Kaum Mittel für wichtige Schulsozialarbeit

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Jugendsozialarbeiter Klaus Schöberl hat stets ein offenes Ohr für die Probleme und Wünsche der Schüler.

Rosenheim - Seit 1998 gibt es in Rosenheim Schulsozialarbeiter. Ihre Arbeit wird immer wichtiger - die finanziellen Mittel für diese Fachkräfte sind von staatlicher Seite her jedoch knapp.

Ihr Aufgabenbereich ist groß und ihre Hilfe wird angesichts steigender Zahlen verhaltensauffälliger Kinder und Jugendlicher immer wichtiger. Die Einrichtung weiterer Stellen erscheint schwierig - auch in der Stadt Rosenheim, obwohl der Bedarf steigt.

Betritt Jugendsozialarbeiter Klaus Schöberl die Hauptschule Mitte, wird er meist sofort von vielen Schülern umlagert. Sie wissen, wenn sie ein Problem haben, finden sie in Schöberl einen Menschen, der sie anhört, Hilfe anbietet und dem sie vor allem vertrauen können.

Sieben Jugendsozialarbeiter an Schulen gibt es in der Stadt derzeit. Ihre Tätigkeit wird koordiniert vom "Verein Pro Arbeit", der sich seit 1997 für eine gute Betreuung und Begleitung von benachteiligten Schülern einsetzt. Finanziert werden die Schulsozialarbeiter von der Kommune, vom Staat und von Sponsoren.

Jugendsozialarbeiter dienen oftmals als Bindeglied zwischen Schülern, Lehrern und Eltern. "Die Schüler schätzen es, wenn es an ihrer Schule eine Person gibt, die nicht wie ein Lehrer auftritt", so Schöberls Erfahrung.

Jürgen Heiß, Rektor der Hauptschule Mitte, sieht das genauso. Er könnte sich einen Schulalltag ohne Jugendsozialarbeiter überhaupt nicht mehr vorstellen. "Die Zahl der schwierigen Schüler ist eben viel höher als früher." Die Ursachen für diese Entwicklung seien vielschichtig. Umwelteinflüsse und übermäßige Mediennutzung hält Heiß für ebenso verantwortlich wie die gesellschaftliche Veränderung: "Kinder sind heutzutage oft auf sich alleine gestellt."

So vielschichtig wie die Ursachen für auffälliges soziales Verhalten bei Kindern sind auch die "Fälle", mit denen die Jugendsozialarbeiter bei ihrer tagtäglichen Arbeit konfrontiert werden. Oft geht es um alltägliche Probleme im menschlichen Miteinander. "Zickenkriege gab es immer schon und wird es immer geben", schmunzelt Schöberl. Ebenso könnte man auch Rangeleien auf dem Pausenhof niemals ganz verhindern.

Schwieriger werde es schon, wenn es um Mobbing oder Ausgrenzung gehe. Ein Problem, mit dem neuesten Studien zufolge schon jedes fünfte Kind in seiner Schulzeit zu kämpfen hat.

Gruppenarbeit, etwa bei Kletteraktionen, ist in so einem Fall angesagt - meist schon im Vorfeld, um ein derartiges Verhalten der Schüler erst gar nicht aufkommen zu lassen. "Wir erreichen damit viel. Die Klassengemeinschaft wird deutlich gestärkt", stellt Schöberl immer wieder fest.

Die Sozialpädagogen gehen aber auch immer wieder gezielt in Klassen hinein und beobachten die Kinder und Jugendlichen, um so auf ein ungewöhnliches Verhalten frühzeitig aufmerksam zu werden. Dabei werden auch viele traurige Schicksale an Schöberl herangetragen. In vertraulichen Gesprächen mit den Schülern erfährt auch er immer wieder einmal etwas über häusliche Gewalt oder sexuellen Missbrauch.

Manchmal kommt es auch vor, dass ein Schüler überhaupt nicht mehr nach Hause gehen will. "In solch einem Fall muss man dann ganz genau klären, was man machen kann, um dem jungen Menschen zu helfen", sagt der Jugendsozialarbeiter. Gespräche mit Eltern, Lehrern und wenn nötig auch mit dem Jugendamt folgen in der Regel.

Wichtig für die Kinder und Jugendlichen sei es, dass sie in den Sozialpädagogen Menschen finden, denen sie voll vertrauen können: "Nichts, was sie nicht wollen, dringt aus dem Besprechungsraum nach draußen." Schöberl achtet außerdem immer darauf, Gespräche am "Runden Tisch" zuwege zu bringen, an denen alle Beteiligten teilnehmen. "Das oberste Prinzip: Wir reden nicht übereinander, sondern miteinander."

Neben der Einzelfallhilfe sorgen die Jugendsozialarbeiter auch noch für einen guten Übergang von Schule zu Beruf. Angeboten werden dafür Berufsorientierungstage oder Bewerbungsplanspiele.

Fakt ist, die Arbeit nimmt für die Jugendsozialarbeit an Schulen immer mehr zu und die betreuten Kinder werden immer jünger - auch in einigen Rosenheimer Grundschulen kommen Menschen wie Klaus Schöberl mittlerweile zum Einsatz: "Je früher man Probleme in den Griff bekommt, desto besser."

Allerdings hofft er, dass durch diese Ausweitung des Einsatzgebietes nicht die Arbeit an den ursprünglichen Stellen auf Dauer zu kurz kommt. Eine Aufstockung der Jugendsozialarbeiter in der Stadt ist seiner Meinung nach erstrebenswert. Ob es tatsächlich dazu kommen wird, steht allerdings momentan überhaupt nicht fest - aufgrund der knappe Kassen.

wu/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

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