"Ich schließe mich dem Staatsanwalt an"

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Weil alle Ermahnungen nicht halfen, droht dem 22-Jährigen beim nächsten Mal eine Jugendstrafe.

Rosenheim – Seit drei Jahren hat der nunmehr 22-jährige Rosenheimer Arbeiter immer wieder gegen das Gesetz verstoßen. Immer wieder wurde er deshalb zum Jugendrichter zitiert.

Weil alle Ermahnungen nicht halfen, drohte ihm Richter Herbert Schäfert an, beim nächsten Mal eine Jugendstrafe auszusprechen. Dann nämlich stehe fest, dass er nur mit einer Jugendhaft zu läutern sei. Nun war es soweit.

Zwar ist der junge Mann inzwischen über 21 Jahre alt, aber die Vergehen stammen alle aus der Zeit davor. Sein Bewährungshelfer hatte allerdings nur Erfreuliches über ihn zu berichten. Er sei nunmehr durchgängig berufstätig, in der Arbeitsstelle sehr geschätzt, allen Auflagen und Verpflichtungen sei er pünktlich und umfassend nachgekommen, von seiner Seite gäbe es nur Positives zu berichten. Umso erstaunter war er, dass sein Klient nun schon wieder negativ aufgefallen war. Frühmorgens hatte dieser nach einem ausgiebigen Discobesuch Polizeibeamte beleidigt, was sie naturgemäß zur Anzeige bringen.

Wegen der zweifach offenen Bewährung schien eine Vollzugsstrafe nun unabwendbar. Der Staatsanwalt erklärte, dass das Maß nunmehr voll sei und er eine Jugendstrafe von sieben Monaten beantrage. Große Erleichterung machte sich auf dem Gesicht des Angeklagten breit, als der Staatsanwalt anfügte, er fände es jedoch unverhältnismäßig, wenn der Angeklagte jetzt wegen eines einzigen Schimpfwortes - er hatte die Beamten "Wichser" genannt - eine mehrmonatige Haftstrafe antreten müsse. Er beantragte deshalb die Strafe ein letztes Mal noch zur Bewährung auszusetzen.

Der junge Mann, nach seiner Verteidigungsrede befragt, stammelte nur: "Ich schließe mich dem Staatsanwalt an!" - eine Argumentation, die dieser von Angeklagten wohl nur selten zu hören bekommt. Richter Schäfert fällte schmunzelnd sein Urteil dementsprechend.

au/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

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