Kokain statt Pommes

Rosenheim - Einen lukrativen Nebenerwerb suchte sich ein holländischer Staatsbürger mit chinesischen Wurzeln: Neben seiner Snackbude wollte er sich als Drogenkurier bereichern. Doch das ging schief.

Lesen Sie hier den Originalartikel aus dem Oberbayerischen Volksblatt:

Kokain statt Pommes

Rosenheim - Da seine "Snackbude" und der Verkauf von Pommes frites im holländischen Haarlem nicht mehr einträglich genug waren, glaubte ein 54-jähriger in Malaysia geborener Chinese mit holländischer Staatsbürgerschaft, durch einen Zugewinn als Drogenkurier die miserabel laufenden Geschäfte aufbessern zu können.

Doch das ging schief; die Handschellen klickten und die "Kurierfahrt" endete erst einmal in Stadelheim.

Vor dem Schöffengericht unter Vorsitz von Richter Heinrich Loeber hatte sich der Mann jetzt wegen unerlaubter Einfuhr von Betäubungsmitteln in "nicht geringer Menge" in Tateinheit mit unerlaubtem Handel mit denselben zu verantworten. Den Vorwurf, auch gegen das Arzneimittelgesetz verstoßen zu haben, ließ das Gericht fallen.

Im Oktober reiste der Angeklagte von Amsterdam mit dem Nachtzug via München nach Florenz. Bei einer Kontrolle im Bereich Großkarolinenfeld fanden die Beamten im Rucksack des Chinesen fünf Kilogramm Ketamin und 250 Gramm Heroin, die er im Auftrag zweier bisher nicht ermittelter Personen in Amsterdam an ihm unbekannte Empfänger in Florenz übergeben sollte. Eine hohe Belohnung war ihm zugesichert worden.

Ketamin findet als Arzneimittel in der Human- und Tiermedizin Anwendung. Es wird illegal als Droge verwendet und kann Pseudohallozinationen und Horrortrips verursachen. Im Vietnamkrieg wurde es als "Special K" bei US-Soldaten als Schmerzmittel und als Droge bekannt. Aufgrund seiner bewusstseinsverändernden Wirkung ist Ketamin in Europa als "Partydroge" bekannt und verboten. In Deutschland, der Schweiz und Österreich ist Ketamin verschreibungspflichtig, unterliegt aber noch nicht dem Betäubungsmittelgesetz.

Das Gericht sagte dem bisher weder in den Niederlanden noch in Deutschland straffällig gewordenen Angeklagten für den Fall, das er die Vorwürfe einräume, eine Strafmaßobergrenze von drei Jahren Freiheitsstrafe zu. Der Beweisaufnahme war zu entnehmen, dass der Angeklagte, der nach eigenen Worten selbst nie Drogen genommen habe, nicht genau wusste, welcher Art die von ihm mitgeführten Betäubungsmittel waren und geglaubt habe, dass es sich um sogenannte "leichte" Drogen gehandelt habe. Der Staatsanwalt war weniger großzügig, denn er sah eine Strafmaßobergrenze von vier Jahren wegen der "nicht geringen Menge" an Kokain als angemessen an.

Aufgrund des bereits während der Ermittlungen erfolgten Teilgeständnisses und der bis dato "gesetzeskonformen" Lebensweise des Angeklagten sowie der zugesagten Strafmaßobergrenze, aber aufgrund der "nicht geringen Menge", verurteile ihn das Gericht zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und zehn Monaten. Die Haftfortdauer wurde ebenfalls angeordnet. Der Angeklagte beziehungsweise seine beiden Verteidiger nahmen das Urteil an.

je/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa

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