Tödliche Unfälle: "Als Biker bist Du der Arsch"

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Rosenheim - Der Tod seines Biker-Kumpels am Sudelfeld hat auch ihn ins Grübeln gebracht - nun appelliert Jonas (18) an Auto- und Motorradfahrer gleichermaßen: "Schaut immer zwei Mal!"

Frontal krachte Jonas' 17-jähriger Kumpel in einer Kurve gegen einen Lkw. Ein Bild von der Unfallstelle.

Sie waren eine feste Gruppe von 25 Leuten - viele Rosenheimer, ein paar aus der Ebersberger Gegend. Junge Burschen zwischen 16 und 25 Jahren, bei schönem Wetter verabredet man sich spontan und kurvt auf den Motorrädern durch die Region. Doch seit dem 16. Mai ist nichts mehr wie es war: Ein Kumpel aus Jonas' Gruppe, gerade mal 17 Jahre alt, kam bei einem Biker-Ausflug am Sudelfeld ums Leben. Frontal-Crash mit einem Lkw.

Nach dem tödlichen Unfall: Pause eingelegt

"Zu neunt waren die unterwegs an dem Tag. Was danach erzählt worden ist war einfach nur brutal. Die ganze Straße muss voller Blut gewesen sein", erzählt Jonas aus Westerndorf bei Rosenheim. Auch der beste Helm der Marke Schuberth habe nichts mehr geholfen. Seitdem klafft eine Lücke in seiner "Crew" - und viele kamen ins Überlegen: "Einige haben eine Pause mit dem Motorradfahren eingelegt", so Jonas. Es überrascht nicht, dass er verunsichert wirkt: "Wenn man auf der Straße die Sau rauslässt, passiert einfach was."

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Mit seinen 18 Jahren wandte sich Jonas kurz nach dem tödlichen Unfall an die Redaktion: "Ich will nicht weiterhin meine Freunde im Krankenhaus besuchen, geschweige dem zusammenbrechende Eltern und Geschwister auf Beerdigungen!" Es geht ihm um mehr Rücksicht, Vernunft und Verständnis auf den Straßen. Die Schuld an schweren Unfällen will er nicht Autofahrern oder Bikern allein geben.

"Sieht der mich jetzt oder nicht?"

Jonas (18) aus Westerndorf bei Rosenheim. Zur größeren Ansicht bitte hier klicken.

"Als Biker muss man einfach für die Autofahrer mitdenken: Sieht der mich jetzt oder nicht?" Das Verhältnis zwischen beiden Verkehrsteilnehmern ist oft schwierig, die Kräfteverhältnisse ungleich: "Von Autofahrern wird man einfach schnell übersehen. Egal ob beim Spurwechsel oder wenn die in eine Kreuzung einbiegen. Als Motorradfahrer mit nur zwei Reifen und ohne Karosserie bist Du dann der Arsch", so Jonas.

Für die anderen auf der Straße mitdenken - vor allem auf dem Motorrad führe daran kein Weg vorbei: "Wenn ich auf eine Kreuzung oder Einfahrt zufahre und ein Auto sehe, geh' ich schon automatisch runter vom Gas und bin bremsbereit." Sein Tipp an die Autofahrer: Immer zwei Mal schauen und einen Biker vor oder neben dem Auto möglichst genau im Auge behalten. Auch das Licht vieler Motorräder sei einfach zu schwach - zwei seiner Kumpels fahren deshalb oft lieber von Haus aus mit Fernlicht. Sicher ist sicher.

"Knieschleifer"? Jonas kann nur den Kopf schütteln

Eine Aufnahme aus glücklicheren Zeiten, vor dem tödlichen Unfall: Ein Teil von Jonas' "Crew" aus der Rosenheimer und Ebersberger Gegend. Zur größeren Ansicht bitte hier klicken.

Gleichzeitig ärgert sich Jonas über viele seiner Kollegen auf zwei Rädern - und wieder muss er dabei an das Sudelfeld denken, die Route, auf der er einen Freund verlor: "Diese Must-Do's dort, mit 60 km/h in die Kurven und dann möglichst einen 'Knieschleifer' machen", schüttelt Jonas den Kopf. Die Straße sei einfach keine Rennstrecke. Wer sich austoben will, solle auf extra präparierte Cross- oder Super-Moto-Strecken - oder gleich auf den Salzburgring, für die, die es schneller mögen.

Am Sudelfeld sei für solche Einlagen außerdem viel zu viel Verkehr: "Gerade auch weil viele Radlfahrer oder Rentner unterwegs sind." Außerdem: Durch Mauern und Bäume fehle schlicht die Einsicht in die Kurven. Erst vor zwei Wochen richteten er und seine Kumpels ein Kreuz und Kerzen am Sudelfeld auf. Auch die Beerdigung, eine Woche nach dem Schicksalsschlag, bewegt ihn noch immer: "Ungefähr 100 Biker waren da und haben Anteil genommen, obwohl viele ihn nicht kannten."

Auch selbst brach er sich schon die Schulter

Und los geht's: Nach dem Interview schaute er noch am Thiersee vorbei.

Handschuhe, Rückenprotektoren, Lederanzug, Stiefel und Helm - darauf legt der 18-Jährige wert, wenn er auf seine 60-PS-Maschine steigt. Aber man dürfe sich nicht täuschen: "Trotz der ganzen Schutzkleidung hab' ich mir bei einem Unfall am Samerberg auch selber schon die Schulter gebrochen." Etwas Kies auf der Straße reichte und sein Bike brach aus. Natürlich ist auch er vorsichtiger geworden seit dem tragischen Unglück. Trotzdem: Das Motorrad lockt ihn nach wie vor. Jonas schwingt sich aufs Bike - es geht an den Thiersee bei Kufstein. Bedenken braucht man bei ihm sicherlich keine haben: Wer einen Freund verliert, der lernt fürs Leben.

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xe

Quelle: rosenheim24.de

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