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Ein Hauch von Dschungelcamp

EU-Freigabe für Insekten in Lebensmitteln – Aiwanger ledert über Veganer und erntet Shitstorm

Bayerns stellvertretender Ministerpräsident zeigte sich skeptisch gegenüber der EU-Freigabe für Insekten in Lebensmitteln. (Symbolbild)
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Bayerns stellvertretender Ministerpräsident zeigte sich skeptisch gegenüber der EU-Freigabe für Insekten in Lebensmitteln. (Symbolbild)

Im RTL-Format „Ich bin ein Star – holt mich hier raus!“ gehört es schon immer dazu, dass Insekten gegessen werden. Jetzt könnten Grillen und Getreideschimmelkäfer schon bald in unseren Lebensmitteln landen – jedenfalls wenn es nach der EU geht. In diesen Tagen treten entsprechende Regeln in Kraft. Bayerns stellvertretender Ministerpräsident Hubert Aiwanger zeigte sich darüber nicht gerade begeistert und erntete nach einem Tweet prompt einen Shitstorm.

Brüssel/München – Bereits seit Jahrtausenden essen Menschen in einigen Teilen der Welt Insekten. In Europa hingegen waren sie in Nahrungsmitteln bislang allerdings eher selten anzutreffen – das soll sich nun ändern. Innerhalb der Europäischen Union (EU) dürfen zukünftig Hausgrillen und Larven des Getreideschimmelkäfers in Lebensmitteln verarbeitet werden.

Von Dienstag (24. Januar) an darf das vietnamesische Unternehmen Cricket One ein teilweise entfettetes Pulver aus der Hausgrille (Acheta domesticus) in der EU verteiben. Ab Donnerstag (26. Januar) gilt dies dann auch für Larven des Getreideschimmelkäfers (Alphitobius diapernius). Ähnliche Regelungen gab es zuletzt bereits für Wanderheuschrecken sowie Larven des Mehlkäfers.

Hubert Aiwanger erntet nach Veganer-Tweet Shitstorm

Während die Meinungen in der Bevölkerung zu den Insekten im Essen zwischen Neugier und Ekel schwanken, äußerte Bayerns stellvertretender Ministerpräsident Hubert Aiwanger (Freie Wähler) in einem Tweet seine Meinung. Innerhalb kürzester Zeit fanden sich Hunderte Kommentare anderer Nutzer unter dem Beitrag – es entwickelte sich ein regelrechter Shitstorm.

Wie der Politiker auf dem Kurznachrichtendienst schreibt, habe er es satt, dass Fleischverzehr von Rind, Schwein oder Geflügel kritisiert werde, aber Insekten ins Essen sollten. „Früher wurde ein Lebensmittelbetrieb bei Mehlwürmern und Schaben geschlossen, heute soll es ,in‘ sein, damit Veganer ihr tierisches Eiweiß bekommen“, schreibt Aiwanger. Seinen Tweet schließt er mit dem Hashtag „#GenussStattEkel“.

Innerhalb kürzester Zeit entbrannte ein wahres Kommentar-Feuerwerk unter dem Post. Satte 2876 Kommentare (Stand: 24. Januar, 10.30 Uhr) finden sich derzeit unter dem Ursprungs-Tweet des 51-Jährigen. Der Großteil davon befasst sich allerdings weniger mit der Entscheidung der Europäischen Union selbst, sondern vielmehr mit der Wortwahl des Politikers.

„Veganer*innen essen keine Insekten, Sie Held“

Die meisten Nutzer stören sich an Aiwangers Behauptung, dass die EU-Entscheidung darauf basieren würde, „damit Veganer ihr tierisches Eiweiß bekommen“. „Veganer*innen essen keine Insekten, Sie Held“, heißt es beispielsweise in einer Antwort eines Users, die bereits weit über 3000 Likes erhielt.

Der stellvertretende Ministerpräsident reagierte allerdings umgehend und schrieb: „Eventuell müssen die Insekten im Essen gar nicht deklariert werden und Sie essen sie ohne es zu wissen. Vielleicht wird das ja aus ,Fürsorge‘ gemacht, damit jeder genügend tierisches Eiweiß bekommt“, so Aiwanger am Samstag (21. Januar).

Klare Vorgaben der Europäischen Union

Inzwischen ist allerdings klar: Normal kann es nicht passieren, dass man Insekten isst, ohne es zu wissen – denn auf den Produkten müssen entsprechende Kennzeichnungen vorhanden sein. „Uns ist nicht bekannt, dass es irgendwie untergemischt wird“, sagte Lebensmittelchemiker Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg.

Die EU-Kommission stellt außerdem klar: „Jede und jeder kann selbst entscheiden, ob er oder sie Lebensmittel aus oder mit Insekten kauft oder nicht.“ Der Verordnung zufolge muss etwa in der Zutatenliste stehen: „Acheta domesticus (Hausgrille, Heimchen), gefroren“ oder „Pulver aus Larven von Alphitobuis diaperinus (Getreideschimmelkäfer)“. Valet fordert hingegen eine deutliche Kennzeichnung auf der Verpackung „und zwar gut verständlich für alle, zum Beispiel ,Kekse mit Insekten‘ oder ,Nudeln mit Insekten‘“.

Bislang kaum Lebensmittel mit Insekten in Deutschland erhältlich

Inwieweit sich die Insekten in Lebensmitteln bei uns durchsetzen werden, wird sich allerdings zeigen. Bisher sei das Angebot an Lebensmitteln mit Insekten „wirklich ein ganz, ganz kleiner Nischenmarkt“, erklärte Valet. Hierzulande sind aktuell nur wenige Produkte mit geringen Mengen an Insekten erhältlich – etwa Riegel oder Nudeln. Dass Insektenpulver in Kekse oder Mehl gemischt werde, liege „wirklich noch in weiter Ferne“, sagte der Lebensmittelexperte abschließend.

aic mit Material der dpa

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