Thema Jugendarbeit sorgt für Gesprächsstoff

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Sozialforscher Erik Flügge (links) war auch beim Stehempfang ein begehrter Gesprächspartner

Rosenheim - Das Referat von Erik Flügge vom Heidelberger Sinus-Institut zum Thema Jugendarbeit hat bei Landrat Josef Neiderhell, sowie den 80 Bürgermeistern, für reichlich Gesprächsstoff gesorgt.

Erik Flügge vom Heidelberger Sinus-Institut teilte Deutschlands Jugendliche in sieben Milieus ein und stellte nebenbei die klassische Jugendarbeit in Frage.

Landrat Neiderhell bedankte sich zu Beginn der Veranstaltung bei den Jugendbeauftragten für ihr jahrelanges Engagement in der Jugendarbeit. Jugend und Senioren seien die Herausforderungen unserer Zeit, meinte der Landrat und ergänzte: Eine Gemeinde mit umfangreicher Jugendarbeit mache es Familien leichter dort zu leben.

Die Jugend von heute bietet reichlich Gesprächsstoff: Landrat Josef Neiderhell (links) beim Meinungsaustausch mit Kreisjugendamtsleiter Johannes Fischer (Mitte) und Engelbert Schroll (rechts), ebenfalls vom Kreisjugendamt.

Referent Erik Flügge war vor seinem Vortrag in Rosenheim unterwegs: Alle Jugendkulturen könne man hier in 30 Minuten sehen. Flügge ist überzeugt davon, dass Jugendliche noch nie so unterschiedlich waren wie heute. Seine Ergebnisse basieren auf rund 2.500 Interviews mit 14- bis 19-Jährigen, die meist in deren Jugendzimmer stattfanden.

Das mit vier Prozent kleinste Jugendmilieu ist der „Traditionelle Jugendliche“. Er pflegt einen kleinen festen Freundeskreis, ist stolz auf seinen Heimatort, engagiert sich stark in Vereinen und will heiraten und Kinder kriegen. Eine nahezu identische Wertevorstellung hat der „Bürgerliche Jugendliche“. Der wesentliche Unterschied zum „Traditionellen Jugendlichen“ ist die höhere Schulbildung. Er überlegt zu studieren, plant eine sichere Zukunft und seine Hobbys werden wesentlich durch die Eltern beeinflusst. Dieses Jugendmilieu hat einen Anteil von 14 Prozent. Elf Prozent aller Jugendlichen werden laut Flügge dem „konsum-materialistischen“ Milieu zugerechnet. Dies sind meist Hauptschüler, die sich ein normales Leben wünschen, das aber nicht so ist wie es jetzt ist. Sie wollen aufsteigen und ernst genommen werden. Ein weiteres Jugendmilieu mit einem Anteil von sechs Prozent nannte Flügge „Postmaterielle Jugendliche“. Sie haben ein starkes politisches Bewusstsein, stellen hohe Anforderungen an ihren Freundeskreis, lieben kreative Hobbys und Reisen, nehmen Bildungsangebote war, engagieren sich häufig in Initiativen und nutzen ihre Freizeit zur persönlichen Entwicklung. Die mit 26 Prozent größte Gruppe sind die „Hedonistischen Jugendlichen“. Sie wollen anders sein und missachten bürgerliche Ordnungsnormen. Und obwohl sie versuchen, aus den täglichen Routinen auszubrechen, stehen sie auch auf traditionelle Werte wie Freunde, Familie, Gesundheit und ein schönes Zuhause.

Zuletzt stellte Flügge zwei Jugendmilieus vor, die erst in den vergangnen 20 Jahren entstanden. Jeder vierte junge Mensch zählt sich zu den so genannten „Performer Jugendlichen“. Sie selbst sehen sich als die Lifestyle-, Bildungs- und Wirtschaftselite. Sie stellen hohe Qualitäts- und Markenansprüche. Sie orientieren sich an Werten, auch wenn sie nicht darauf hingewiesen werden wollen. Und ganz wichtig: Sie pflegen keine Freundeskreise im klassischen Stil. Treffen werden spontan organisiert und dabei spielt das I-Phone eine entscheidende Rolle. Ein noch jüngeres Milieu ist das der „Experimentalistischen Jugendlichen“. Sie sind noch cooler, pflegen ein noch ausgeprägteres Elitedenken, sehen sich als Lifestyle-Avantgarde und wollen eigene neue Wege gehen.

Weil diese Jugendmilieus nur bedingt oder überhaupt nicht miteinander können, ist für Flügge klar, dass man mit einem einzigen Angebot nicht mehr alle Jugendliche erreichen kann. Man müsse entscheiden, wen man ansprechen wolle, sagte der Sozialforscher. Er riet, an deren Orte zu gehen und ihre Sprache zu akzeptieren. Modellprojekte sollten entwickelt und nicht nach zwei Jahren mangels Geld wieder aufgegeben werden. Wenn so etwas passiere, sage man den Jugendlichen, dass man sich eigentlich nicht für sie interessiert habe. Ganz generell stellte Flügge fest, dass in allen vom Institut Sinus definierten Jugend-Milieus Engagement zu finden ist. Man muss sich allerdings die Mühe machen und sich intensiver mit Jugendlichen auseinander setzen, um deren Formen von Engagement auch als solches zu erkennen.

Hilfsorganisationen wie der Feuerwehr riet Flügge, bei der Nachwuchssuche bei den „konsum- materialistischen Jugendlichen“ anzusetzen und ihnen einen Platz zu bieten. Er bestätigte, dass die von ihm genannten Prozentanteile der Jugendmilieus mit geringen Abweichungen auch regional gelten würden. Nach zahlreichen Nachfragen gab es noch reichlich Gesprächsbedarf beim anschließenden Stehempfang.

Pressemitteilung Landratsamt Rosenheim

Quelle: rosenheim24.de

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