"Tausendmal" Dank aus Japan

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Rosenheim/Tokio - Die Welt schaut erschrocken nach Japan, wo Menschen durch Erdbeben und Tsunamis obdachlos geworden und Atomkraftwerke außer Kontrolle geraten sind.

Durch die Städtepartnerschaft mit Ichikawa gibt es eine enge Verbindung zwischen Rosenheim und Japan. Das Dolmetscher-Ehepaar Toshiko und Gaku Ishii hat sich jetzt aus Tokio gemeldet.

"Hallo, unsere Freunde in Deutschland! Hier ist Gaku Ishii mit Familie!" Erleichtert haben die Empfänger der E-Mail gestern erfahren, dass es den beiden gut geht. Toshiko und Gaku Ishii hat es tief berührt, wie Freunde und Bekannte versucht haben, Kontakt aufzunehmen. "Uns wurden viele Möglichkeiten angeboten, unsere Söhne Zen und Yo oder die ganze Familie zu evakuieren. Dafür sind wir sehr dankbar und fühlen uns verpflichtet, Euch über unsere jetzige Situation und Stimmung zu informieren", schreibt Gaku Ishii, einer der Initiatoren für die Städtepartnerschaft Rosenheims mit Ichikawa, der 500000-Einwohner-Stadt in direkter Nachbarschaft zu Tokio.

Am 11. März um 14.46 Uhr, als das gewaltige Erdbeben Japan erschütterte, waren Toshiko und Gaku Ishii und der 19-jährige Sohn Zen zu Hause. Der 17-jährige Sohn Yo war auf Klassenfahrt auf der südlichen Insel Okinawa. "Wir konnten kaum stehenbleiben, aus dem Regal fielen Bücher. CDs und DVDs kamen wie ein Regen herunter", berichtet Gaku Ishii. Die Gaslieferung wurde durch die Erschütterung automatisch gestoppt und der Telefonanschluss war zeitweilig unterbrochen. Niemand in der Familie wurde verletzt, auch die Sachschäden waren nicht groß. Doch dann sahen die Ishiis mit Entsetzen im Fernsehen, was sich an der nordöstlichen Pazifikküste ereignet hatte. Eine halbe Stunde später gab es wieder ein großes Erdbeben, immer wieder folgten Nachbeben. Alle hatten Angst und versuchten, Familienangehörige, Freunde und Bekannte telefonisch zu erreichen, öfter vergeblich, auch innerhalb von Tokio.

Erst am nächsten Tag wurde durch die Fernsehbilder das Ausmaß der Katastrophe deutlich: "Wir waren total fassungslos und konnten nicht glauben, dass dies Wirklichkeit war." Noch größer war der Schock, als die Familie hörte, dass das Atomkraftwerk in Fukushima gefährdet war. Die Funktionäre der Elektrofirma hätten ständig unverständliche Erklärungen wiederholt, niemand habe sagen können, wie die Strahlung der Radioaktivität zu stoppen sei. Mal entsetzt, mal beruhigt, verfolgte die Familie die Berichterstattung. Inzwischen wüssten sie Bescheid über die lebensgefährliche Menge der Strahlung, schreibt Ishii und: "Gerade hat es wieder gebebt. Gegen die Naturkatastrophe sind wir Menschen ja wirklich machtlos." Zum Glück hätten alle ihre Bekannten im direkt betroffenen Gebiet überlebt. Einer wurde durch den Tsunami mitgerissen, aber gerettet.

In Tokio sei das tägliche Leben nicht wesentlich beeinträchtigt. Es gebe eher sekundäre Probleme. Die Tokioter würden unnötig viel einkaufen und Trinkwasser hamstern, so dass die Regale aller Supermärkte leer sind. Kurz darauf, Gaku sitzt vor dem Bildschirm seines Computers und fasst für die Freunde die Lage zusammmen, ereignet sich schon wieder ein Erdbeben, diesmal in der Nähe des Vulkans Fujiyama. "Ob nun ganz Japan erschüttert wird?", fragt sich Gaku, während er schreibt, "es ist ja unheimlich, dass niemand weiß, wann, wo und wie heftig das nächste Erdbeben kommt."

Beim Abendessen am Tag zuvor hatte die Familie darüber gesprochen, ob sie Japan verlassen sollten. Wenn, dann würden sie nach Deutschland gehen, wo Toshiko und Gaku Ishii studiert haben. Die Eltern sehen sich derzeit nicht in der Lage, Tokio zu verlassen, aber vielleicht, so dachten sie, wäre es richtig für die Kinder. Diese kamen zu dem Schluss: "Es ist sehr berührend, dass man uns in Deutschland aufnehmen würde. Aber wenn wir jetzt irgendwohin gehen sollten, möchten wir lieber in das geschädigte Gebiet. Da würden wir den Leuten helfen." Die Eltern haben das akzeptiert und sind stolz auf ihre Söhne.

Den Freunden in Rosenheim und der Region danken die beiden "tausendmal" für ihr Mitgefühl. Sie freuen sich über jede Ermunterung. Die E-Mail schließt mit den Worten: "Jetzt wollen wir an unser Land glauben und hier alles machen, was wir für den Wiederaufbau tun können. Trotz der wiederholten Nachbeben leben wir friedlich. Die miserable Lage der durch den Tsunami verwüsteten Städte und Dörfer motiviert uns. Wir werden den Tatsachen ernsthaft gegenüberstehen und es schaffen."

Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

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