in Grafing, dann ist hier ein zusätzlicher Fahrschein notwendig, da Aßling die MVV-Grenze bleibt."

Es bestehe jedoch ein Schienenersatzverkehr mit Bussen zwischen Grafing und Rosenheim. "Den Kunden wird somit ein Ersatzverkehrsmittel ohne Mehrkosten auf der Baustellenrelation zur Verfügung gestellt, denn bei der Nutzung dieses Schienenersatzverkehrs gilt auch der bisher genutzte gestückelte Fahrkartenkauf", erklärt er.

Regelung gilt im gesamten MVV-Gebiet

Allerdings dauert die Fahrt dann mitunter auch länger als mit dem Zug. "Bei einem Schienenersatzverkehr ergeben sich geänderte Fahrzeiten und die Busse oder Züge fahren früher ab oder kommen später an. Die Fahrzeit kann sich verlängern", erklärt Martin Schenck, Justiziar und Stabsstellenleiter bei der Münchner Verkehrs- und Tarifverbund GmbH (MVV).

Und: "Falls Kunden im MVV aus Zeitgründen zum Beispiel die schnellere Relation ohne Halt in Aßling nutzen möchten, um den Schienenersatzverkehr zu vermeiden, gilt der Grundsatz, dass es sich hierbei um einen individuellen Wunsch handelt, bei dem eventuell Mehrkosten von der betreffenden Person getragen werden müssen. Das gilt im gesamten MVV-Gebiet."

Doch wieso gibt es diese kundenunfreundliche Regelung überhaupt? "Die oben genannte Regelung wurde auf Wunsch der Schienenverkehrsunternehmen in den MVV-Gemeinschaftstarif zum 13. Dezember 2009 aufgenommen", erklärt Martin Schenck weiter. " Sicherlich wäre es deutlich kundenfreundlicher, wenn jeder Bahnhof für eine gebrochene Abfertigung frei wählbar wäre und an keine Zusatzbedingung - wie derzeit nur bei Zughalt - gebunden wäre."

MVV würde im Sinne der Kunden entscheiden

Folglich prallen verschiedene Interessen aufeinander. Würde diese Regelung wegfallen, würde sich für bestimmte Kunden der Fahrpreis reduzieren. "Problematisch ist jedoch, dass sich mit einer flexiblen gebrochenen Abfertigung bei den Schienenverkehrsunternehmen deren Einnahmensituation verschlechtern würde", erklärt Martin Schenck. "Aufgrund der im SPNV bestehenden sogenannten Nettoverträge mit der Bayerischen Eisenbahngesellschaft BEG tragen diese Unternehmen das Einnahmenrisiko und sind daher verständlicherweise mit einer Tarifregelung zu deren Lasten nicht einverstanden beziehungsweise nur dann bereit, eine Änderung mitzutragen, wenn ihnen die dadurch entstehenden Mindereinnahmen ausgeglichen werden."

Unabhängig von der geschilderten Regelung könnten die Verkehrsunternehmen bei Baumaßnahmen oder anderen Sondersituationen durchaus Ausnahmen im Sinne der Kunden machen. " Die MVV GmbH würde einer derartigen kundendienstlichen Regelung im Sinne der Kunden nicht widersprechen ", sagt Martin Schenck. "Die Entscheidung liegt beim jeweiligen Verkehrsunternehmen, in diesem Fall dem Meridian."

Politiker könnten etwas ändern

Dem Fahrgastverband Pro Bahn ist das Problem bereits seit Längerem bekannt. "Die Unternehmen gehen aus wirtschaftlicher Sicht vor und die Politiker, die etwas an dieser Ungerechtigkeit ändern könnten, sehen das nicht als Thema", erklärt Sprecher Andreas Barth. Er rät allen betroffenen Fahrgästen, sich an den Abgeordneten im jeweiligen Wahlkreis zu wenden. "Das ist die einzige Lösung, die wir sehen, damit sich endlich etwas ändert", sagt er.

ksl

Quelle: rosenheim24.de

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