Kleine Geschichte eines kleinen Hauses

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Für die Nachwelt festhalten ließ das Bauamt im Sommer 2010 das Anwesen Sternstraße 2.

Rosenheim - Es war zum Schluss nicht nur ein pittoreskes Unikum in der Innenstadt, sondern auch ein Schandfleck – das kleine Handwerkerhäusl in der Sternstraße 2.

Ähnliche, aber etwas größere Bauten gibt es noch im Hammerviertel und an der Kufsteiner Straße. Vor kurzem wurde das niedrige Hütterl abgebrochen, das Grundstück planiert und als Parkplatz hergerichtet.

"Es war wirklich nur noch ein Schandfleck", sagt Hubert Weiß aus Rohrdorf, dem das Haus gehörte. Es sei in sehr schlechtem Zustand gewesen, und zuletzt hätten die Bewohner auch keine Miete mehr gezahlt, so der 67-Jährige.

Er hatte das kleine Anwesen ebenso von seinem Vater geerbt wie das benachbarte Eckhaus Frühlingstraße 9 aus dem Baujahr 1874, in dem die Bestattungsfirma Schmid ihren Sitz hat. Sie darf jetzt in Absprache mit dem Eigentümer das Grundstück des abgebrochenen Anwesens als Kundenparkplatz nutzen.

Die einzige im Bauakt erhaltene Zeichnung des 1863/64 errichteten Gebäudes stammt von 1873. Es handelt sich um den Plan zum Anbau einer Werkstätte (unten links). Damals noch Maßeinheit: ein Fuß.

"Mein Vater, der das Haus Frühlingstraße 9 in den 1950er-Jahren erworben hatte, konnte das Häusl samt Grund in den 1970er-Jahren dazukaufen", erinnert sich Weiß. Auf die Frage, wie alt es denn gewesen sei, schätzt er, dass es kurz vor dem Zweiten Weltkrieg gebaut worden sei: "Mehr darüber hätte mein Vater gewusst, aber der ist schon gestorben", so Weiß. Er ließ das "Hütterl" im Januar abbrechen. Eine Genehmigung dafür brauchte es nicht, da das Haus allein stand und nach Auskunft des Bauamtes städtebaulich unbedeutend war.

Nachforschungen beim Bauamt ergaben, dass das kleine Haus doch wesentlich älter war als der Eigentümer vermutete. Die Bauzeit ist mit 1863/64 anzusetzen. In der Registratur des Bauamtes fand sich ein Plan von 1873, um an das Anwesen des Johann Maurer eine Werkstätte anzubauen; also etwa zeitgleich mit der Errichtung des Anwesens Frühlingstraße 9.

Als weiterer Eintrag liegt ein Plan, gefertigt 1955, für die Entwässerung im Akt "Sternstraße 2". Das kleine Bad im Werkstattanbau wurde damals an den Kanal in der Sternstraße angeschlossen. Eigentümer war zu dieser Zeit Johann Gutsmiedl, von dem der Vater von Hubert Weiß das Anwesen erworben hat. 1991 wurde von der Stadt die Wohnnutzung im Dachgeschoss genehmigt.

Was soll nun aus dem Grundstück in bester, ruhiger Innenstadtlage und dem daraufliegenden Baurecht werden? Hubert Weiß beabsichtigt, dort zu bauen. "Die uns vorliegenden Pläne schauen ganz gut aus", lässt sich Peter Rein vom Bauamt vernehmen. Es soll ein zeitgemäßer Ersatzbau werden, der sich gut in die bestehende Bebauung einfüge.

hh/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

Zurück zur Übersicht: Bayern

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser