Hochwasser: Wurde die Schwaig nicht verteidigt?

+
Für die Hochwasseropfer in Kolbermoor gab es nun eine Bürgerversammlung im Maireissaal.
  • schließen

Kolbermoor - Nachdem das gröbste Hochwasserchaos in Kolbermoor beseitigt wurde, gab es nun auch eine Versammlung für die betroffenen Bürger. Diese schwankten zwischen Beifall und Verzweiflung:

Es ist das gleiche Thema, aber ein anderer Ort, zu dem sich rund 400 Bürger am Mittwoch, 26. Juni, Luft machten. Es ging wie wenige Wochen zuvor in Fürstätt um das Hochwasser und seine Folgen. Neben Kolbermoors Bürgermeister Peter Kloo, standen unter anderem der Leiter des Rosenheimer Wasserwirtschaftsamtes, Paul Geisenhofer, und der Kommandant der FFW Kolbermoor, Richard Schrank, den Bürgern Rede und Antwort.

Die Bürgerversammlung begann zunächst recht zivilisiert. Die Bürger klatschten bei der Vorstellungsrunde der Verantwortlichen und die Fragen der Bürger wurden, der Reihe nach, an mehreren Mikrofonen, die im Saal verteilt waren, gestellt und gesammelt danach beantwortet. Doch schon bei der Beantwortung der ersten Fragerunde ging es dem Leiter des Wasserwirtschaftsamtes ähnlich wie in Fürstätt: Er durfte nicht ausreden. Es gab Zwischenrufe und ein Ansatz von Pfiffen war zu hören.

Zeitplan für die Sanierung der Mangfall in Kolbermoor:

Den Bürgern stieß sauer auf, dass die Nord- und Südseite der Mangfall in Kolbermoor nicht parallel ausgebaut werden sollen. Wie Geisenhofer in einer Präsentation zeigte, haben zunächst die beiden Deiche am Schwarzen Weg auf der Nordseite der Mangfall und der Bereich von der Carl-Jordan-Straße bis zur Stadtgrenze von Rosenheim auf der Südseite Vorrang. Diese Bereiche sollen noch 2013 saniert werden, weil ein möglicher Deichbruch bei Hochwasser eine Flutwelle mit sich bringen würde, so Christoph Wiedemann vom Wasserwirtschaftsamt. 

Für 2014 bleiben dann noch der Friedhofsbereich auf der Nordseite der Mangfall und der Abschnitt von der Carl-Jordan-Brücke bis zum Spinnereiwehr auf der Südseite übrig. An diesen Uferabschnitten würde das Wasser langsam nach oben steigen und man könne sich darauf einstellen, dass das Wasser komme, so Wiedemann weiter.

Warum der Tegernsee nichts für das Hochwasser kann:

Und das Wasser kam. Deshalb fragten sich auch einige Bürger, warum am Tegernsee, an dem sich die Mangfall unten anschließt, kein Wasser abgelassen wurde. Noch immer halten sich Gerüchte, dass es dann das Untere Mangfalltal weniger schlimm getroffen hätte. Jedoch, der Tegernsee ist nicht regulierbar. Noch, so Geisenhofer. Es gebe ein Schutzkonzept, das aktuell vorangetrieben werde und das eine künftige Regulierung des Tegernsees beinhalte.

Grundsätzlich beinhalte dieses Konzept drei Komponenten: 1. Den Ausbau der Deiche in 40 Bauabschnitten, in 5 Kommunen des Unteren Mangfalltals, für etwa 75 Millionen Euro. 2. Den Bau eines Wasser-Rückhaltebeckens in Feldolling, mit einem Fassungsvermögen von 6,6 Millionen Kubikmeter, für 55 Millionen Euro. Und 3. Den Ersatz des Schumacher-Wehrs in Gmund am Tegernsee durch ein anderes Wehr, mit dem der See steuerbar wird.

Diese Lösungen für einen besseren Hochwasserschutz konnten die Bürger schwer beschwichtigen. Ein Grund dafür: Es braucht Zeit, bis die Maßnahmen umgesetzt werden können. Allein das Wasser-Rückhaltebecken in Feldolling wird mit Planung, Genehmigung und Bauzeit erst, Stand jetzt, Ende 2019 fertig. Herr Wiedemann vom Wasserwirtschaftsamt versuchte zu beruhigen: "Sie können sich darauf verlassen, dass wir alles Mögliche tun, um die Ziele einzuhalten!"

Wurde der Ortsteil Schwaig nicht verteidigt?

Neben dem Wasserwirtschaftsamt bekam auch der Kommandant der FFW Kolbermoor den Zorn der Hochwasseropfer zu spüren. Ihm wurde von einem Mitbürger vorgeworfen, den unteren Teil der Mangfall in der Schwaig nicht verteidigt zu haben. Dies stritt Richard Schrank ab:"Wir haben dort, sogar mit Bürgern aus der Schwaig, bis zum Schluss gegen das Wasser gekämpft." Das Wasser sei jedoch letztlich so hoch gestiegen, dass er als örtlicher Einsatzleiter beschlossen habe den Abschnitt aufzugeben, weil er das Leben seiner Leute "nicht aufs Spiel setzen" wollte, so Schrank weiter.

Eigenverantwortung der Bürger ist nun gefragt:

Auch wenn das Wasser nicht an allen Stellen gehalten werden konnte, so können Bürger als auch Verantwortliche, wenigstens einige Lehren aus dem Hochwasser ziehen. Wie können sich also Bürger künftig auf solche Naturkatastrophen vorbereiten? Hier gibt es Grenzen, erklärt der Feuerwehrkommandant. Irgendwann sei der Mensch der Natur ergeben. Dennoch sei es wichtig, dass jeder einzelne nun schaue, wie er sich und sein Haus künftig besser schützen könne.

Versammlung zum Hochwasser in Kolbermoor

Anzufangen sei hier mit der Abdichtung von Kellerfenstern oder der Sortierung wichtiger Dinge, die bei einer Evakuierung des Hauses schnell mitgenommen werden könnten, unterstützt der Bürgermeister, Peter Kloo, seinen Kommandanten. Hier zähle dann nicht mehr, dass der Fernseher gerade nicht geht, weil der Strom abgeschaltet wurde, sagt Schrank. Doch auch mit diesen Bürger-Problemen musste sich die Feuerwehr während der Hochwasser-Katastrophe tatsächlich beschäftigen.

Mehr Informationen zum Verhalten bei Katastrophen gibt es beim Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe.

Quelle: rosenheim24.de

Zurück zur Übersicht: Bayern

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser