Kampf gegen Pornografie und Gewalt im Netz und TV

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Gewaltvideos und Pornografie - Die Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) kämpft dafür, dass Kinder solche Inhalte nicht sehen.

München - Gewaltvideos und Pornografie - Die Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) kämpft dafür, dass Kinder solche Inhalte nicht sehen. Für die KJM- Mitarbeiter ist das eine Sisyphusarbeit.

Das wachsame Auge des deutschen Jugendschutzes befindet sich in einem schlichten Bungalow in einem Randbezirk von München. Auf den Bildschirmen der Mitarbeiter flimmern Gewaltvideos, rechtsextremistische Internetseiten und tierpornografische Bilder. Das Anschauen solcher Szenen gehört zum Alltag der rund 15 Mitarbeiter der Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) in München.

Als Organ der Landesmedienanstalten kämpft die KJM gegen jugendgefährdende Inhalte in den Medien. Sie untersucht und beurteilt, ob frei zugängliche Angebote im privaten Rundfunk und Internet gegen den Jugendschutz und die Menschenwürde verstoßen. “Die von uns geprüften Fälle reichen von Castingshows im Fernsehen, in denen jugendliche Kandidaten vorgeführt werden, bis zu schwerer Gewaltpornografie im Internet“, sagt die Leiterin KJM-Stabsstelle in München, Verena Weigand.

Die frauenfeindlichen Sprüche von Rapper Sido in einer MTV-Show etwa gingen den Medienwächtern im Tagesprogramm zu weit, und auch eine DSF-Sendung, in der zwei Kämpfer ohne Tabus aufeinander einprügeln, darf nicht mehr gezeigt werden. Das bisher höchste Bußgeld von 100 000 Euro musste RTL 2008 für “Deutschland sucht den Superstar“ zahlen: Die Jury habe wiederholt junge Menschen gezielt lächerlich gemacht und dem Spott eines Millionenpublikums ausgesetzt.

Die KJM legt Sendezeiten für Fernsehprogramme fest und verhängt Bußgelder, falls ein Sender oder Betreiber einer Internetseite gegen gesetzliche Vorgaben verstößt. Bei besonders schweren Delikten im Internet kann die Kommission den Behörden Indizierungen und Verbote empfehlen - damit die Inhalte rasch aus dem Netz verschwinden oder zumindest dem freien Zugriff von Kindern und Jugendlichen entzogen sind. Seit knapp acht Jahren gibt es die bundesweite Einrichtung mit Sitz in Erfurt und München.

Die Hinweise auf anstößige Medieninhalte kommen meist aus der Bevölkerung. “Oftmals beschweren sich Privatpersonen über eine Fernsehsendung oder jugendgefährdende Internetseiten“, sagt Weigand. Die meisten Beschwerden gebe es derzeit über die RTL-Dschungelshow “Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!“. In der Reality-Sendung müssen Prominente zwei Wochen im australischen Busch verbringen und sich Ekel-Prüfungen stellen. Dabei stehen sie unter ständiger Kamerabeobachtung. “Ein Verstoß gegen den Jugendschutz ist derzeit aber nicht zu erkennen“, sagt Weigand. Die Show laufe erst nach 22.00 Uhr, der Sendezeitgrenze für unter 16-Jährige.

Nach Angaben von Weigand haben Tabuverletzungen und Gewaltdarstellungen in den Medien in den vergangenen Jahren massiv zugenommen. Seit ihrer Gründung im Jahr 2003 stellte die KJM mehr als 4000 Verstöße gegen den Jugendschutz fest - mehr als 800 im Rundfunk und rund 3200 in den Telemedien. “Diese Entwicklung macht mir Sorgen“, sagt die Pädagogin. Die größte Herausforderung der Prüfstelle sei dabei das Internet. “Am Anfang haben wir erst einmal geschluckt. Das Netz ist voll von Verstößen, während es immer mehr Jugendliche dorthin zieht“, sagt Weigand. Mit wenigen Klicks seien nicht nur Gewaltvideos und pornografische Seiten erreichbar, sondern auch Online-Foren, in denen sich Menschen über Selbstmordgedanken und Selbstverstümmelung austauschen.

Das Problem dabei: Die Betreiber solcher frei zugänglicher Seiten sitzen meist im Ausland, etwa in Holland oder Panama. Vorgehen kann die KJM aber nur gegen Anbieter mit Sitz in Deutschland. Auch deshalb setzt sich KJM für die Verbreitung von speziellen Jugendschutzprogrammen im Internet ein. Diese Filtersysteme können anstößige Seiten blocken und bieten Eltern damit die Möglichkeit, ihre Kinder je nach Altersstufe vor gefährdenden Inhalten zu schützen.

Am Freitag diskutiert die KJM in München mit Experten über die Entwicklung solcher Programme. Für die Mitarbeiter der KJM ist die Aufsicht der Medien eine Sisyphusarbeit. Denn jeden Tag taucht neues beklemmendes Material auf ihren Bildschirmen auf. “Wir wechseln uns mit den Themen ab, weil man es sonst nicht verkraftet“, sagt eine Mitarbeiterin. “Die Bilder im Kopf lassen einen nur schwer los.“ Doch der Erfolg ihrer Arbeit treibt Wiegand und ihre Mitstreiter an. “Ohne uns wäre alles noch viel schlimmer.“

dpa

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