Rosenheim

Viel Lob für Modellklassen

+
Staatssekretär Marcel Huber vor den Schülern

Die einen überspringen einfach ein Schuljahr, die anderen hängen zwei Jahre dran: Von neuen Modellklassen, die es derzeit nur in Rosenheim gibt, machte sich jetzt Staatssekretär Marcel Huber ein Bild.

Während die zwei Talentklassen der städtischen Mädchenrealschule direkt von der sechsten in die achte Jahrgangsstufe vorrücken, drückt die "9+2-Klasse" an der Hauptschule in Rosenheim-Aising zwei Jahre länger die Schulbank. Bei Hubers Besuch gab es viel Lob, aber auch Kritik von einigen Eltern und Lehrern.


Vor zwei Jahren gab es grünes Licht für Bayerns erste "Talentklasse" an der städtischen Mädchenrealschule in Rosenheim. Eine positive Bilanz zogen jetzt Schulleiterin Vera Nowack und Ministerialbeauftragter Peter Peltzer. Von Notendurchschnitten einer "guten Zwei" berichtete der Klassenleiter einer "T-Klasse". "Befriedigend" und "ausreichend" seien Ausnahmen.

Das Erfolgsrezept: Weil alle guten Schüler in einer Gruppe zusammenbleiben, sei die Motivation, in der weiteren Schullaufbahn erfolgreich zu bleiben, äußerst groß. Nach Angaben von Peltzer wollen alle "Einserschülerinnen" nach ihrem Realschulabschluss sogar an die Fachoberschule wechseln und die Fachhochschulreife erwerben.


Von einigen Eltern und Lehrern gab es Kritik: Die geistige Entwicklung sei bei einigen Mädchen noch nicht so weit wie bei denen, die ein Jahr älter sind. "Die Arbeitgeber wollen gar nicht so junge Schulabgängerinnen", mahnte eine Mutter. Ein Lehrer bemängelte: Da die Schülerinnen der "T-Klassen" mehr Stoff in kürzerer Zeit durchnehmen müssen, blieben ergänzende Projekte auf der Strecke. "Uns fehlt dafür einfach die Zeit", sagte er.

Kritik von Wirtschaftsschulen

Der Staatssekretär machte sich auch an der Hauptschule in Rosenheim-Aising ein Bild vom Modellversuch "9+2". Hier gehen nach der 9. Klasse die Jugendlichen für weitere zwei Jahre zur Schule, um so am Ende der 11. Klasse die mittlere Reife zu erwerben. Im Mittelpunkt der zusätzlichen Zeit stehe die Berufsorientierung und die Vermittlung von mehr Wirtschaftskompetenz, so Klassenleiter Herbert Unterreiner.

Deshalb hagelte es zur Einführung des Modells Kritik von den Wirtschaftsschulen. Diese sei nicht berechtigt, hieß es jetzt. Schließlich spreche die Hauptschule im Gegensatz zur Wirtschaftsschule vorwiegend Jugendliche an, die eine Ausbildung im handwerklichen Bereich anstreben, so Unterreiner. Problematisch sahen einige Besucher die Belastung für den Klassenleiter der "9+2-Klasse". Der müsse als "erster Ansprechpartner" viele Aufgaben übernehmen, um die sich in einer Realschule die einzelnen Fachlehrer kümmern.

Aber gerade dies sei nach Meinung einiger Schüler ein großer Vorteil. Sie kritisierten den häufigen Lehrerwechsel an weiterführenden Schulen. Ob und wann es diese Versuchsmodelle flächendeckend in Bayern geben soll, steht laut Staatssekretär Huber derzeit noch nicht fest. "Wir prüfen die Durchführbarkeit", sagte er. Dass es aufgrund der vielen Möglichkeiten schwieriger wird, die richtige Schullaufbahn für ein Kind zu treffen, bestritt Huber nicht. Er sagte: "Wir wollen den jungen Leuten mehr Möglichkeiten bieten." ma

Quelle: rosenheim24.de

Kommentare