Die Fronten sind verhärtet

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Derzeit nicht sehr belebt, aber bei Sonnenwetter ein Lieblingsplatz der Rosenheimer: Der Happinger See. Die Stadt hat in letzter Minute ihr Vorkaufsrecht wahrgenommen und Professor Dr. Anton Kathrein erzürnt.

Rosenheim - Die Fronten sind verhärtet, nachdem die Stadt Rosenheim Unternehmer Professor Dr. Anton Kathrein am Happinger See einen Strich durch dessen Hotelbau-Pläne gemacht hat.

Die Stadt sucht nun einen Hotel-Investor, der auf das Landschaftsschutzgebiet Rücksicht nimmt und der bereit ist, der Öffentlichkeit kostenfrei eine Liegewiese zur Verfügung zu stellen.

Selbst Kathreins eigene Leute im Stadtrat, Freie Wähler/UP, unterstützten das Vorhaben der Stadt, das Vorkaufsrecht am Happinger See auszuüben. Fraktionsvorsitzende Dr. Beate Burkl gesteht, dies sei weder ihr noch ihren Kollegen leicht gefallen, doch: "Wir mussten diesen Rosenheimer Badesee für die Allgemeinheit sichern, auch für die Zukunft." Der Stadtrat habe den Auftrag, die Belange der Bevölkerung zu schützen, dazu gehöre auch das Thema Naturschutz.

Stadt: "Pläne waren nicht komplett"

Den entstandenen Zeitdruck hat sich Kathrein aus Sicht von Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer selber zuzuschreiben, denn er habe schon im Dezember letzten Jahres den Kauf des Grundstücks und des halben Sees notariell verbriefen lassen: "Das hat er getan, ohne zu wissen, was er eigentlich bauen darf, auf eigenes Risiko." Rechtskräftig geworden ist der Vertrag am 30. Juni. Danach hätte die Stadt noch zwei Monate Zeit gehabt, ihr Vorkaufsrecht auszuüben, das der Freistaat bei Grundstücksverkäufen an öffentlichen Gewässern den Kommunen einräumt.

Der Stadtrat tagte aber innerhalb dieser zwei Monate nur einmal. Deshalb musste er noch vor den Ferien über das Vorhaben entscheiden, ohne detaillierte Pläne gesehen zu haben und ohne dass zuvor der Bauausschuss Gelegenheit gehabt hätte, das Projekt durchzusprechen. Grundsätzlich habe man im Rathaus die Planung positiv gesehen, versichert Baudezernent Helmut Cybulska, "doch wir haben bis heute weder fertige Eingabepläne noch das geforderte Modell bekommen". Skizzen ohne Maßstab und ohne Angaben zur Höhenentwicklung hätten einfach nicht ausgereicht, um die Planungen im Bauausschuss zu präsentieren.

Von der vormaligen Besitzerin vor einem Jahr eingereichte Erweiterungspläne waren vom Stadtrat wegen ungeklärter Fragen zum Landschaftsschutz und zur Zufahrt zurückgewiesen worden. Genau diese Fragen waren auch bei den Eingaben des neuen Bauwerbers offen.

Steuerberater Werner Zettl, der die Verhandlungen für Kathrein führte, räumt Verzögerungen ein. Kathrein hätte auf Anraten der Stadt wegen der Lage des Geländes im Landschaftsschutzgebiet einen Fachmann eingeschaltet, erläutert Zettl. Dieser habe zur Umplanung einiger Details geraten, deshalb sei das bereits fertige Modell letztendlich doch nicht im Rathaus gelandet. Zudem sei man gerade dabei gewesen, die Zufahrtsbrücke auf ihre Traglast prüfen und die Kosten für einen Brückenneubau schätzen zu lassen. Da schlug die Nachricht vom Beschluss des Stadtrats ein wie eine Bombe.

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Die Rosenheimer haben die Liegewiese vor dem Gasthaus Hubertus immer als öffentliche Fläche wahrgenommen. Kein Wunder: Die Stadt zahlt der Wirtin einen Zuschuss zur Toilettenreinigung und pflegt auch das Grundstück. Diese Nutzung wollte Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer Kathrein in einem Telefongespräch auch für die Zukunft sichern. Kathrein habe jedoch gesagt: "Ich investiere nicht acht Millionen Euro, damit die Leute direkt unter dem Fenster der Hotelgäste herumspringen."

Verblieben wäre ein gut zwei Meter breiter Weg am Seeufer, abgetrennt vom Hotelbereich durch eine Hecke, und eine kostenpflichtige Liegewiese - im Raum stand ein Eintrittspreis von drei Euro. Der gesamte Stadtrat und die Oberbürgermeisterin wollten dies nicht akzeptieren.

Kathrein: "Pläne hätten ausgereicht"

Professor Dr. Anton Kathrein ist überzeugt davon, dass die eingereichten Pläne ausgereicht hätten, um das Vorhaben zu beurteilen, und zwar positiv. Dass er für den Zutritt zur Badeanstalt mit Kiosk und Toiletten Geld verlangt hätte, hält er für selbstverständlich: "Wenn man dafür Leute anstellt, kosten die ja auch was."

Von seiner Ankündigung, Verwaltung und Entwicklungsabteilung mit gut 600 Beschäftigten zu verlagern, rückt Kathrein nicht ab. "Da handelt es sich um hochqualifizierte Leute, die gut verdienen. Und daraus errechnet sich die Gewerbesteuer", betont er grimmig und verweist auf ein bereits gesichertes Baurecht in Thansau, "nur drei Kilometer entfernt". Laut Homepage der Gemeinde Rohrdorf liegt dort der Gewerbesteuerhebesatz bei 300 Prozent, in Rosenheim sind es 400. Kathrein ist aber auch in anderen Gemeinden herzlich willkommen. Jedenfalls haben laut Kathrein gestern schon etliche Bürgermeister aus dem Inntal bei ihm angerufen, um ihm ihre Gewerbegrundstücke schmackhaft zu machen.

Die Oberbürgermeisterin ist davon überzeugt, dass die Drohungen früher oder später gekommen wären, wenn nicht jetzt, dann im Bauverfahren. "Alles hat seine Grenzen", sagt sie, "ich musste nach meinem Gewissen handeln. Ich bedauere das Ganze unendlich. Aber wir leben nicht nur von der Gewerbesteuer, sondern auch von der Einkommensteuer, die die Menschen erarbeiten. Und in deren Auftrag gestalten wir die Stadtgesellschaft." Hoffnung, dass sich der Zwist beilegen lässt, hat sie trotz allem: "Als erwachsene Menschen werden wir uns doch an einen Tisch setzen und miteinander reden können." Kathrein habe "sehr viel sehr gut" für die Stadt getan.

An einen Rücktritt als Stadtrat und Dritter Bürgermeister Rosenheims denkt Kathrein nach eigener Aussage nicht: "Die Bürger haben mich gewählt. Da sollte man nicht alles hinschmeißen." Er werde sich aber gut überlegen, ob er bei der nächsten Wahl noch einmal antritt.

Die Rosenheimer SPD hingegen fordert seinen Rücktritt. Offensichtlich gelinge es Herrn Kathrein nicht, seine legitimen Interessen als Privatmann und Unternehmer mit den Anforderungen an das Amt eines Bürgermeisters zu vereinbaren, erklärte am Freitag die SPD-Fraktionsvorsitzende Gabriele Leicht. Seine Reaktion auf eine einstimmig getroffene Entscheidung des Stadtrats zeuge von einem merkwürdigen Demokratieverständnis. Als Dritter Bürgermeister sei er nicht mehr tragbar.

Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

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