"Pfad für Kinder" hilft Pflegefamilien

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Rosenheim - 140 Pflegekinder sind derzeit bei rund 120 Pflegefamilien im Landkreis untergebracht. Und „Pfad für Kinder“ steht den Familien seit 30 Jahren mit Rat und Tat zur Seite.

Die fünfjährige Jasmin (Name von der Redaktion geändert) hat zwei Mütter. Eine „Wohnmami“ und eine „Bauchmami“. Bei der „Wohnmami“ ist sie seit einem Jahr zuhause. Die „Bauchmami“ hat sie geboren. Jasmin ist eines von derzeit 140 Pflegekindern, die bei rund 120 Pflegefamilien im Landkreis untergebracht sind.

"Pfad für Kinder" steht Pflegefamilien nun seit 30 Jahren mit Rat und Tat zur Seite. Denn die Aufnahme eines Pflegekindes ist mit besonderen Herausforderungen verbunden, wie auch bei der Geburtstagsfeier des Vereins im Bildungszentrum in Rosenheim deutlich wurde.

Nicht alle Kinder haben die Möglichkeit, ausschließlich in der eigenen Familie aufzuwachsen. Eltern können aus unterschiedlichsten Gründen in Situationen kommen, in denen sie, vorübergehend oder dauerhaft, nicht mehr in der Lage sind, ihren Kindern das zu geben, was sie für eine glückliche und gesunde Entwicklung benötigen.

Buben und Mädchen aus Problemfamilien werden von Jugendämtern immer häufiger in die Obhut von Ersatzeltern und nicht in ein Heim gegeben. Zum einen ist die Unterbringung in einer Pflegefamilie auch von der finanziellen Seite her günstiger als ein Platz in einem Heim. Doch bewiesen ist auch, dass das familiäre Umfeld gerade solchen Kindern gut tut. Denn Pflegekinder haben oft Vernachlässigung erlebt und Gewalt oder Missbrauch erfahren.

Jasmin ist so ein Kind. Sie musste durch ihre alkoholabhängigen Eltern Gewalt erfahren. Traumatisiert kam sie schließlich bei ihrer Pflegefamilie an. Diese benötigt immer noch viel Geduld, Einfühlungsvermögen, Zeit und Belastbarkeit im Umgang mit dem Mädchen.

"Einfach ist es besonders am Anfang nicht. Da kommt ein völlig fremder Mensch, der seine eigene Geschichte mitbringt", erzählte eine 42-jährige Pflegemutter aus Wasserburg bei der 30-Jahr-Feier. Nachdem sie zwei eigene Kinder auf die Welt gebracht hat, entschloss sie sich, Pflegekinder aufzunehmen. "Meiner Familie geht es gut. Doch es gibt eben auch Familien, die dieses Glück nicht haben. Ihnen will ich helfen."

Während das Adoptivkind wie ein leibliches Kind angenommen wird, bleibt das Pflegekind rechtlich gesehen weiterhin das Kind seiner Herkunftsfamilie.

Dieser Tatsache sind sich die Pflegefamilien völlig bewusst, wie Maria Setz von Verein "Pfad für Kinder" erzählt. "Es hat sich gezeigt, wie wichtig ist, dass die Kinder ihre Wurzeln kennen." Darum achte man gut darauf, dass die Verbindung zur Herkunftsfamilie, wenn irgendwie möglich, niemals abreiße, etwa in Form von Besuchen. Auch sei es wichtig, den leiblichen Eltern positiv gegenüberzustehen. Nur so könne sich das Kind gut entwickeln.

Die Kinder kämen mit dieser "doppelten" Familiensituation in der Regel gut zurecht.

"Sie haben eben zwei Mamas und zwei Papas", erklärt eine 39-jährige Rosenheimer Pflegemutter, die derzeit neben ihren eigenen Kindern schon seit vielen Jahren zwei Pflegekinder betreut. "Die beiden sind ein echter Bestandteil unserer Familie", erzählt sie. In der Erziehung mache sie keine Unterschiede zu ihren eigenen Kinder. In ihrem Freundeskreis und in der Verwandtschaft würde man die Pflegekinder voll akzeptieren. "Selbst meine eigenen Kinder haben mit dieser Situation kein Problem. Sie schauen sogar immer darauf, dass niemand zu kurz kommt", so die 39-Jährige.

Schwierig wird es für Pflegefamilien immer dann, wenn die Zeit des Abschieds naht. So wie im Fall einer 40-jährigen Pflegemutter aus Wasserburg. Vor zwei Jahren wurde ihr die Verantwortung für ein nur ein paar Monate altes Mädchen übertragen. Zwei Jahre blieb das Kind bei ihr. Vor wenigen Wochen durfte das Mädchen nun wieder bei seiner Herkunftsfamilie einziehen. "Da ist man schon sehr traurig. Ein Stück meines Herzens ging mit der kleinen Maus mit", so die Wasserburgerin.

Um auch mit diesen Momenten fertig zu werden, wurde vor 30 Jahren der Verein "Pfad für Kinder" gegründet. Er informiert und berät Pflege- und Adoptivfamilien in Stadt und Landkreis. Angeboten werden regelmäßige Gesprächskreise und Begleitung in Zusammenarbeit mit Ämtern und Fachkräften.

Rosenheims Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer und der stellvertretende Landrat Josef Huber waren bei der Geburtstagsfeier des Vereins voll des Lobes für die Arbeit der Pflegefamilien: "Sie geben Kindern eine Zukunft!"

wu/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa

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