Kripo hebelt Drogenmafia aus

Rosenheim - Jahrelange Ermittlungsarbeit der Kripo war letztlich erfolgreich: Mit ihrer Hilfe ging es dem Rosenheimer Zweig einer in Memmingen ansässigen Drogenmafia-Zelle an den Kragen.

In Memmingen residierte eine russische Mafia-Zelle, die über Jahre hinweg den süddeutschen Raum mit Heroin versorgte. Mit intensiven Recherchen, Kontrollen und Überwachungen gelang den dortigen Drogenfahndern ein deutlicher Erfolg gegen deren Machenschaften. Der Drahtzieher verschwand kürzlich für über zehn Jahre hinter Gittern. Nun ging es auch dem Rosenheimer Zweig dieser Bande an den Kragen. Jahrelange Ermittlungsarbeit der Rosenheimer Kripo war letztlich erfolgreich.

Wegen neun Fällen von Vergehen gegen das Betäubungsmittelgesetz standen jetzt die drei Angeklagten, ein Armenier, ein Deutschrusse und eine gebürtige Polin vor dem Schöffengericht unter Vorsitz von Richterin Jacqueline Aßbichler. Haupt-Anklagepunkt war eine Fahrt der drei von Rosenheim nach Memmingen, um dort 100 Gramm Heroin zu beschaffen.

Alle Drei sind hochgradig heroinsüchtig und nach vielen Entgiftungen und Therapieversuchen immer wieder rückfällig geworden. Die 29-Jährige war insoweit geständig, als sie bestätigte, dass sie die beiden Männer nach Memmingen gefahren hatte, weil diese keinen Führerschein besaßen. Ihr sei damals auch sinngemäß als Fahrerlohn Heroin versprochen worden. Ob, und wie viel Drogen die Zwei dort beschaffen wollten, darüber sei nicht gesprochen worden, und davon wisse sie auch nichts.

Der 27-jährige Deutschrusse erklärte, er habe zwar an dieser Fahrt teilgenommen, aber zu keiner Zeit sei es dabei um Drogen gegangen. Der 34-jährige Armenier bestritt sogar überhaupt, an der Fahrt teilgenommen zu haben.

Weil das erworbene Rauschgift niemals aufgetaucht war, rechneten sich die zwei Männer gute Chancen aus, aus dieser Anklage heil herauszukommen. Lange Gesichter zogen sie, als die Polizeibeamten mit Protokollen aus Telefon- und Gesprächsüberwachungen aufwarteten. Die Anwälte bezweifelten zwar die Authentizität dieser Beweise, aber als dann am zweiten Verhandlungstag die Stimmen der Angeklagten und die des "Chefs" aus Memmingen aus dem Lautsprecher erklangen, wurden die Mienen der Männer schon bedrückter. Die Dolmetscherin übersetzte simultan das Gesprochene, so dass kein Zweifel mehr möglich war.

Das sah auch die Staatsanwältin so. Sie beantragte wegen bandenmäßigen Handeltreibens mit harten Drogen für die Männer zwei Jahre und sechs Monate Gefängnis. Für die Frau, die lediglich als Fahrerin beteiligt war und dafür "Drogenlohn" kassiert hatte, beantragte sie 14 Monate Haft, die aber zur Bewährung ausgesetzt werden könnten. Für alle Drei sei eine Therapie in einer geschlossenen Anstalt zwingend geboten. Nur die Frau solle die Chance einer ambulanten Therapie in Freiheit bekommen.

Rechtsanwalt Alexander Eberth erklärte für seinen Mandanten, dass der Deutschrusse zwar die Teilnahme an der Fahrt zugestanden habe. Aber ob und welche Drogenmenge dabei gewesen sei, sei nicht bewiesen. Äußerstenfalls ein Jahr Gefängnis sei in diesem Falle angemessen. Rechtsanwalt Dr. Markus Frank forderte für seinen armenischen Mandanten einen glatten Freispruch. Zu keiner Zeit sei eine Beteiligung an einem Drogengeschäft seines Mandanten bewiesen worden. Rechtsanwalt Florian Mangold unterstrich die Nebenrolle seiner Mandantin, die vornehmlich wegen des Suchtdruckes an der Fahrt teilgenommen habe. Eine Geldstrafe sei in diesem Falle sicherlich ausreichend.

Das Gericht befand die Angeklagten schuldig und durch die Beweise hinreichend überführt. Für zwei Jahre und drei Monate müssen die beiden Männer hinter Gitter, zumal beide unter offener Bewährung standen. Die Frau wurde mit einer Haftstrafe von einem Jahr belegt. "Das ist nötig", so die Richterin. "Damit sie den nötigen Bewährungsdruck haben, um die erforderliche Therapie durchzustehen."

au/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa

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