Keiner mag Baustellen

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Bei brütender Hitze brachten die Arbeiter gestern die Teerschicht in der Innstraße auf, damit sie zum Herbstfestbeginn in beide Richtungen einspurig frei befahrbar ist.

Rosenheim - Baustellen mag keiner, weder vor seiner Haustür noch auf dem täglichen Weg in die Arbeit und nach Hause. Aber alles soll immer funktionieren: Fernwärme, Strom, Wasser, Gas, der Autoverkehr.

In diesem Widerstreit müssen Stadt und Stadtwerke das Versorgungsnetz ausbauen und Straßen ausbauen - keine leichte Aufgabe.


Beispiel Innstraße: Dort leiden die Anlieger besonders. Erst wurde die Busspur gebaut, es folgten 2008 und 2009 Kanalbauarbeiten und das Erneuern von Leitungen. Besonders aufwändig war die Anlage eines Regenüberlaufbeckens in der Kreuzung Inn-/Schönfeldstraße. Ganz aktuell hat der Ferienausschuss des Stadtrats auch noch beschlossen, Gehweg und Straße nicht nur bis zur Schönfeldstraße, sondern bis zum Nörreut zu erneuern - weil sowieso schon gearbeitet wurde.

Baustelle in der Innstraße

 © Theresa Ober
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"Uns ist bewusst, dass die Baustelle Innstraße zu erheblichen Beeinträchtigungen der Geschäfte geführt hat. Wir können aber immer wieder nur darauf hinweisen, daß wir die Ver- und Entsorgungssysteme auf die aktuellen Gegebenheiten ausrichten müssen", sagt Sebastian Ranner, bei den Stadtwerken als Leiter zuständig für den Bereich Technische Dienste. Mit intensivem Ausbau der Fernwärme sei es möglich, künftig mehr umweltfreundliche Energie anzubieten, die im Kraftwärmekopplungsprozess im Rosenheimer Kraftwerk erzeugt wird, und die Innstraße ist nun einmal eine der Haupttrassen für die entsprechenden Versorgungsleitungen. Dringend notwendige Ausbaumaßnahmen der Stadtentwässerung haben die Stadtwerke dazu bewogen, auch noch die Versorgungsleitungen zu verstärken, um größere Leistungen anbieten zu können. Nach Ranners Worten zählte die Baustelle Innstraße durch die Menge an Ver- und Entsorgungsleitungen, die während der Baumaßnahme natürlich unter Betrieb zu halten waren, zu den schwierigsten der letzten Jahre.

Immer wieder stellten die Bürger seit Beginn der Maßnahme die Frage, warum die Baustelle nicht schneller abgewickelt werden konnte und kann - sie ist ja noch nicht beendet. Eine Beschleunigung, zum Beispiel durch einen Zweischichtbetrieb, hätte nach Ranners Einschätzung keine spürbaren Verbesserungen, sondern vor allem nur neuen ärger gebracht: Bei längeren Arbeitszeiten auf der Baustelle hätten die Anwohner täglich länger Baulärm ertragen müssen, auch bis in die Dunkelheit hinein. Seit Einrichten der Baustelle im März 2009 haben die Firmen an elf Samstagen und sogar an drei Sonntagen die Arbeiten weitergeführt. Dass die Baustelle an einem "Fenstertag", also am Freitag nach einem Feiertag verwaist war, räumt Ranner ein. Man habe den Arbeitern die Möglichkeit geben wollen, Zeit mit ihren Familien zu verbringen, zumal zu diesem Zeitpunkt die Baustelle zeitlich optimal im Plan gewesen sei.

Oftmals sehen Baustellen auch aus, als seien sie verwaist. "Kein Mensch auf der Baustelle, aber alles aufgerissen", ist eine häufige Beschwerde, zuletzt beispielsweise bezogen auf die Sperrungen am Gries. Baudezernent Helmut Cybulska sagt: "Oft trügt der Schein, vor allem, wenn es sich um Baustellen handelt, wo am Leitungsnetz gearbeitet wird." Diese könnten oftmals nicht in einem Zug abgeschlossen werden, denn die alten Ver- und Entsorgungsleitungen müssten in Betrieb bleiben, bis die neuen Leitungen parallel gebaut und funktionsfähig sind. Das bedeute zum Beispiel beim Bau von Wasserleitungen, dass die neuen Leitungen auf einwandfreie Hygiene und Drucksicherheit überprüft sein müssen. Dafür, so Cybulska, seien mehrtägige Laboruntersuchungen und Bestätigungen, etwa durch das Gesundheitsamt notwendig. In der Zwischenzeit ruhen die Bauarbeiten. Baugruben, sowohl für die Hausanschlüsse zum Umschließen der neuen Leitung als auch für das Umschließen vom neuen auf das alte System, müssten in diesen Zwischenzeiten aber offen bleiben, "In diesen Tagen ist dann kein Bauarbeiter zu sehen, das ist klar", erklärt Cybulska die "Geisterbau- stellen".

bi/Oberbayerisches Volksblatt 

Quelle: rosenheim24.de

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