Ein Jahr Rauchverbot in Rosenheim

+
Die gemütliche Zigarette zum Feierabendbier ist zumindest am Tresen Geschichte. Raucher, die nicht auf ihr Laster verzichten wollen, müssen sich vor den Gaststätten zum Rauchen im Freien treffen.

Rosenheim - Seit August 2010 darf in Bayerns Gaststätten nicht mehr geraucht werden. Die Bilanz der Rosenheimer Wirte fällt nach einem Jahr unterschiedlich aus.

In den meisten Speiselokalen hat die neue Regelung kaum für Probleme gesorgt. Anders stellt sich die Lage in einigen Bars und Kneipen dar.

"Bei uns gab es von Anfang an keine Probleme", erzählt Toni Sket vom Wirtshaus "Zum Johann Auer". Selbst die Leute vom Stammtisch gehen nach seinen Worten anstandslos zum Rauchen ins Freie. "Natürlich haben sie anfangs noch öfter geschimpft. Aber nicht über mich als Wirt, sondern über die Politik", so Sket. Die Gäste seien durch das Rauchverbot nicht aus geblieben. Über 40 Jahre ist Sket bereits Wirt. "Mit dem Rauch hatte ich noch nie Probleme. Ich wurde damit nicht krank", sagt er. Trotzdem befürwortet er die Entscheidung zugunsten der Nichtraucher: "Das ist wohl für alle Menschen besser."

Auch im Cafetscherl ist der Wirt froh, dass nicht mehr geraucht wird. "Ich bin Nichtraucher, darum hat mich der Qualm persönlich gestört", so Josef Erb. Allerdings gehört er zu denjenigen, die nach Einführung des Rauchverbots finanzielle Einbußen verzeichnet haben: "Es gibt da einige Senioren, die sehr viel geraucht haben. Die sind einfach weggeblieben." Seiner Beobachtung nach tut sich die ältere Generation mit der Akzeptanz des Raucherschutzgesetzes viel schwerer als die jüngere. Darum sieht Erb positiv in die Zukunft: "Es dauert vielleicht noch ein paar Jahre. Aber dann läuft sicher alles wieder normal."

Beim Jägerstüberl klagt Wirt Hans Auer nach wie vor über finanzielle Einbußen. Er gehörte immer schon zu den stärksten Kritikern des absoluten Rauchverbots und fühlt sich nach dessen Einführung auch in seiner Meinung größtenteils bestätigt. "Im Sommer geht es ja noch. Da können die Raucher nach draußen. Aber im Winter müssen sie frieren. Das machen viele nicht mit", ärgert er sich. Wenn es nach ihm geht, solle alles wieder so werden, wie es vorher war.

Eine Alternative ist für manchen die elektronische Zigarette, die auch heute noch in Gaststätten genossen werden darf.

Auch Franz Rickauer vom Pappasitos beurteilt das Raucherschutzgesetz nach wie vor mit einer Portion Skepsis. Insgesamt hätte sich die Regelung mittlerweile gut eingebürgert. Allerdings: "So wird die Gemütlichkeit zerstört und Chaos vor den Türen gefördert." Für Speiselokale hält er das absolute Rauchverbot für völlig in Ordnung. Je später die Stunde, desto schwerer falle aber dann die Einhaltung, so die Erfahrung des Wirts. Er stellt in jüngster Zeit sogar einen neuen Trend bei den Gästen fest. Immer mehr Leute greifen nach seinen Worten zur sogenannten elektrischen Zigarette. Die darf in Gaststätten verwendet werden, weil sie rauchlos funktioniert.

Peter Schneider ist Wirt der Gaststätten "Flötzingerbräu" und "Hammerwirt". Er hat bislang keine negativen Erfahrungen aufgrund des Rauchverbots gemacht. Für die Gäste sei diese Regelung schon völlige Normalität. Schneider persönlich betrachtet das Gesetz sogar als "super Entscheidung". Immerhin sei er selbst Nichtraucher. Die Klagen anderer Wirte über finanzielle Einbußen kann er kaum nachvollziehen. "Ich glaube nicht, dass das mit dem Rauchverbot zu tun hat. Die Leute trinken halt auch insgesamt weniger, weil sie Angst haben, ihren Führerschein zu verlieren", meint Schneider.

Auch in der Diskothek "Loft" gibt es keine Reibereien zwischen Rauchern und Nichtrauchern, wie der dortige PR-Berater Uwe Osterrieder festgestellt hat. Seiner Meinung nach ist das alles nur eine Sache von guter Organisation: "Man darf halt nicht einfach ein Schild aufstellen und damit das Rauchen verbieten. Es ist wichtig, den Rauchern Lösungen präsentieren zu können, mit denen sie leben können."

wu

Quelle: rosenheim24.de

Zurück zur Übersicht: Bayern

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser