Kein Glück beim Inkasso

Rosenheim - Zwei „Geldeintreiber“ mussten sich wegen versuchter räuberischer Erpressung beziehungsweise Mittäterschaft verantworten und wurden zu Geld- und Haftstrafen auf Bewährung  verurteilt.

Als "Geldeintreiber" bei einem Rosenheimer wollten sich ein 40-jähriger Türke und sein 44-jähriger "Kompagnon", beide seit etwa 30 Jahren in Deutschland lebend, vermutlich ein leichtes Zubrot verdienen. Doch der heimgesuchte Rosenheimer "spielte" nicht mit, und so mussten sich die beiden jetzt vor dem Schöffengericht unter Vorsitz von Richter Heinrich Loeber wegen versuchter räuberischer Erpressung beziehungsweise Mittäterschaft verantworten.


Der ins Visier genommene Rosenheimer schuldete einem hiesigen Geschäftsmann aus früheren Jahren einen höheren Geldbetrag. Die beiden Angeklagten, so warf ihnen die Staatsanwaltschaft vor, hätten nun unberechtigterweise beabsichtigt, diese Altschulden einzutreiben. Unberechtigt deshalb, weil diese Altschulden in Höhe von 160000 Euro bereits im Rahmen eines gegen den Schuldner gerichteten Insolvenzverfahrens und einer damit verbundenen Restschuldbefreiung zu dessen Gunsten weggefallen waren.

Der verärgerte Geschäftsmann und Auftraggeber versuchte den Verlust seiner 160000 Euro auf andere


"außergerichtliche" Weise zu kompensieren. Er schloss mit den beiden Angeklagten einen Handel dahingehend ab, dass diese einen Teil des ausstehenden Geldes einstreichen könnten, wenn es ihnen gelänge, erfolgreich als Geldeintreiber tätig zu sein. Zwischen dem Geschäftsmann und den beiden Angeklagten wurde eine schriftliche Abtretungserklärung verfasst, in der der Geschäftsmann als bisheriger Gläubiger bestätigt, dass seine "Forderung" auf die beiden Angeklagten übergegangen sei.

Und so gingen die beiden gutgläubigen Angeklagten davon aus, "inkassoberechtigt" zu sein. Doch der Schuldner erklärte den Geldeintreibern, dass er erstens kein Geld habe und zweitens wegen des Insolvenzverfahrens und des daraus ergangenen Urteils ohnehin an keinen seiner Gläubiger einer Forderung nachkommen dürfe, zumal die Restschuld sowieso weggefallen sei.

Die dadurch überraschten Inkassonehmer hinterfragten ihren Auftraggeber. Dieser versicherte, dass der "Schuldner" lüge. Also machten sich die beiden Geldeintreiber erneut auf den Weg zum Schuldner. Etwas martialisch bauten sie bei diesem eine "Drohkulisse" auf und verlangten, dass dieser innerhalb weniger Tage einen Betrag von 25000 Euro besorge, da "er sonst um sein rechtes Ohr fürchten" müsse.

Diese Drohung sei laut des an der Aktion aktiver beteiligten Angeklagten zwar eine, nicht aber von ihm. So habe sich der Auftraggeber bei der Ausfertigung der schriftlichen Abtretungserklärung geäußert. Diese verbale Drohung habe er nur weitergegeben. Bemerkenswert an dieser Verhandlung: sowohl der heimgesuchte Schuldner als auch zwei weitere Zeugen, die bei der versuchten Geldeintreiberei anwesend waren, blieben der Verhandlung unentschuldigt fern. Dafür wurden sie je mit einer Ordnungsstrafe in Höhe von 500 Euro bedacht.

Am Ende der Verhandlung hatte das Gericht zu befinden, ob die geständigen Angeklagten, die eine beachtliche Vorstrafenliste als Kleinkriminelle aufwiesen, wegen versuchter Nötigung und Beihilfe oder wegen der "aufgebauten Drohkulisse" wegen versuchter räuberischer Erpressung zu verurteilen seien. Das Gericht entschied zugunsten der Angeklagten.

Der aktivere der beiden Geldeintreiber wurde zu einer 14-monatigen Freiheitsstrafe und zu einer "Geldspende" von 1300 Euro an einen Förderverein verurteilt. Der zweite Angeklagte, der primär nur als "Drohkulisse" bei der Aktion fungiert hatte, wurde wegen Beihilfe zur versuchten Nötigung zu neun Monaten Haft und Ableistung von 130 Stunden gemeinnütziger Arbeit verurteilt. Die Freiheitsstrafen sind jeweils zur Bewährung auf vier Jahre ausgesetzt. Der Auftraggeber wird sich demnächst auch zu verantworten haben.

je/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

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