Familienstreit vor Jugendschöffengericht

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Rosenheim - Der Familienstreit eines rumänisches Clans wurde jetzt vor dem Jugendschöffengericht in Rosenheim verhandelt. Die Angeklagten wurden wegen Drogenhandels und Körperverletzung zu Bewährungsstrafen verurteilt.

Alle Zeugen und die Angeklagten waren Vlachen. Dabei handelt es sich um einen rumänischen Volksstamm, der in Serbien lebt. Ein 21-jähriger Gebäudereiniger hatte sich wegen des 48-fachen Erwerbs von Haschisch, des Handels mit dieser Droge und der Anstiftung zur vorsätzlichen Körperverletzung zu verantworten. Weil es praktisch erschien, wurde ein angeblich von ihm angestifteter "Schläger", ebenfalls Gebäudereiniger, bereits 36 Jahre alt, im selben Verfahren angeklagt. Der Jüngere räumte unumwunden den Erwerb von Haschisch zum Eigenverbrauch ein. Niemals aber habe er damit gehandelt. Außerdem sei es nicht wahr, dass er den Mitangeklagten dazu beauftragt hätte, einen anderen zu schlagen.

In der Nacht zum 17. Oktober 2009 hatte der 36-Jährige einen dritten Gebäudereiniger aus demselben Clan verprügelt. Dieser ist zwischenzeitig wegen Drogenhandels rechtskräftig verurteilt und hatte den jüngeren Angeklagten in seiner Vernehmung ebenfalls des Drogenhandels beschuldigt.

Der Schläger war insoweit geständig, als er zugab, sich mit zwei Männern geschlagen zu haben, in einer Discothek in der Stollstraße und vor dem Lokal, nachdem ihn die Türsteher hinausgeworfen hatten. Das habe er ohne Auftrag getan, weil er betrunken und wegen seiner Scheidung wütend gewesen sei. Der Hauptbelastungszeuge behauptete, sich nur bruchstückhaft zu erinnern.

Zur Sprache kamen auch noch eine Familienfehde mit der Verwandtschaft aus Österreich, gebrochene Nasen, die keinen Arzt brauchten und eingetretene Türen. Erst als Richter Herbert Schäfert dem Zeugen mit einer sofortigen Verhaftung drohte, kehrte die Erinnerung, auch sehr verschwommen, zurück. Sollte es sich um einen Verdrängungswettbewerb unter Gebäudereinigern handeln oder um einen Krieg unter Drogendealern, lasse sich das Gericht auf keinen Fall zu solchen Auseinandersetzungen missbrauchen, machte Schäfert deutlich. Als sich der Zeuge in Widersprüche zu den Aussagen seiner Ehefrau verrannte, hatte der Richter genug. Der Zeuge sei in jeglicher Hinsicht unglaubwürdig, meinte er und stellte es der Staatsanwaltschaft anheim, gegen diesen entsprechende Verfahren einzuleiten. Alle auf die Aussagen dieses Zeugen gestützte Anklagepunkte wurden fallengelassen.

Die Staatsanwältin bescheinigte dem 21-Jährigen schädliche Neigungen. Sie beantragte für ihn eine Jugendstrafe von 14 Monaten. Bei angemessenen Auflagen könne auch eine Bewährungszeit zugesprochen werden. Der erwachsene Täter müsse wegen mehrfacher vorsätzlicher und gefährlicher Körperverletzung zu 15 Monaten Gefängnis mit Bewährung verurteilt werden.

Der Verteidiger des Jugendlichen, Rechtsanwalt Dr. Andreas Michel, verwies auf die völlige Orientierungslosigkeit seines Mandanten, der ohne jegliche Erziehung aufgewachsen sei. Er brauche keine Strafe, sondern Hilfe. Eine diagnostische Abklärung der Situation des jungen Mannes sei das Gebot der Stunde.

Rechtsanwalt Axel Kampf betonte das offene Geständnis seines Mandanten. Für die Körperverletzung habe er sich nicht nur entschuldigt. Er sei auch bereit, die Konsequenzen zu tragen. Allerdings halte er eine Haftstrafe von zehn Monaten für völlig ausreichend. Diese sollte ebenfalls zur Bewährung ausgesetzt werden.

Das Gericht befand sieben Monate Jugendgefängnis für den Heranwachsenden als ausreichend. Die Bewährungsauflagen sind aber so eng konstruiert, dass er nicht mit Drogen in Kontakt kommen darf, will er den Vollzug der Strafe vermeiden. Der Schläger erhielt eine Strafe von zehn Monaten auf Bewährung, wobei ihm sein Geständnis und die Reue geglaubt wurden. au

au/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa

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