Knast bietet 20-Jährigem Dach über dem Kopf

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Rosenheim - Vor dem Jugendschöffengericht hatten sich ein 18-jähriger und ein 20-jähriger Straftäter zu verantworten. Der Grund für die Gefängnisstrafe des Älteren ist tragisch:

Vater und Mutter sind nicht auffindbar, ein Onkel hat auf die Kontaktversuche des 20-Jährigen nicht reagiert. Dabei könnte er diesen Beistand dringend brauchen, um nach dem Beginn einer kriminellen Karriere wieder ins Lot zu kommen.

Der Ältere hat das Problem, keinen vernünftigen Hauptschulabschluss zu haben. Umso dankbarer hätte er sein können, überhaupt Ausbildungsplätze bekommen zu haben. Von seinem Auftreten her machte er vor Gericht durchaus einen guten Eindruck. So konnte er zuerst eine Lehre in einem Fahrradgeschäft antreten. Seine Ortskenntnis nutzte er jedoch, um in dieses Geschäft einzubrechen und seinen Lehrherrn zu bestehlen, zusammen mit seinem jüngeren Freund.

Als er diese Lehrstelle verloren hatte, fand er eine neue. Dort sollte er zum Restaurantfachmann ausgebildet werden. Doch wiederum wollte er sich mit dem, was er in der Ausbildung verdiente, nicht zufrieden geben. Wieder machte er sich nachts mit seinem Kumpel ans Werk. Wieder brach er dort ein, wo er beschäftigt war. Ein "Bruch" erfolgte 2010, der nächste in diesem Jahr. An beiden Orten entwendeten die zwei Geld- und Sachwerte, in einem Fall sogar mehrfach. Dazu kam, dass der 20-Jährige auch noch beim Erwerb von Haschisch erwischt worden war.

Ein großes Problem für ihn ist, dass er überhaupt keine familiären Bindungen hat. Er weiß nicht, wo Vater und Mutter sind, und auch sonst will niemand etwas von ihm wissen. Ein Onkel war ihm noch eingefallen, den er vor dem Prozess kontaktierte. Doch von dort kam keinerlei Reaktion.

Die beiden waren umfassend geständig, so dass die Vorsitzende Richterin Verena Köstner, gemeinsam mit ihren Schöffen den Jüngeren zu einer Bewährungsstrafe verurteilen konnte.

Sehr viel größer war die Schwierigkeit, für den Älteren ein angemessenes und zudem hilfreiches Urteil zu finden. "Wie können wir Sie in eine Bewährung entlassen, wenn Sie weder Wohnung, noch Arbeit noch irgendeine soziale Beziehung haben?", so die Richterin, "wir müssten Sie auf die Straße schicken ohne Geld und ohne jede Perspektive. Die nächste Straftat wäre vorprogrammiert." Die Richterin gab schließlich bekannt, das Gericht sehe keine andere Möglichkeit, als ihn ins Gefängnis zu stecken. Dort hat er ein Dach über dem Kopf und zudem bekommt er die Möglichkeit, einen qualifizierenden Schulabschluss nachzuholen. Zudem hat der junge Mann Zeit, seine Zukunft vernünftig zu planen.

Das Gericht verurteilte den 20-Jährigen zu 15 Monaten Jugendgefängnis.

au/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa

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