Vor 50 Jahren: Bau des Eisstadions

Rosenheim - Rosenheim ohne Eisstadion? Heute undenkbar. Vor 50 Jahren wurde es gebaut. Der Tag des Baubeginns ist kurioser Teil der Stadtgeschichte:

Wie es dazu kam, warum der damalige Oberbürgermeister Sepp Heindl am Tag des Baubeginns erst die Polizei zum „Tatort“ rief und dann den EVR-Vorstand als „Dreckhammeln“ beschimpfte, ist ein kurioser Teil Rosenheimer Stadtgeschichte. Den Verantwortlichen des Eislaufvereins Rosenheim dauerte alles viel zu lange. Sie wollten nicht mehr auf die Baugenehmigung warten und ließen am 14. August 1961 die Degerndorfer Pioniere "zu Übungszwecken" anrücken. Diese schoben mit schwerem Gerät das Erdreich beiseite.

Am 1. Januar 1928 fand das erste Eishockeyspiel in Rosenheim statt. Man hatte eine Spritzeisbahn auf dem Tennisplatz im Holzhof angelegt, auf der ein Freundschaftsspiel gegen München stattfand. Die Rosenheimer verloren 12:0, da sie wegen anhaltenden Tauwetters nur wenige Übungstage hatten. Der Holzhof befand sich dort, wo heute unter anderem das Hallenbad und die Luitpoldhalle stehen. Neben Bauholz konnte hier auch das gesamte Brennmaterial für den eigenen Bedarf gelagert werden, was in einer Zeit, in der Holz der wichtigste Brennstofflieferant und dadurch der Lagerbedarf entsprechend hoch war, einen großen Vorteil für die Pächter darstellte.

Dort also verloren die Rosenheimer auf der angetauten Spritzeisbahn haushoch. Der nächste Eisplatz war ein Weiher hinter der Stadtgärtnerei. Gespielt wurde trotz schlechtester Bedingungen. Bei starkem Föhn zerbrach aber die Eisfläche. Später siedelten die Spieler um auf den Stadtsee, heute Liegewiese des Freibads. Es war aber nur an 30 bis 35 Tagen in jedem Winter der Eislauf möglich. Mancher plötzliche Wärmeeinbruch beendete die Saison frühzeitig. Dennoch war dies für mehrere Jahre der Platz, wo in Rosenheim Eishockey gespielt wurde. Selbst nach dem Krieg fanden dort noch Spiele statt. Aber auch auf dem Stadtsee konnte es passieren, dass Eishockeyspieler während eines Spiels durch das dünne Eis einbrachen.

Der OB tobte: Baubeginn ohne Baugenehmigung

Während die Eiskunstläufer und die Eisschützen des Eissportvereins Rosenheim (EVR) auf dem Stadtsee blieben, baute der Verein schließlich für die Eishockeyspieler nach 1948 eine Natureisbahn an der Jahnstraße. Den größten Erfolg brachte in dieser Zeit das Jahr 1952, als der Aufstieg in die höchste deutsche Spielklasse, die damalige Oberliga, geschafft wurde. Da jedoch eine Kunsteisbahn fehlte und der Nachwuchs nicht genügend gefördert werden konnte, ging es mit dem Rosenheimer Eishockey wieder bergab.

Es musste also ein richtiges Eisstadion her: Der erste Lageplan sah das Eisstadion auf der Flötzingerwiese an der Wittelsbacherstraße mit Anschluss der Kühlrohre an die Kältemaschinen der Auerbräu AG vor, eine weitere jenseits der Mangfall, also genau gegenüber dem heutigen Standort. Wie dann der Bau an der Jahnstraße begann, ist eine eigene Geschichte, die der ehemalige Sportredakteur des Oberbayerischen Volksblatts, Hans Mosner, mit großem Vergnügen niederschrieb. Er ließ sie sich von EVR-Vorstand Willi Buchecker erzählen. Dieser war es vor allem, der auf den Bau eines Kunsteisstadions an der Jahnstraße drängte. Aber die Sache zog sich ewig in die Länge, die Pläne mussten bei allen möglichen Stellen vorgelegt werden. Der Erdaushub an der Jahnstraße durch die Degerndorfer Pioniere, für diese „übungshalber“, begann dann so unerwartet, daß der damalige Oberbürgermeister Sepp Heindl mit zwei Polizeibeamten am „Tatort“ erschien, die Bundeswehr zum Aufhören aufforderte und die wohlgefällig zuschauenden Herren Hauser, Lechl, Buchecker zum Mitkommen aufforderte. Die offizielle Genehmigung zum Baubeginn war nämlich noch keineswegs erteilt.

Natürlich hatten die betreffenden Herren des EVR bloß „nicht daran gedacht“. Sepp Heindl bestellte die Fraktionsführer in sein Dienstzimmer, um dies nachzuholen. Kein Stadtrat mochte sich gegen das damals größte Projekt der Stadt stellen. So konnte der OB die drei EVR-Leute mit den berühmt gewordenen Worten verabschieden: „Ihr Dreckhammeln, jetz schaugts, dass‘ weida kommt’s! Schaugts, dass was auseinandergeht!“ Im Oberbayerischen Volksblatt hieß es dazu am 14. August 1961, Vertreter des Eislaufvereins hätten am Tag zuvor der Redaktion mitgeteilt, durch Verhandlungen seien „die Schwierigkeiten“ so weit aus dem Wege geräumt worden, dass morgens um 7.15 Uhr mit dem Eraushub begonnen werden könne.

Die veranschlagten Kosten beliefen sich auf rund 300 000 Mark. 50 000 Mark schoss die Stadt zu, die außerdem Zinsverbilligung für ein Darlehen von 150 000 Mark leistete. Den Rest von 100 000 Mark wollte der EV Rosenheim aus Zuschüssen des Bayerischen Landessportverbandes und des Bundes sowie aus dem Ergebnis einer Bausteine-Aktion finanzieren.

Am 13. Januar 1962 wurde das Stadion feierlich eingeweiht. Damit waren nun gute Trainingsmöglichkeiten geschaffen, die bald die erwünschten Erfolge zeigten. So stieg die Eishockeymannschaft 1965 in die Oberliga auf. 1973 übernahm die Stadt die Kunsteisbahn. Sie sorgte dann auch eine Überdachung gesorgt. Damit konnte sich Rosenheim zu einer Hochburg des Eishockey re entwickeln.

re/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

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