Corona hat Auswirkungen auf Einsätze und Kameradschaft

Feuerwehr Burghausen wieder im Übungsbetrieb: „Handgriffe müssen sitzen“

Übungen wie eine Eisrettung oder das Arbeiten an der Motorsäge sind ein wichtiger Bestandteil für die Freiwillige Feuerwehr Burghausen.
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Übungen wie eine Eisrettung oder das Arbeiten an der Motorsäge sind ein wichtiger Bestandteil für die Freiwillige Feuerwehr Burghausen.

Florian Hobmeier, 1. Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Burghausen, berichtet von den Umstellungen, die die Corona-Pandemie mit sich bringt. Um für die Einsätze gewappnet zu sein, finden derzeit wieder Übungen statt. Doch ein Aspekt trifft die Feuerwehr derzeit besonders hart. 

Burghausen - Im Jahr 2020 musste die Freiwillige Feuerwehr auf einen Großteil ihrer Übungen verzichten. „Es war allerdings ein Standpunkt erreicht, an dem wir es uns nicht erlauben konnten, weiterhin auf Übungen zu verzichten und haben uns entschieden, den Betrieb wieder zu starten“, schildert Florian Hobmeier, 1. Kommandant Freiwillige Feuerwehr Burghausen, gegenüber innsalzach24.de. Freilich finden diese unter strengen Regeln und in Kleingruppen statt.


Übungsbetrieb für Freiwillige Feuerwehr Burghausen sehr wichtig

Dabei geht es auch um die Sicherheit der Einsatzkräfte. „Die Handgriffe müssen sitzen. Unsere Leute dürfen nicht gefährdet werden durch fehlende Routine. Ebenso darf sich eine Rettung nicht verzögern“, hebt der Kommandant die Wichtigkeit von Übungen hervor. Es wurden gewisse Themenfelder bestimmt, auf die nicht verzichtet werden kann, die aber auch beispielsweise im Freien durchgeführt werden können.


Im laufendem Jahr gab es bereits über 30 Übungen. Beispielsweise ist dabei eine Eisrettung am Wöhrsee zu nennen, die nur in einem kurzen Zeitraum geprobt werden könne, wenn der See auch zugefroren ist. „Das Arbeiten mit den Überlebensanzügen im Eis ist für uns sehr wichtig. Das müssen unsere Leute können und auf einen solchen Moment vorbereitet sein. Wenn jemand eingebrochen ist, zählt jede Sekunde“, erläutert Hobmeier. Bereits kurz nach der Übung hat sich die Einheit bewährt und es musste ein Schwan aus dem Eiswasser gerettet werden.

Die Feuerwehr Burghausen muss auf den Ernstfall vorbereitet sein.

Auch das Arbeiten mit der Motorsäge stand bereits auf der Agenda. „Das Schneiden von Sturmholz, Bäume die unter Spannung stehen, ist eine sehr gefährliche Tätigkeit und muss regelmäßig geübt werden“, erklärt der Feuerwehrkommandant. Aber auch für die Maschinisten, die die Fahrzeuge bedienen, sind Automatismen wichtig. Heutzutage handelt es sich dabei um sehr komplexe Fahrzeuge.

Weitere Auswirkungen von Corona - Weniger Personal bei Einsätzen

Doch Corona hat noch viel mehr Auswirkungen. Schon beim Betreten des Feuerwehrhauses gilt eine Maskenpflicht. Auch allgemeine Sicherheitsvorkehrungen wie Hygienemaßnahmen oder Abstandsregeln müssen eingehalten werden. „Wir müssen die Fahrzeuge daher auch mit weniger Personal ausrücken lassen als im Normalfall möglich“, so Hobmeier. FFP2-Masken wären bereits vor der Pflicht im Einsatz gewesen.

Die Feuerwehr ist eine kritische Infrastruktur und muss funktionieren. Daher ist es besonders wichtig, dass die Einsatzkräfte geschützt sind. „Es darf nicht sein, dass eine größere Anzahl an Personen krank werden und ausfallen. Das wäre nicht auszudenken, was in einem solchen Fall passieren würde“, unterstreicht Hobmeier nochmals die Bedeutung der Vorkehrungen. Die derzeitigen Einsätze werden aus diesem Grund mit möglichst wenig Personal abgedeckt.

Auch die Besprechungen nach einem Einsatz, um alles Revue passieren zu lassen, müssen derzeit natürlich ausfallen. „Wir unterliegen denselben gesetzlichen Regelungen wie eine private Person auch“, erklärt der Kommandant. Dafür muss der hauptamtliche Gerätewart umso mehr desinfizieren – sei es Türklinken oder Funkgeräte. Deswegen stehen in der Zentrale jede Menge Kanister herum. „Besonders in der Anfangsphase war man diesbezüglich sehr auf sich alleine gestellt und hat keine Unterstützung vom Freistaat oder übergeordneten Institutionen erhalten. Inzwischen ist die Versorgungslage aller Güter aber in ausreichenden Maßen verfügbar“, so Hobmeier.

Florian Hobmeier (links) bei der Übung am Wöhrsee.

Hobmeier: „Das tut wahnsinnig weh“

Doch ein Aspekt trifft die Feuerwehr in Zeiten der Corona-Pandemie besonders hart: „Das ganze System der Feuerwehr beruht auf die Freiwilligkeit und der Kameradschaft. Wenn dieser Zusammenhalt, dieses Zusammensitzen, sich gegenseitig austauschen fehlt, fehlt ein ganz wichtiger Punkt in der Feuerwehr“, erläutert der Kommandant. Das würde man allen Kameraden ganz stark anmerken. Natürlich leide darunter kurzfristig nicht die Qualität der Arbeit, aber den Zusammenhalt über einen solch langen Zeitraum zu halten, sei extrem schwierig. Sich nur auf einen Einsatz zu konzentrieren, erfordere daher eine große Disziplin.

Besonders für Reservisten, die nicht mehr aktiv im Einsatz tätig sind, sei die aktuelle Situation sehr schwierig. Diese hätten aktuell keine Möglichkeit, sich in der Feuerwehr zu engagieren. Auch die Jugendlichen müssen hierbei erwähnt werden. Denn neben der Feuerwehrausbildung würden auch viele andere gemeinsamen Aktivitäten stattfinden – beispielsweise Ausflüge oder Eisessen. „Das sind Freunde, denen wir sagen müssen, dass sie nicht kommen dürfen. Das tut wahnsinnig weh“, so Hobmeier. Daher hoffe man auf baldige Lockerungen, damit der Feuerwehrgeist, für den die Kameraden leben, wieder alle verbinden kann. „Darauf freuen wir uns alle wahnsinnig“, so Hobmeier abschließend.

jz

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