Kardinal Marx: Europa ist mehr als der Euro

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Kardinal Marx

München - Die Eurokrise, kriegerische Auseinandersetzungen: Bayerns Bischöfe haben in den Christmetten den Bogen von Christi Geburt zu aktuellen Ereignissen in der Welt geschlagen.

Der Münchner Erzbischof Kardinal Reinhard Marx hat in seiner Predigt an Heiligabend davor gewarnt, Europa nur auf die gemeinsame Währung zu reduzieren. “Die Identität Europas ist nicht der Euro! So wichtig die Finanzen, das Geld, das Kaufen und Verkaufen, das Verbrauchen und Benutzen sind, es geht letztlich nicht um die Zukunft des Euro, sondern um die Zukunft des Menschen“, betonte Marx am Samstagabend in der Christmette im Münchner Liebfrauendom.

Angesichts der aktuellen Schulden- und Finanzkrise in der EU müsse nun wieder das “wahre und richtige Menschenbild“ in den Mittelpunkt rücken. “Und dieses Menschenbild hängt zusammen mit dem Bild Gottes und dem Bild des Menschen, wie es uns in Jesus Christus gezeigt wird.“

Mit der Geburt Jesu sei die Schöpfungsgeschichte neu geschrieben worden. “Denn in Jesus Christus lebt es sich nicht einfach wie vorher.“ Christlicher Glaube sei deshalb nicht starre Traditionspflege, “sondern ein immer neuer Aufbruch“, betonte der Oberhirte des Erzbistums München-Freising laut vorab veröffentlichtem Text.

Der Passauer Bischof Wilhelm Schraml sagte in seiner Predigt: “Wir brauchen nicht nur eine Globalisierung der Wirtschaft, sondern viel mehr eine Globalisierung des Friedens in unserem eigenen persönlichen Bereich und in der ganzen Welt.“ Er erinnerte an die weltweiten Krisenherde wie Afghanistan oder Afrika. Das Weihnachtsfest ermutige, einander die Hand der Versöhnung zu reichen und sich für Frieden einzusetzen.

Eine “Entheiligung“ des Weihnachtsfests hatte schon zuvor der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick beklagt. Wenn aber niemandem mehr etwas heilig sei, habe das gravierende Folgen, warnte der Bamberger Oberhirte: “Neonazis, Rechtsextremen und Taliban ist das Leben anderer nicht heilig. Deshalb töten sie! Auch radikalisierten Jugendlichen und Bahnhofsschlägern ist das Leben ihrer Mitmenschen nicht heilig, sie schlagen aus Kraftmeierei, Wut oder wegen einer Kleinigkeit andere halbtot.“

An Weihnachten aber gehe es um das “heilige Kind in Bethlehem, von dem eine heilige Zeit ausgeht“. Weihnachten sei “der Aufruf, sich zu besinnen auf das, was heilig ist, und uns heilig sein muss, damit wir eine gute Zukunft haben“. Für viele Menschen in Deutschland gehe es an Weihnachten jedoch nur um “Geschenketausch, gutes Essen, Urlaub und Fitness mit der Beigabe Lichterromantik, einlullender Weihnachtsmusik und Weihnachtsbaum“, kritisierte Schick.

Der Augsburger Bischof Konrad Zdarsa warnte davor, vor lauter vorweihnachtlicher Aktivitäten “auf Weihnachtsmärkten und in Konzerthalle, in Medienshows und Radiosendungen, das eigentlich Datum von Weihnachten ziemlich zu relativieren, ja beinahe aus der Öffentlichkeit zu verdrängen“. Es solle sich niemand davon beirren lasen, das Weihachten erst am Heiligen Abend beginne, sagte er in seiner Predigt im Augsburger Dom. Genauso bedenklich sei es, “schon nach Heiligabend den Hebel einfach umzulegen“, weihnachtliche Besinnlichkeit abzuschalten und zur Tagesordnung überzugehen.

dpa

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