„Das ist eine Betrugsmasche“

Illegale Ping-Anrufe im Berchtesgadener Land und Traunstein 

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Anruf in Abwesenheit. Man sollte diese Nummer besser nicht zurückrufen.

Berchtesgadener Land / Traunstein – Das Telefon klingelt. Die Nummer: sichtbar, aber unbekannt. Einmal läutet es. Dann ist der Anruf wieder beendet. Wer zurückruft, den erwarten teils hohe Kosten. Bei den Cybercrime-Spezialisten der Kriminalpolizei Traunstein ist das Problem bekannt. 

Rund um den Jahreswechsel machten Hunderttausende in Deutschland mit Ping-Anrufen Bekanntschaft. Auch im Berchtesgadener Land und Traunstein kennt man das Problem. Das sind A nrufe, die meist aus weit entfernten Ländern stammen und allein darauf abzielen, Kosten zu verursachen, indem der Angerufene die ihm fremde Nummer zurückruft. 

Ping-Anrufe - „Das ist eine Betrugsmasche“

Oft ähneln sich die internationalen Vorwahlen mit deutschen. So lautet Liberias Vorwahl etwa „00231“, die von Dortmund scheint auf den ersten Blick ähnlich: „0231“. Wer die fernen Nummern wählt, landet meist in einer Warteschleife, wird vertröstet: „Bitte warten Sie noch einen kurzen Moment, ehe Sie weiterverbunden werden.“, heißt es dann schon mal auf Deutsch. Die Vorgehensweise hat System. Den Cybercrime-Spezialisten in Traunstein sind die Ping-Anrufe durchaus ein Begriff. „Das ist eine Betrugsmasche“, heißt es von dort. 

Ob Bandansage, vermeintliches Gewinnspiel, verpasste Paketsendung oder ein bloßes Knacksen in der Leitung – Ping-Anrufe können vielfältig sein. Das Ziel der Betrüger läuft aber immer auf dasselbe hinaus: dem Kunden die Euros aus der Tasche zu ziehen. Mehrere Euros kosten die Anrufe pro Minute. Wer der Ansage der Warteschleife folgt und brav abwartet, dessen Telefonkosten schießen schnell in die Höhe. Bei den Cybercrime-Spezialisten in Traunstein rät man, „nicht blindlings eine Nummer zurückzurufen.“ 

Mit der nötigen Vorsicht lassen sich die Anrufe erkennen

Wer genau hinsieht, erkennt schnell, dass eine Nummer aus dem Ausland stammt. „Wieso sollte man da zurückrufen“, sagt die Dame, die ihren Namen nicht veröffentlicht haben will. Vor allem seit Oktober ist die Zahl der Ping-Anrufe in gewaltige Höhen geschossen. 

Die zuständige Bundesnetzagentur wurde von diesem Zeitpunkt an mit Beschwerden überhäuft. Im November gingen dort allein 20.000 Anzeigen sogenannter Ping-Anrufe ein. Zwischen Januar und September waren es insgesamt 15000. 

Berchtesgadener Land und Traunstein betroffen

Auch im Berchtesgadener Land und Traunstein ist das Thema nicht von der Hand zu weisen, sagt die Spezialistin, „die Betroffenen wenden sich aber meist direkt an die Bundesnetzagentur.“ In der Tat werden dort alle gemeldeten Ping-Rufnummern aufgelistet. Über ein Beschwerdeformular lassen sich die Nummern übermitteln, werden registriert, geprüft und zur Veröffentlichung freigegeben – um andere Betroffene zu warnen. 

Weil die Zahl der Anrufe stark gestiegen sind und damit das Problem in den letzten Monaten vermehrt registriert wurde, hat die Bundesnetzagentur nun reagiert. Zum einen dürfen Anrufe, deren Nummern in der Liste auftauchen, nicht mehr abgerechnet werden, zum anderen gibt es seit Mitte Januar Preisansagen. 

Die "klassischen" Ping-Anruf-Länder

Die Telefondienstanbieter müssen mit einer kostenlosen Ansage darauf hinweisen, wenn man einen Anruf in ein Land tätigt, das für Ping-Anrufe bekannt ist. Dazu zählen unter anderem Marokko, Burundi oder die Malediven, aber auch europäische Länder wie Albanien und Serbien. Wer dennoch anruft und verbunden wird, kann auflegen. Kosten fallen dann keine an. „Man sollte bei fremden Nummern grundsätzlich skeptisch bleiben“, sagt die Cybercrime-Spezialistin aus Traunstein. 

Kann man sein Geld zurück bekommen?

Wer bereits Bekanntschaft mit Ping-Anrufen gemacht hat und die Nummer gewählt hat, kann bei seiner Telefongesellschaft anrufen und – nach Abgleich der Nummer in der Liste der Bundesnetzagentur – darum bitten, den Betrag abziehen zu lassen, sofern die Rechnung noch nicht beglichen ist. 

Ping-Anrufe gibt es schon seit Langem: Bereits 2002 gab es vermehrte Meldungen in Japan über Fremdanrufe. Dort ist die Betrugsmasche als „Wangiri“ bekannt, was so viel bedeutet wie „Klingeln und wieder auflegen.“ Die Nummer beschaffen sich die Betrüger übrigens unter anderem im Darknet, jenem Schauplatz im Internet, auf dem vermehrt illegale Geschäfte betrieben werden. Dort werden Nummernpakete frei angeboten, technisch ist es im Folgenden kein Problem, diese „abzutelefonieren.“

Die Cybercrime-Spezialistin sagt, dass es „immer jemanden gibt, der zurückrufen wird.“ Wer allerdings die Augen offen halte und Skepsis walten lasse, der könne Ping- Anrufe getrost ignorieren.Bleibt es beim Anruf und erfolgt kein Rückruf, kommen schließlich keine Kosten auf den Verbraucher zu.

Kilian Pfeiffer

Quelle: BGland24.de

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