Internetbetrug: Wasserflasche statt Handy

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Sie schickten ihren Kunden Wasserflaschen statt Handys

Ingolstadt - Im Internet boten sie Handys an, ihren Kunden schickten sie Wasserflaschen. Zwei Betrüger sollen einen Schaden von über 50.000 Euro verursacht haben, ein getarnter Polizist überführte sie.

Wegen Internetbetrugs hat die Polizei zwei 20 und 22 Jahre alte Männer aus dem Raum Ingolstadt festgenommen. Sie sollen über Monate hinweg einen Schaden von mehr als 50 000 Euro verursacht haben, teilte die Polizei am Montag mit. Die Ermittlungen begannen bereits im September 2011, als bei der Polizei mehrere Anzeigen wegen Betruges bekannt wurden. Damals stellte sich heraus, dass die Täter mehrere Betrugsvarianten im Repertoire hatten und so wahlweise an Bargeld oder an begehrte Waren kamen.

Der damals noch unbekannte Täter inserierte hochwertige Mobiltelefone in einem Internetverkaufsportal. Die im gesamten Bundesgebiet ansässigen Käufer zahlten vorab den Kaufpreis und fanden in den danach an sie zugestellten Paketen lediglich jeweils eine gefüllte Wasserflasche.

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Der angebliche Absender und Verkäufer der Pakete aus Ingolstadt konnte bereits kurze Zeit später festgenommen und befragt werden. Er beteuerte jedoch vor den Beamten seine Unschuld und wurde nach Bewertung weiterer entlastender Beweise sofort wieder auf freien Fuß gesetzt. Der Täter hatte für die Betrugstaten im Internet dessen Personalien verwendet.

Die weiteren Recherchen zeigten sich zunächst schwierig, da dieses Internetphantom über umfangreiche Kenntnisse im Bereich der Computerkriminalität verfügen musste. Zudem wurden zahlreiche weitere neue Straftaten, nunmehr unter der Verwendung von Falschpersonalien nicht existierender Personen, bekannt. Die Zusammenhänge zwischen den einzelnen Taten konnten nur aufgrund umfangreicher Auswertungen dargestellt werden. Die Geldbeträge ließ man sich auf Onlinebankkonten überweisen, welche ebenfalls unter Falschpersonalien eröffnet worden waren.

Sie bezahlten mit fremden Geld

Weiterhin waren die Täter dazu übergegangen, selbst hochwertige Waren bei Onlinekaufhäusern unter Falschpersonalien zu bestellen und diese über Bankverbindungen Unbeteiligter zu bezahlen. Die Ware wurde an verschiedene, ständig wechselnde Adressen im Ingolstädter Pius-Viertel zugestellt. Sobald den Ermittlern eine Adresse bekannt war, wurde diese nicht mehr genutzt. In der Folge entwickelte sich ein Hase und Igel Spiel zwischen den Tätern und der Polizei.

Aus einer engen Zusammenarbeit zwischen der Polizei und dem Sicherheitsdienst der Deutschen Post resultierte schließlich der entscheidende Hinweis, der zur Festnahme bei der Paketübergabe führte. Der 20-jährige Haupttäter, der einen Wohnsitz in Ingolstadt hat, konnte am vergangenen Dienstag festgenommen werden, als er  mehrere Pakete mit wertvollem Inhalt entgegennehmen wollte. Der vermeintliche Paketbote war jedoch ein Kriminalbeamter, welcher seit Monaten gegen die Tatverdächtigen ermittelte. Kurze Zeit später erfolgte die Festnahme eines 22-jährigen Mittäters, der ebenfalls aus dem Raum Ingolstadt stammt.

Die Aufklärung des Falls wird dauern

Mittlerweile werden den Festgenommenen knapp 250 Strafanzeigen zur Last gelegt. Aufgrund erdrückender Beweislast legten diese mittlerweile umfangreiche Geständnisse ab. Die Aufarbeitung des Kriminalfalles wird noch Wochen in Anspruch nehmen, und der verursachte Schaden kann daher noch nicht abschließend bewertet werden, dürfte aber eine Grenze von 50.000 Euro weit überschreiten.

dpa

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