Keine leichte Zeit für Kasperl

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Alfred und Kerstin Maatz könnten sich keinen schöneren Beruf als Puppenspieler vorstellen. Ihr beiden Söhne Marlon (links) und Miguel wollen in die Fußstapfen ihrer Eltern treten.

Rosenheim - „Früher war es wesentlich einfacher, Kinder zum Lachen zu bringen“, weiß Alfred Maatz, der derzeit mit seinem „Kasperles Märchenpalast“ in Rosenheim weilt.

Leicht habe es der Kasperl schon lange nicht mehr. Trotzdem gelinge es ihm als Puppenspieler immer noch, die Besucher zu begeistern. Er setzt dabei auf bekannte Märchen, viel Humor und keinerlei Gewalt, wie sich auch bei der gut besuchten Premierenvorstellung nachmittags auf dem Beilhackgelände zeigte.

Maatz stellt schon die dritte Generation einer deutschen Puppenspieler-Familie dar. Die vierte Generation steht in den Startlöchern, denn Maatz hat zwei kleine Söhne, und die wollen unbedingt in die Fußstapfen ihrer Vorfahren treten, wie sie kurz vor der Vorstellung erzählten. Miguel ist sechs und Marlon vier Jahre alt. Das Schausteller-Leben ist für beide Buben etwas völlig normales. Besonders Miguel hilft schon gerne vor und hinter der Bühne bei der Arbeit seiner Eltern mit.

Seit zwei Jahren bringt er sich sogar schon bei den Vorstellungen mit ein. Er bewegt die Puppen schon fast so professionell wie sein Vater und hat auch überhaupt keine Angst, vor Publikum zu sprechen. "Meine Lieblingsfigur ist der kleine Igel", sagt der Bub. Der sei einfach nett anzuschauen und hätte auch immer besonders lustige Rollen.

Am Samstag wurde "Rotkäppchen" aufgeführt. Familie Maatz setzte damit ein weiteres Mal auf altbewährte Stoffe und baute darin in einer "Nebenrolle" den Kasperl ein. Der präsentiere sich aber heutzutage im Gegensatz zu früher völlig gewaltfrei: "Der Kasperl kommt natürlich nicht mehr mit der Bratpfanne oder einer Keule und gibt damit dem Wolf eines auf den Kopf", berichtet Alfred Maatz. Ihm sei es wichtig, keinerlei Gewalt auf der Bühne darzustellen: "Ich will Kinder nicht dazu animieren, nach der Vorstellung jemanden zu verprügeln".

Das Publikum habe sich im Laufe der Jahre deutlich gewandelt. Die Zuschauer würden immer jünger werden. "Früher konnte der Kasperl noch Dritt- und Viertklässler begeistern. Heute gelingt das schon bei Vorschulkindern nicht mehr. Es kommen hauptsächlich nur noch die ganz Kleinen zu uns", erzählt der 32-Jährige aus Neuhaus am Inn. Trotzdem plagten ihn keine Existenzängste; die Vorstellungen seien immer noch gut besucht.

Wichtig sei es eben, sich dem Zeitgeist und den Wünschen des Publikums anzupassen. Auf der Bühne zu sehen sind alte Hohensteiner Handpuppen, aber auch ganz neue "plüschige Gesellen", wie etwa der "böse" Wolf beim "Rotkäppchen". Der wirkt zum großen Amüsement der kleinen Besucher eher komisch als furchterregend, wie sich bei der Premiere zeigte: Die Buben und Mädchen lachten lauthals über den tollpatschigen Bösewicht. Die Begeisterung war groß und Alfred Maatz erreichte wieder einmal das, was er sich am meisten wünscht: "Leuchtende Kinderaugen".

Zu sehen ist "Kasperles Märchenplast" noch bis einschließlich Sonntag, 10. Oktober auf dem Platz neben dem Beilhack-Parkhaus an der Kufsteiner/Ecke Gießereistraße. Die Vorstellungen finden täglich um 15 Uhr statt, Sonntag um 11 und 15 Uhr. Heute, Donnerstag ist Ruhetag, und morgen, Freitag, ist im Eintrittspreis eine Überraschung enthalten. Eintrittskarten gibt es immer eine halbe Stunde vor den Auftritten.

wu/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

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