Wegen unterlassener Hilfe

Prozess um krankes Flüchtlingskind - Geldstrafe?

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Der kleine Leonardo P. wartet mit seinen Eltern im Amtsgericht in Fürth vor dem Gerichtssaal. Weil sie dem Flüchtlingskind im Zirndorfer Aufnahmelager einen Arzt verweigerten, müssen sich mehrere Beteiligte vor Gericht verantworten.

Fürth - Der Prozess um ein krankes Flüchtlingskind, dem im Aufnahmelager Zirndorf ärztliche Hilfe verweigert wurde, wird fortgesetzt. Die Anklage fordert Geldstrafen.

Weil sie dem schwer kranken Flüchtlingskind im Zirndorfer Aufnahmelager nicht geholfen haben, sollen die drei damaligen Mitarbeiter und ein Arzt nach Ansicht der Anklage eine Geldstrafe zahlen. Die Staatsanwältin forderte am Dienstag vor dem Amtsgericht Fürth Strafen zwischen 40 und 330 Euro. Die beiden angeklagten Pförtner hätten sich der gefährlichen Körperverletzung und unterlassener Hilfeleistung schuldig gemacht. Für eine weitere Mitarbeiterin plädierte die Anklägerin auf unterlassene Hilfeleistung, für einen Bereitschaftsarzt, der das Kind zu oberflächlich untersucht habe, auf fahrlässige Körperverletzung.

Verteidiger wollen Freispruch

Die Verteidiger plädierten für ihre Mandanten dagegen durchgängig auf Freispruch. Der Bereitschaftsarzt und die Mitarbeiterin hätten in ihren damaligen Situationen jeweils richtig gehandelt. Der Mediziner habe keinen Diagnose- oder Behandlungsfehler gemacht und die Frau die Familie sofort zum Arzt geschickt. Der Anwalt eines Pförtners hob vor allem hervor, dass es außer den Aussagen der Eltern kaum Beweise in dem Fall gebe. Und diese Aussagen seien oft widersprüchlich gewesen und daher kaum belastbar. Der Anwalt des zweiten Pförtners sagte, sein Mandant habe das Kind damals nicht gesehen, weil es in eine Decke eingewickelt war und er daher keine Notlage habe erkennen können.

Die Hintergründe

Die zwei Pförtner sollen den Ermittlungen zufolge im Dezember 2011 der Bitte der Eltern, einen Arzt oder Rettungswagen für ihr Kind zu rufen, nicht nachgekommen sein. Stattdessen hätten die Pförtner den Vater aufgefordert, sich einen Krankenschein zu besorgen. Eine Angestellte stellte das Dokument schließlich aus. Jedoch rief auch sie danach keinen Mediziner.

Ärztinnen sagen aus

Die Fortsetzung des Prozesses hatte mit der Aussage zweier Ärztinnen begonnen. Der kleine Junge habe vermutlich schon am frühen Morgen starke Schmerzen gehabt und hätte früher behandelt werden müssen, sagte eine Medizinerin vom Klinikum Fürth, die das eineinhalbjährige Kind in der Notaufnahme betreute.

Das Kind sei nicht mehr ansprechbar gewesen und habe kurz darauf nicht mehr atmen können. Am Gesicht und den Händen sei die Haut bereits rot bis blauschwarz gewesen. „Bei dieser Erkrankung ist es so, dass jede Stunde zählt“, sagte die Ärztin am Dienstag vor dem Amtsgericht Fürth. Das Kind hatte eine massive bakterielle Infektion.

dpa

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