Internet-Tipp führte Biker in den Tod

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Der Polizeihubschrauber Edelweiß 7 mit dem geborgenen Leichnam.

Schneizlreuth - 150 Meter stürzte ein Mountainbiker vor den Augen seiner Frau in die Tiefe. Das Paar war einer Empfehlung aus dem Netz gefolgt!

Ein 38-jähriger Mountainbiker ist am Montagnachmittag bei Inzell 150 Meter tief abgestürzt. Er konnte nur noch tot aus dem Bachbett der Vorderen Schwarzachen geborgen werden. Die Route hatte der Mann, der mit seiner Ehefrau unterwegs war, im Internet gefunden. Dort war der "Plattlinger Steig" als Geheimtipp angepriesen worden. Allerdings ist das Gelände laut Polizei für Mountainbiker vollkommen ungeeignet.

Tödlicher Mountainbike-Unfall bei Weißbach

Der Urlauber aus Pfaffenhofen a.d.Ilm war nach Angaben der zuständigen Ruhpoldinger Polizei zusammen mit seiner vier Jahre jüngeren Frau auf dem sogenannten "Plattlinger Steig" an der Südseite des Inzeller Kienbergs von Ruhpolding in Richtung Zwing unterwegs.

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Die beiden hatten dem Vernehmen nach die Route aufgrund einer Empfehlung eines einschlägigen Tourenführers im Internet entdeckt - ein "absoluter Missgriff", so die Polizei. In Wirklichkeit nämlich musste das Ehepaar hinter der Kaitlalm seine Räder meist schieben oder tragen. Von einer Umkehr sahen die beiden Biker ab, da das Ziel nicht mehr allzu weit schien.

Und dann geschah es: Der etwa 20 Meter vorausgehende Oberbayer trug sein Rad über eine abschüssige Felsrippe, seine Frau verlor ihn aus den Augen. Plötzlich hörte sie "ein Geräusch", wie die 34-Jährige es der Polizei schilderte, dann war ihr Mann wie vom Erdboden verschluckt. Per Handy setzte die Frau einen Notruf ab.

Die Bergwacht Inzell rückte mit zehn Mann an, seilte sich an der mutmaßlichen Absturzstelle ab. Ein Notarzt konnte nur noch den Tod des 38-Jährigen feststellen. Ein Polizeihubschrauber barg den Leichnam mit einer Winde.

Peter Spannring, der stellvertretende Bereitschaftsleiter der Bergwacht, der an der Bergung beteiligt war, sagte gestern gegenüber dem OVB, der zwei bis drei Kilometer lange "Plattlinger Steig" sei in keinster Weise für Mountainbiker geeignet, nicht einmal für geübte Mountainbiker. Nur geübte Bergwanderer sollten ihn begehen.

Steig nur 25 Zentimeter breit

Weil es in den vergangenen Jahren auf dieser Strecke immer wieder zu Unfällen gekommen sei, habe die Bergwacht in der Felswand oberhalb des Baches mehrere Bohrhaken mit Sicherungslaschen angebracht. Allerdings hätten Unbekannte diese Hilfen immer wieder abgeschraubt - aus welchen Gründen auch immer.

Die Mountainbikes des Ehepaares aus Pfaffenhofen a.d.Ilm.

Noch drastischer drückt sich Gabriele Nagl aus. Die Betreiberin des "Gasthofs Zwing", wo besagter Steig endet, nennt es eine "absolute Frechheit, die schmale Route im Internet für Mountainbiker auszuweisen. Sie selbst sei den schmalen Pfad schon häufig gegangen - allerding immer nur zu Fuß. Schließlich habe der Steig an der Felswand gerade mal eine Breite "von einem Viertel Meter". Wie man da noch vom Fahrrad absteigen will, ist der Wirtin unerklärlich.

Ein weiteres Kuriosum an der Stelle ist laut Nagl die Tatsache, dass ein Hinweisschild zwar darauf hinweise, dass der "Plattlinger Steig" nur für "geübte Fußgänger und Bergsteiger" geeignet sei. Nur: Dieses Schild steht - kommt der Wanderer aus Richtung Ruhpolding - erst am Ende des Weges.

Michael Thun (Oberbayerisches Volksblatt)

Quelle: BGland24.de

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